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ChemiewaffenSyriens Giftgasarsenal im Mittelmeer zerstört

Das US-Marineschiff "Cape Ray", hier im Hafen der italienischen Stadt Gioia Tauro, hat Tonnen des syrischen Giftgasarsenals zerstört. (AFP / Mario Tosti)
Das US-Marineschiff "Cape Ray", hier im Hafen der italienischen Stadt Gioia Tauro, hat Tonnen des syrischen Giftgasarsenals zerstört. (AFP / Mario Tosti)

Auf einem US-Spezialschiff sind alle von Syrien deklarierten Bestände zur Produktion von Chemiewaffen vernichtet worden. Das Schiff hat jetzt Kurs auf Deutschland und Finnland genommen. Dort wird der giftige Müll entsorgt. Vor einem Jahr kamen bei einem Einsatz von Nervengas Hunderte Syrer ums Leben.

Grauenvolle Bilder gingen am 21. August 2013 um die Welt: Mindestens 1.400 Menschen sterben bei Giftgasangriffen in der Region Ghuta östlich von Damaskus, darunter mehr als 400 Kinder. Tausende überleben mit schweren Verletzungen. Regierung und Rebellen machen sich gegenseitig für den Angriff verantwortlich. Nach Erkenntnissen der USA ist der Täter mit "ziemlicher Sicherheit" die Regierung von Präsident Baschar al-Assad. Die Amerikaner drohen Assad mit Luftschlägen, verzichten dann aber auf einen Militäreinsatz und entscheiden sich unter russischer Vermittlung für einen diplomatischen Weg. Denn Assad stimmt einer Zerstörung des gesamten Chemiewaffenarsenals seines Landes zu.

Dieses Arsenal ist jetzt zerstört worden - zumindest die Menge, die die syrische Regierung angegeben hat. Auf dem US-Marineschiff "Cape Ray" wurden nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums 600 Tonnen Chemikalien zur Herstellung des Giftgases Sarin und von Senfgas "auf offener See neutralisiert". Doch die Amerikaner trauen Assad nicht. Es gebe noch Ungereimtheiten in den syrischen Mengenangaben, die der Organisation für das Verbot chemischer Waffen OPCW vorliegen.

US-Präsident Barack Obama im Garten des Weißen Hauses in Washington (AFP / Jewel Samad)US-Präsident Barack Obama im Garten des Weißen Hauses in Washington (AFP / Jewel Samad)Dennoch spricht US-Präsident Barack Obama von einem Meilenstein im Kampf gegen die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen. Er wertet die Aktion als Warnsignal für Schurken in aller Welt und als "klare Botschaft, dass der Gebrauch dieser abscheulichen Waffen Folgen hat und von der internationalen Gemeinschaft nicht toleriert wird". Allerdings müssten die USA auch weiterhin streng darüber wachen, dass Syrien seine verbliebenen Produktionsstätten für Chemiewaffen ebenfalls zerstöre. Man werde weiter Druck auf Assad ausüben, Gräueltaten gegen das syrische Volk zu stoppen.

Keine Giftstoffe im Mittelmeer

Die Beseitigung der giftigen Chemikalien an Bord des Frachters hatte Anfang Juli im Mittelmeer begonnen. Eine Entsorgung des Gefahrenguts an Land hatten alle angefragten Drittstaaten abgelehnt. Im Zuge des Hydrolyse-Verfahrens wurden die chemischen Kampfstoffe mit heißem Wasser und verschiedenen Zusatzstoffen unschädlich gemacht. Die nur noch schwach toxischen Reste wurden anschließend in Tanks gefüllt. Diese sollen jetzt in zwei Spezialanlagen im niedersächsischen Munster und in Finnland beseitigt werden. Die US-Streitkräfte hatten versichert, dass bei dem Prozess keine Giftstoffe ins Mittelmeer gelangen würden. Insgesamt wurden 1.300 Tonnen chemischer Kampfstoffe außer Landes geschafft.

Im syrischen Bürgerkrieg starben nach UNO-Angaben mehr als 170.000 Menschen. Millionen sind auf der Flucht. Besonders dramatisch ist die Lage für Kinder, teilte das UNO-Kinderhilfswerk UNICEF mit. An den Kämpfen sind eine Vielzahl rivalisierenden Gruppen beteiligt: die Dschihadisten der Terrormiliz Islamischer Staat, Assads Truppen, die islamistische al-Nusra-Front und die Aufständischen.

Überflugverbot für Flugzeuge

Wegen der Abschussgefahr durch bewaffnete Extremisten sperrten die USA unterdessen den Luftraum über Syrien. Der fortlaufende bewaffnete Konflikt stellt nach Angaben der Flugaufsichtsbehörde FAA eine ernsthafte Gefahr für die zivile Luftfahrt dar. Die Extremisten hätten eine Vielzahl an Luftabwehrwaffen, mit denen bereits syrische Militärflugzeuge abgeschossen worden seien. Zuvor hatten sich die US-Betreiber für Flüge nach und über Syrien lediglich bei der FAA melden müssen, die dringend dazu geraten hatte, Syrien zu umfliegen.

(sdö/dk)

 

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