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Chemie-NobelpreisAuszeichnung für Tomas Lindahl, Paul Modrich und Aziz Sancar

DNA-Strang (imago/stock&people/Science Photo Library)
DNA-Strang (imago/stock&people/Science Photo Library)

Die Erbgut-Forscher Tomas Lindahl, Paul Modrich und Aziz Sancar werden in diesem Jahr mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet. Das gab die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm bekannt. Sie erhalten den Preis für mechanistische Studien zur DNA-Reparatur.

In der Begründung des Komitees hieß es, ihre Arbeiten hätten fundamentale Erkenntnisse geliefert, wie lebende Zellen funktionieren - was unter anderem für die Entwicklung von Krebsmedikamenten wichtig sei.

"Schäden an DNA können sehr ernsthafte Folgen haben", sagte Nobel-Juror Claes Gustafsson. "Tomas Lindahl spekulierte, dass es ein Reparatursystem geben muss, und machte sich auf die Suche. Und er fand tatsächlich eines." Die Entdeckungen der drei Wissenschaftler hätten enorme Konsequenzen gehabt, so die Chefin der Nobel-Jury, Sara Snogerup Linse: "Das Leben, wie wir es heute kennen, ist vollständig abhängig von DNA-Reparaturmechanismen."

Bis in die Siebzigerjahre war angenommen worden, dass es sich bei der DNA (Desoxyribonukleinsäure) um ein stabiles Molekül handelt. Tomas Lindahl hat mit seinen Forschungen dann aber gezeigt, dass die DNA in schnellem Tempo zerfalle. So wird das Erbgut beispielsweise von UV-Strahlen der Sonne und krebserregenden Substanzen beschädigt. Um diese Schäden wieder zu reparieren, braucht es einen bestimmten Mechanismus, den Aziz Sancar entdeckt hat. Paul Modrich wiederum hat mit seiner Arbeit gezeigt, wie eine Zelle Fehler korrigiert, wenn die DNA während der Zellteilung reproduziert wird.

Sancar erster türkischer Wissenschaftler mit Nobelpreis

Der 77-jährige Schwede Tomas Lindahl hatte von 1981 bis 2009 am Imperial Cancer Research Fund (heute Cancer Research UK) in London geforscht und ist heute am Francis Crick Institute und am Clare Hall Laboratory im englischen Hertfordshire tätig.

Der US-Amerikaner Paul Modrich (69) forscht an der Duke Universität sowie am Howard Hughes Medical Institute in Durham im US-Bundesstaat North Carolina.

Mit Aziz Sancar wurde zum ersten Mal ein aus der Türkei stammender Wissenschaftler mit dem Nobelpreis geehrt. "Sie haben mich dort schon immer gefragt, wann ich denn endlich den Nobelpreis gewinnen werde, also bin ich auch sehr glücklich für mein Land," sagte er nach der Bekanntgabe in einem Interview mit dem Nobelkomitee. Der 69-jährige arbeitet an der Universität von North Carolina in Chapel Hill. 

Die drei Chemie-Nobelpreisträger 2015: Tomas Lindahl, Paul Modrich und Aziz Sancar (v.l.) (Montage Deutschlandradio/dpa/picture alliance/Max Englund / Unc Health Care/Francis Crick Institute/Megan Morr / Duke Photography)Die drei Chemie-Nobelpreisträger 2015: Tomas Lindahl, Paul Modrich und Aziz Sancar (v.l.) (Montage Deutschlandradio/dpa/picture alliance/Max Englund / Unc Health Care/Francis Crick Institute/Megan Morr / Duke Photography)

Der Nobelpreis ist die höchste Auszeichnung für Chemiker und mit acht Millionen Schwedischen Kronen, umgerechnet etwa 850.000 Euro, dotiert.

Im vergangenen Jahr ging der Chemie-Nobelpreis an Stefan W. Hell, Eric Betzig und William E. Moerner.

 

Beiträge im DLF zum Forschungsgebiet der Ausgezeichneten:

Blick auf das Epigenom Die Maschinerie des Erbguts

Schöne neue Gentechnik Forscher feiern die CRISPR-Cas-Revolution

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