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StartseiteUmwelt und VerbraucherCeBIT: Stromsparende Computertechnik04.03.2008

CeBIT: Stromsparende Computertechnik

Wie eine Bremer Firma mit dem Rechenzentrum heizt, statt es zu kühlen

Auf der CeBIT in Hannover steht in diesem Jahr die sogenannte Green-IT im Mittelpunkt, also die stromsparende Computertechnik. Mittlerweile machen nämlich PC, Handy oder Laptop einen erheblichen Anteil an den Stromkosten aus sowohl in privaten Haushalten als auch in Firmen. Bei Unternehmen mit Großrechnern muss die Technik, die viel Wärme erzeugt, aufwändig mit Klimaanlagen gekühlt werden. Das aber, so ein Bremer Firmenchef, sei doch pure Verschwendung.

Von Folkert Lenz

Ein Mann geht auf der Computermesse CeBIT in Hannover an einem Plakat mit der Aufschrift "CeBIT green IT" vorbei. (AP)
Ein Mann geht auf der Computermesse CeBIT in Hannover an einem Plakat mit der Aufschrift "CeBIT green IT" vorbei. (AP)
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Holzdielen, sechs Meter hohe Decken, eine Loftetage im fünften Stock des alten Hafenspeichers: Das Büro von Harald Rossol und seinen sechs Mitarbeitern. Draußen: nasskaltes Wetter, doch drinnen ist es kuschelig warm.

"Das Raumklima ist spitze hier. Die Luftfeuchtigkeit stimmt. Die Temperatur stimmt. Und wir haben keine Heizenergie. Wir können ja mal zum Heizkörper gehen. Der ist nämlich kalt.
Trotzdem: Es herrschen angenehme 21 Grad. Das Geheimnis steckt in einem großen, knallorangefarbenen Block mitten in dem riesigen Raum. Hinter Schallschutzwänden und zwei dicken Stahltüren ist das Rechenzentrum der Firma BRM verborgen."

Drei mannshohe Schaltschränke: die Server! Ein warmer Wind kommt aus den Geräten, pustet ins Gesicht.

"Die Temperatur, die da rauskommt, hat etwa 35 Grad Celsius. Die Lautstärke ist natürlich sehr hoch. Sie liegt bei 95 dBa. Das ist so, als wenn ein kleines Sportflugzeug startet."

Ein dickes Rohr saugt die heiße Luft ab. Draußen - im Büro - ist nur ein leises Surren zu hören. Vor vier Jahren ist der Chef der IT-Firma darauf gekommen, die Abwärme seiner Rechner nicht einfach zu verschwenden. Doch erstmal musste er seine Techniker zum Umdenken bewegen, sagt Harald Rossol:

"Normalerweise werden Rechnerräume und Server geführt mit 21 Grad. Irgendwie waren alle der Meinung, das müssten irgendwie 21 Grad Celsius sein. Und mich hat das so maßlos geärgert: Da stecken Sie wertvolle Energie in den Betrieb rein und stecken noch mal die doppelte Menge Energie für die Kühlung rein. Das ist doch ziemlich unsinnig. "

Deswegen haben Rossol und seine Kollegen die Einzelteile ihrer Großrechner genauer unter die Lupe genommen. Und siehe da: Offenbar waren die IT-Techniker bislang einem Irrglauben unterlegen, meint jedenfalls der Firmenchef.

"Wir haben dann mal nachgeschaut: Aus was besteht denn eigentlich ein Server: Da sind Prozessoren drin und Speicherbausteine und eine Festplatte und Netzteile. Und auf keinem dieser Bauteile steht irgendwas von 21 Grad. Da steht noch nicht mal etwas von 30 oder 40 Grad. Das Empfindlichste in einem Rechner oder Server sind die Festplatten. Und die sind heute auf 50 Grad Celsius spezifiziert. "

Rossol hat es ausprobiert: Grad um Grad hat er die Betriebstemperatur seiner Rechner bis auf 33 Grad erhöht. Und: die Elektronikteile halten durch! So kann BRM im Alltag darauf verzichten, die Klimaanlage in den Serverräumen anzuschalten. Weiterer Effekt: Die Abluft ist heiß genug zum Heizen der Büros. Doch der Diplomkaufmann wollte auch beim Betrieb der Computer selbst Energie einsparen. Das hat er mit der Verwendung anderer Server erreicht. Sie müssen nicht so aufwändig wie herkömmliche Geräte gekühlt werden.

Beim Neubau seines Rechenzentrums hat der Bremer auch an anderen Stellen energiesparende Bauteile eingesetzt.

"Wenn ein Netzteil warm wird, dann hat es einfach per se einen schlechten Wirkungsgrad. Das heißt, es verwandelt die elektrische Energie zu einem großen Teil in Abwärme. Bei einem Hochleistungsnetzteil, da sind wir heute bei 92, 93 Prozent Wirkungsgrad. Das wird nicht so warm. "

Rund ein Zehntel mehr müsse er für hochwertigere Teile ausgeben, rechnet der Ökonom vor: Eine Investition, die sich auszahlt. Die Einsparungen seien sogar viel höher als erwartet.

"Wenn man den direkten Faktor betrachtet, den Energieverbrauch unseres Rechenzentrums, dann sind wir heute bei minus 50 Prozent, im Verhältnis zu einem Rechenzentrum, das diese Maßnahmen nicht ergriffen hat. Aufgrund unserer Wärmerückgewinnung - wir nutzen ja diese Wärme und heizen unseren Loft damit - macht das noch mal 15 Prozent aus. "

Auch die Branchenführer bei den Providern fangen nun an, energieeffiziente Technik einzuführen. Denn beim Betrieb von mehreren Zehntausend Servern lassen sich ordentliche Summen sparen. Rossol geht davon aus, dass sich schon bald noch mehr Unternehmen dafür interessieren werden. Denn eine EU-Richtlinie soll IT-Betreiber demnächst zum Energiesparen verdonnern.

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