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StartseiteCampus & KarriereMit Kopftuch am katholischem Gymnasium20.12.2017

Canisius-Kolleg in BerlinMit Kopftuch am katholischem Gymnasium

An Berliner Schulen dürfen Lehrerinnen kein Kopftuch tragen – und auch keine anderen religiösen Symbole. Grüne sowie Teile von Linken und SPD wollen das Gesetz abschaffen. Unterstützung erhalten die Gegner ausgerechnet von einer christlichen Privatschule, an der eine Lehrerin mit Kopftuch unterrichtet.

Von Benjamin Dierks

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"Canisius Kolleg, Jesuitengymnasium" ist auf der Tafel vor dem Canisius-Kolleg am 22.01.20015 in Berlin zu lesen. (dpa / picture-alliance / Stephanie Pilick)
Das Berliner Canisius-Kolleg sieht das Kopftuch nicht als Hinderungsgrund für die Einstellung als Lehrerin. (dpa / picture-alliance / Stephanie Pilick)
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Während Berlin um das Kopftuch an Schulen streitet, schafft das Canisius Kolleg Fakten: An dem katholischen Gymnasium unterrichtet seit diesem Schuljahr eine muslimische Mathelehrerin, die auch im Unterricht ein Kopftuch trägt. Der Rektor der Schule, Pater Tobias Zimmermann, begründet die Einstellung der Frau pragmatisch:

"Von mehreren Kandidatinnen hat sie überzeugt durch ihre Fachkompetenz und daraufhin haben wir sie eingestellt."

Dass die neue Kollegin ein Kopftuch trägt, war für Zimmermann kein Hinderungsgrund.

"Ich halte das Neutralitätsgesetz, so wie Berlin es liest, für falsch."

Religiöse Kleidung ist Schulalltag

Religiöse Symbole an öffentlichen Berliner Schulen sind verboten. Allerdings gilt das nicht für Berufsschulen oder eben für eine konfessionelle Privatschule wie das Canisius Kolleg. Religiöse Kleidung ist dort ohnehin Teil des Schulalltags. Zimmermann stand es demnach frei, die muslimische Lehrerin einzustellen. Er will damit allerdings auch für einen anderen Umgang mit religiösen Symbolen an Schulen plädieren. Lehrerinnen, die in Berlin wegen ihres Kopftuchs nicht in den Schuldienst aufgenommen wurden, hatten in diesem Jahr erfolgreich auf Schadensersatz geklagt.

"Ich glaube, dass zu wirklich guter Bildung, die tatsächlich Persönlichkeiten formen soll, die mehr als Dressur sein soll, eine inhaltliche Auseinandersetzung gehört mit dem Thema Vielfalt, weil unsere Gesellschaft so vielfältig geworden ist. Und das geht nur, wenn eine Schule diese Vielfalt bis zu einem gewissen Grad auch spiegelt."

Zuspruch erhielt Zimmermann von den Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus. Die an der Berliner Landesregierung beteiligte Partei will ebenso wie weite Teile der mitregierenden Linken das Neutralitätsgesetz in seiner derzeitigen Form abschaffen und das Tragen von Kopftüchern grundsätzlich erlauben. Die Vorsitzende der Grünen im Abgeordnetenhaus (*), Silke Gebel, freut sich über den Vorstoß des katholischen Gymnasiums.

"Dass das Canisius Kolleg eine Lehrerin mit Kopftuch einstellt, ist, glaube ich, ein wichtiger Schritt für eine vielfältige Schule. Und das hat natürlich auch der Diskussion um eine Neufassung des Neutralitätsgesetzes eine interessante Facette gegeben."

CDU gegen Gesetzesänderung

Schüler sollten anderweitig gegen mögliche religiöse Indoktrinationsversuche gewappnet werden. Bildungssenatorin Sandra Scheeres von der SPD lehnte eine Abschaffung des Neutralitätsgesetzes aber ab. Auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller stellte sich hinter das Gesetz. Die SPD-Arbeitsgemeinschaft Migration und Vielfalt unterstützt hingegen die Position der Grünen. Die oppositionelle CDU verlangt von der SPD-geführten Regierung, das Gesetz beizubehalten. Die integrationspolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Cornelia Seibeld, glaubt nicht, dass vom katholischen Schulleiter Zimmermann geforderte Vielfalt an öffentlichen Berliner Schulen funktioniert.

"Ich verstehe, was er meint. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass gerade in einer multikulturellen Stadt wie Berlin, wo viele Religionen, politische Auffassungen, unterschiedliche Menschen aufeinanderstoßen, die Neutralität des Staats ein hohes Gut ist."

Aus ihrer Sicht sei das Kopftuch zudem nicht nur ein religiöses, sondern ein politisches Symbol.

"Ich möchte nicht, dass unsere Kinder vorgelebt bekommen, dass man als Frau sich den Kopf bedecken muss, wenn man einem Mann gegenübertritt."

Schulleiter Zimmermann räumt ein, dass seine Entscheidung für das Kopftuch an einer kleinen Privatschule einfacher sei als eine Entscheidung für oder gegen derartige symbolbehaftete Kleidungsstücke in ganz Berlin.

"Ich glaube tatsächlich, dass das Kopftuch in Schulkontexten, wo dann geschlossene Milieus befördert werden, natürlich keinen Sinn macht. Aber ich meine, das ist eine Steuerungsaufgabe. Während sie in Kontexten, wo Vielfalt abgebildet wird, durchaus sinnvoll sein können."

Sein Beitrag sei es, diesen Schritt auszuprobieren, sagte Zimmermann.

(*) Redaktioneller Hinweis: Die Schrift-Fassung wurde an dieser Stelle wegen einer falschen Angabe der Funktion von Silke Gebel geändert.

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