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StartseiteKommentare und Themen der WochePeking als lachender Dritter?11.08.2017

China und die Nordkorea-KrisePeking als lachender Dritter?

Eigentlich ist China mit seinem Einfluss auf Nordkorea prädestiniert, um in der Krise zwischen Pjöngjang und Washington zu vermitteln. Aber die Führungsriege bleibt neutral, um sich alle Optionen offen zu halten. Eine kluge Strategie, meint Birgit Eger.

Von Birgit Eger

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Chinas Außenminister Wang (r.) mit seinem Kollegen aus Nordkorea, Ri (l.) in Manila (AFP)
Könnte seine Insider-Kontakte nach Pjönjang nutzen, tut es aber nicht: Chinas Außenminister Wang (r.) mit seinem Kollegen aus Nordkorea, Ri (l.) (AFP)
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Im Streit um Nordkoreas Atomwaffenprogramm kann China sich zurücklehnen. Das macht die politische Führung auch gerade. Ganz gemütlich in Luxushotels am Strand von Beidaihe. In dem berühmten Badeort in der Nähe von Peking hält die KP Chinas eine Klausur ab. Was besprochen wird, dringt nicht nach draußen. Aber eins ist sicher: Es geht um die zukünftige Machtverteilung in der Volksrepublik und die inhaltliche Ausrichtung der nächsten fünf Jahre. Da werden Strippen gezogen und Allianzen gebildet.

Die meisten der alten Herren und die wenigen Frauen sind mit sich selbst beschäftigt, mit ihrer eigenen Zukunft. Selbst Präsident Xi Jinping, der sonst gerne in Konfliktsituationen die Marschrichtung vorgibt und Stärke zeigt, ist in den staatlichen chinesischen Nachrichten nicht zu sehen oder zu hören. Weltpolitik spielt in Beidaihe vermutlich gerade keine Rolle.

Chinas Doktrin der Nichteinmischung

Die Zurückhaltung im Nordkorea-Konflikt sollte man aber nicht als Desinteresse der chinesischen Führung interpretieren. Es ist eher eine Mischung aus traditioneller Vorsicht und strategischem Kalkül. Die Volksrepublik hat sich in der Vergangenheit immer die Einmischung in ihre eigenen Angelegenheiten verbeten. Im Gegenzug hat sie sich auch bei internationalen Konflikten wenig engagiert. Die Devise gilt sicher auch im Streit zwischen den USA und Nordkorea.

Aber Chinesen auch sind kühle Rechner. Sie haben vor allem zwei Interessen in diesem Konflikt: Das Regime in Pjöngjang darf nicht zusammenbrechen und die USA soll ihnen als Handelspartner gewogen bleiben. Das Kim-Regime bleibt stabil, so lange es Öl aus China geliefert bekommt und die nordkoreanischen Panzer rollen können. Und so lange der kleine Grenzhandel für die Alltagsgegenstände, vielleicht auch für Schmuggelware nach Nordkorea funktioniert.

China wird mit seinem Verhalten einen bleibenden Eindruck hinterlassen

Die Beziehungen mit den USA läuft auf der Wirtschaftsebene auch glatt. Washington hat bisher von Sanktionen zum Beispiel gegen Stahlprodukte abgesehen. Außerdem wurden in bilateralen Gesprächen schon einige Handelshemmnisse abgebaut. Diese Interessen kann China nur wahren, wenn es offensichtlich neutral bleibt und sich auf keine Seite schlägt. Das ist wirklich klug, denn mit diesem Verhalten wird es bleibenden Eindruck hinterlassen: als friedliebendes Land, das auf Verhandlungen als Konfliktlösung setzt. So zumindest das Kalkül der Regierung in Peking.

Aus diesem Grund kann sich die Führung an ihrem Badeort zurücklehnen und zusehen, wie sich die beiden Staatschefs in den USA und in Nordkorea mit Worten die Köpfe einschlagen. Peking ist dabei der lachende Dritte - ohne irgendetwas dafür getan zu haben.

Dabei könnte China aktiv zur Lösung des Konfliktes beitragen. Das Land ist eigentlich prädestiniert für eine Vermittlerrolle, vor und hinter den Kulissen. China könnte seine Insiderkenntnisse zu Nordkorea nutzen, die langen diplomatischen Erfahrungen, um beide Streithähne zusammen zu bringen. Damit der Dauerärger um Nordkoreas Atomprogramm endlich beigelegt werden kann.

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