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StartseiteKommentare und Themen der WocheSanfte Droge mit harten Folgen19.01.2017

Cannabis-GesetzSanfte Droge mit harten Folgen

Schwerkranke können künftig Cannabis auf Rezept verordnet bekommen. Das sei vernünftig, kommentiert Carsten Schroeder. Das neue Gesetz könne allerdings Missbrauch nicht verhindern. Wahrscheinlich werde sich ein grauer Markt entwickeln, auf dem man sich Cannabis-Präparate auch ohne Rezept verschaffen könne.

Von Carsten Schroeder

Getrocknete Cannabis-Blüten (imago / JuNiArt)
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"Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker" – für Cannabis-Präparate wird das zukünftig in besonderem Maße gelten. Über kaum eine Droge gibt es so viele falsche Vorstellungen, wie über den Nutzen und die gesundheitliche Wirkung der Hanfpflanze. 

Cannabis ist ein Betäubungsmittel, es ist kein Heilmittel. Cannabis kann Schmerzen lindern, es kann Entzündungen hemmen und zur Muskelentspannung beitragen. Mit anderen Worten: Es kann Symptome lindern, aber es kann keine Krankheiten heilen. 

Bei schwerkranken Patienten ist genau das sinnvoll und beabsichtigt: Bei Krebspatienten, bei MS-Patienten oder bei solchen Patienten, die besonders starke Schmerzen haben. Da nimmt man dann auch die Nebenwirkungen in Kauf: zum Beispiel das Risiko, eine Psychose zu entwickeln. Zum Beispiel das Risiko, dass die Gedächtnisleistungen abnehmen. Im Kinder- und Jugendalter ist das verheerend.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat ja völlig Recht, wenn er sagt: "Schwerkranke Menschen müssen bestmöglich versorgt werden." Zu dieser Versorgung kann bei Schwerkranken unter Umständen auch Cannabis gehören. Insofern ist eine gesetzliche Regelung für die Freigabe von Cannabis auf Rezept vernünftig.

Cannabis zur Selbstmedikation - ohne Rezept

Aber eines kann dieses Gesetz letztlich nicht verhindern, nämlich den Missbrauch. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird sich ein grauer Markt entwickeln, auf dem man sich, wie schon bei anderen Medikamenten, auch ohne Rezept die Cannabis-Präparate verschaffen kann. Das Internet macht's möglich. 

Mit ebensolcher Wahrscheinlichkeit werden viele Konsumenten Cannabis dann zur Selbstmedikation einsetzen, leider ohne Rezept. Die bisherigen Diskussionen zeigen, dass es teilweise sehr krude Vorstellungen über die Wirkungen gibt. Viele, die Cannabis schon jetzt illegal konsumieren, lügen sich da gerne in die Tasche: Cannabis hellt die Stimmung auf - also nehmen manche es gegen ihre Depression. Es ist appetitanregend, also wird es der Tochter gegen Essstörungen verschrieben. Und überhaupt: Es ist ja ein Naturprodukt und kann darum nicht schädlich sein. 

Nein, auch ein Naturprodukt kann schädlich sein. Und ja: Cannabis ist eine sanfte Droge, aber – und das wird immer wieder vergessen – es ist eine sanfte Droge mit harten Folgen. Und darum muss alles getan werden, um den Missbrauch von Cannabis-Präparaten zu verhindern.

 

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