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StartseiteKommentare und Themen der WocheFinalalbtraum statt Traumfinale 27.05.2018

Champions-LeagueFinalalbtraum statt Traumfinale

Real Madrid hat zum dritten Mal in Folge das Finale der Champions-League gewonnen. Der galaktische Glanz von Madrid habe aber diesmal gefehlt, kommentiert Tobias Oelmaier. Dennoch sei der Sieg nicht unverdient gewesen. Die Regeln seien ganz klar im Fußball: Wer das Tor öfter trifft als der Gegner, der hat gewonnen.

Von Tobias Oelmaier

Madrids Gareth Bale (links) bejubelt sein Tor zum 3:1 im Champions-League-Finale - unter anderem mit Toni Kroos (rechts). (dpa-Bildfunk / Ina Fassbender)
Jubel bei Real Madrid: Für die Spanier ist es der 13. Titel in der Champions League. (dpa-Bildfunk / Ina Fassbender)
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Wäre, wäre, Fahrradkette. Mit dieser leicht fehl-zitierten Phrase hatte Fußball-Weltmeister Lothar Matthäus im vergangenen Sommer eine umstrittene Elfmeter-Entscheidung kommentiert und damit mal wieder für Gelächter gesorgt. In der Sache hatte der Fernsehexperte aber Recht. Auf dem Platz zählt kein Konjunktiv.

Hätte Real Madrids Abwehr-Rambo Sergio Ramos gestern Abend nicht Liverpools Torjäger und Hoffnungsträger Mohamed Salah nach weniger als einer halben Stunde so schwer an der Schulter verletzt, dass der weinend das Feld verlassen musste, hätte Liverpool die bis dahin durchaus vorhandenen Chancen genutzt, hätte Ramos später nicht Torwart Loris Karius den Ellbogen ins Gesicht geschmettert - wer weiß, wie das Finale von Kiew ausgegangen wäre.

Hätte Karius nur zwei Minuten nach dem Ramos-Check nicht einen totalen Blackout gehabt, als er Karim Benzema den Ball aus einem halben Meter gegen den entgegengestreckten Fuß warf, von dem er dann ins Tor kullerte. Hätte der eben eingewechselte Gareth Bale nicht seinen Fallrückzieher in den Winkel gehämmert - vielleicht wäre Liverpool dann jetzt Champions-League-Sieger.

Im Halbfinale war Bayern sogar besser

Hätte Sadio Mane wenig später nicht nur den Pfosten getroffen, sondern das Tor, hätte Karius bei Bales Weitschuss in der Schlussphase nicht darüber nachgedacht, was er diesmal falsch machen könnte - sondern einfach den Ball weggefaustet, gefangen oder übers Tor gelenkt, wie er es schon tausende Male sicher getan hat - vielleicht wäre Liverpool noch der Ausgleich gelungen.

Hätte der als einziger Schwachpunkt im Madrider Starensemble geltende Torwart Keylor Navas nicht so gut gehalten, hätte der Schiedsrichter die Fouls, die Schwalben und Täuschungsversuche von Ramos erkannt und geahndet, hätte sich Real vielleicht schwerer getan gegen das personell dezimierte Team von Trainer Jürgen Klopp.

Das alles ist aber so gekommen, wie es gekommen ist. Wie schon im Halbfinale. Da war Bayern sogar besser, tonangebend, hatte viel mehr Chancen, machte aber auch die entscheidenden Fehler und verpasste unglücklich das Endspiel. Toni Kroos, der Taktgeber im Mittelfeld der Madrilenen, hatte damals schon angemerkt, dass er sich sicher war weiterzukommen - trotz des Rückstandes. Das drückt die Einstellung des nun dreizehnmaligen Titelträgers im höchsten europäischen Wettbewerb aus.

"Mia san Mia" auf Spanisch, nur besser

Klar ist Real Madrid auch ein Haufen voller Topstars und Topverdiener. Selbst die zuletzt blassen Champions-League-Auftritte von Diva Cristiano Ronaldo konnte man so kompensieren. Dass er unmittelbar nach dem Schlusspfiff seinen Abschied aus Madrid andeutete - einigen seiner Mannschaftskameraden wird das gar nicht so ungelegen kommen.

Das Erfolgsgeheimnis liegt auch darin, dass die Mannschaft im Kern seit Jahren unverändert zusammenspielt. Und dass die Psyche stimmt, das Selbstbewusstsein. "Mia san Mia" auf Spanisch, nur besser. Mitleid – wie für den armen Karius – ist da nicht einprogrammiert. Im Hochleistungssport will eh keiner Trost oder Mitleid.

Da ist es egal, dass dieser dritte Titelgewinn in Folge - natürlich wieder ein Rekord - vielleicht schmutzig, vielleicht etwas glücklich, vielleicht unterstützt durch Schiedsrichter-Fehlleistungen zustande gekommen ist. Der "galaktische" Glanz fehlte diesmal. Dennoch war der Sieg nicht unverdient. Die Regeln sind ganz klar im Fußball: Wer das Tor öfter trifft als der Gegner, der hat gewonnen.

Und Fakt ist: Real Madrid hat wieder mal gewonnen. Real ist so verdammt wenig Konjunktiv.

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