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StartseiteForschung aktuell"Drei würdige Preisträger"07.10.2015

Chemie-Nobelpreis"Drei würdige Preisträger"

Den Chemie-Nobelpreis teilen sich in diesem Jahr die Forscher Tomas Lindahl, Aziz Sancar und Paul Modrich. Aber wer sind die drei? Unser Autor hat Experten und ehemalige Wegbegleiter gefragt. Eins scheint die Geehrten trotz ihrer Errungenschaften alle zu einen: ihre Bescheidenheit.

Von Volker Mrasek

Die drei Chemie-Nobelpreisträger 2015: Tomas Lindahl, Paul Modrich und Aziz Sancar (v.l.) (Montage Deutschlandradio/dpa/picture alliance/Max Englund / Unc Health Care/Francis Crick Institute/Megan Morr / Duke Photography)
Die drei Chemie-Nobelpreisträger 2015: Tomas Lindahl, Paul Modrich und Aziz Sancar (v.l.) (Montage Deutschlandradio/dpa/picture alliance/Max Englund / Unc Health Care/Francis Crick Institute/Megan Morr / Duke Photography)
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Das gibt es auch nicht so oft: Fachkongresse, die nach Forschern benannt werden. Im Fall von Tomas Lindahl ist das schon zu Lebzeiten so. Erst im Juni trafen sich führende Experten für DNA-Reparatur im norwegischen Oslo - zur Tomas-Lindahl-Konferenz. Eingeladen als einziger deutscher Wissenschaftler: Bernd Kaina, Professor für Toxikologie am Universitätsklinikum Mainz:

"Tomas Lindahl ist ein DNA-Reparaturforscher, der in der DNA-Reparatur-Community allen bekannt ist. Er war selber anwesend zu dieser Konferenz."

Der Mainzer Molekularbiologe und Genetiker kennt den Schweden schon seit zwei, drei Jahrzehnten, wie er sagt:

"Zum Teil hat er einige meiner Manuskripte direkt auf den Tisch bekommen, bevor sie veröffentlicht worden sind."

Obwohl Lindahl schon damals als Koryphäe in dem neuen Forschungsgebiet der DNA-Reparatur galt, habe er das andere nie spüren lassen. Er sei ein "sehr offener, sehr klarer und fairer Wissenschaftler. Das zeichnet ihn wohl auch aus: seine sehr klare, rationale Denkweise. Immer von einer sehr angenehmen Kollegialität."

Bescheidenheit bei Lindahl und Sancar

Wenn man Bernd Kaina von seinem nun erst echt berühmten Fachkollegen sprechen hört, klingt immer wieder Bewunderung durch. Tomas Lindahl ging in den 80er-Jahren von Göteborg nach London, an ein namhaftes Krebsforschungslabor. Dort lernte ihn auch Kaina kennen:

"Ich muss sagen, dass das gesamte Gebiet der DNA-Reparaturforschung von seinen Arbeiten beeinflusst worden ist. Schlüsselentdeckungen gehen direkt auf ihn zurück. Man muss auch sehen: Das Institut, das er in London geleitet hat, das hat hervorragende Leute hervorgebracht. Ich hab' ihn auch gefragt: Wie macht er das, das er so gute Wissenschaftler findet für seine Einrichtung. Ja, da hat er schon ein sehr gutes Feeling auch bei den Leuten, die mit ihm gearbeitet haben."

Schon früh muss Tomas Lindahl die Fähigkeit besessen haben, andere für das aufblühende Forschungsfeld zu begeistern. So hat es auch Per Sunnerhagen in Erinnerung. Heute ist er Professor für Molekularbiologie an der Universität Göteborg. Damals war er noch Student in Lindahl Arbeitsgruppe:

"Es war ein ständiges Kommen und Gehen von Wissenschaftlern aus aller Welt. Die Leute in seinem Labor arbeiteten oft bis in die Nacht. Ich kam normalerweise immer erst am Abend ins Labor. Da waren stets noch Mitarbeiter zugange, die Enzyme aufreinigten oder andere Dinge machten. Es war ein netter und geschäftiger Ort zum Arbeiten. Obwohl ich damals ehrlich gesagt noch nicht wusste, was für ein namhafter Wissenschaftler Lindahl ist."

Der Schwede wird von Kollegen auch als durchaus bescheiden beschrieben.

"Du solltest dieses DNA-Zeug lernen!"

Das gilt dann wohl genauso für Aziz Sancar, einen der beiden anderen heute gekürten Nobelpreisträger. Eine Kostprobe seiner Bescheidenheit lieferte der Molekularbiologe heute Mittag ab, als er live in Stockholm zugeschaltet war. Sancar lehrt und forscht zwar in den USA, stammt aber aus der Türkei. Der Sprecher des Nobelpreis-Komitees schmeichelt Sancar, er sei ja wohl der erste Türke, der einen Nobelpreis erhalte. Woraufhin der Forscher ihn sogleich korrigiert: Nein, sein Landsmann Orhan Pamuk habe schon Jahre vor ihm den Literatur-Nobelpreis erhalten.

Von dem US-Biochemiker und dritten Preisträger Paul Modrich wurde heute berichtet, sein Vater habe ihn dazu motiviert, über die Erbsubstanz zu forschen. Angeblich mit den Worten: "Du solltest dieses DNA-Zeug da lernen!" So kann es gehen!

Der Mainzer Hochschullehrer Bernd Kaina freut sich auf jeden Fall, wie es gelaufen ist:

"Ich muss nochmal betonen: Für dieses große Fachgebiet ein längst überfälliger Preis! Sinngemäß: drei würdige Preisträger."

 

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