• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
Seit 14:10 Uhr Deutschland heute
StartseiteKalenderblattChrist im Widerstand04.02.2006

Christ im Widerstand

Am 4. Februar 1906 wurde Dietrich Bonhoeffer geboren

Der Theologe Dietrich Bonhoeffer opferte für den Kampf gegen das Hitler-Regime sein Leben. In der Evangelischen Kirche in Deutschland, mehr noch in Großbritannien und den USA, wird Bonhoeffer heute verehrt wie kaum ein anderer Christ des 20. Jahrhunderts. Vor 100 Jahren wurde Bonhoeffer geboren. Im Berliner Haus seiner Eltern zog er sich zurück und traf sich mit anderen Widerständlern.

Von Sebastian Engelbrecht

Eine von Fritz Fleer geschaffene Bronzestatue des Pastors Dietrich Bonhoeffer an der St. Petri-Kirche in Hamburg. (AP)
Eine von Fritz Fleer geschaffene Bronzestatue des Pastors Dietrich Bonhoeffer an der St. Petri-Kirche in Hamburg. (AP)

Eine bescheidene Villa im Berliner Westen, am Rande des Grunewalds. Der Psychologe und Neurologe Karl Bonhoeffer und seine Frau Paula ließen das Haus 1935 als Altersruhesitz bauen. Schlicht und großzügig zugleich wirkt das zweistöckige Haus mit dem hoch aufragenden Dach und den markanten Fensterläden. Dietrich, als sechstes von acht Bonhoeffer-Kindern am 4. Februar 1906 geboren, wohnte sein ganzes Leben bei den Eltern: bis 1912 in Breslau, danach in Berlin. Bis 1943 hatte er in der Marienburger Allee 43 sein Studierzimmer. Knut Hämmerling, Mitarbeiter der evangelischen Erinnerungs- und Begegnungsstätte, führt durch das Haus.

"Dieser Raum hier unter dem Dach ist das Studierzimmer Dietrich Bonhoeffers: der Raum, in dem er gelebt und gearbeitet hat, wenn er bei den Eltern hier in Berlin war. Der Raum wurde wieder weitestgehend in den Originalzustand versetzt, und an Originalmobiliar befindet sich hier noch Bonhoeffers Schreibtisch, das so genannte Klavicord, das ist eine Art Spinett, und die Bücherregale."

Hellgrau lackierter Dielenboden und die schnörkellosen dunkelbraunen Bücherregale dominieren das Zimmer. Dietrich Bonhoeffer war kein Asket, aber immer konzentriert auf das Wesentliche. Nach dem Theologiestudium in Tübingen und Berlin, nach Auslandsaufenthalten in Barcelona und New York, war er Privatdozent an der Berliner Universität, dann Studentenpfarrer, nach 1933 zwei Jahre lang Pfarrer an der deutschen Gemeinde in London. 1935 gründete er in Finkenwalde bei Stettin ein Predigerseminar der oppositionellen Bekennenden Kirche. Hier übte der Theologe mit seinen Vikaren das "gemeinsame Leben". Im Predigerseminar herrschte strenge Disziplin: Schweigen nach dem Aufstehen, eine dreiviertelstündige Andacht vor dem Frühstück, Bibelmeditation. Einer der Vikare, Albrecht Schönherr, später Bischof von Berlin-Brandenburg, erinnert sich.

"Bonhoeffer hat damals in der Begründung für diese besondere Bruderschaft, die er dann einleitete, geschrieben, dass das Wichtigste sei, nicht ein mönchisches Leben zu führen, aber innerste Konzentration für den Dienst nach außen. Das ist das, was auch in der Gemeindearbeit heute und die ganze Zeit über wichtig ist, dass wir uns wirklich konzentrieren auf das Entscheidende, um den Dienst nach außen tun zu können und nicht anders - nicht, um uns selber pflegen zu können."

1940 ließ sich Bonhoeffer von der Auslandsabwehr der Wehrmacht um den Admiral Wilhelm Canaris verpflichten. Seine Reisen – offiziell im Dienste des kriegführenden Staates – nutzte er dazu, im Ausland Nachrichten über den deutschen Widerstand innerhalb und außerhalb der Wehrmacht weiterzugeben. Außerdem überbrachte er den Verschwörern in Deutschland Informationen aus der Schweiz, Schweden, Norwegen und Italien. Das Haus Marienburger Allee 43 wurde zum Ort der Konspiration.

Knut Hämmerling: "Die Familienangehörigen, speziell Dietrich Bonhoeffer, sein Schwager Hans von Dohnanyi, der Bruder Klaus und der Schwager Rüdiger Schleicher trafen sich hier regelmäßig zu konspirativen Gesprächen und haben sich dann regelmäßig über den Inhalt ihrer Aktivitäten ausgetauscht."

Aber die Gestapo kam Bonhoeffer auf die Spur. Am 5. April 1943 gegen 16.00 Uhr wurde er abgeholt. Die nächsten zwei Jahre, bis zu seiner Ermordung am 9. April im Konzentrationslager Flossenbürg, verbrachte er im Gefängnis.

Als er am Abend des 21. Juli 1944 im Zuchthaus in Berlin-Tegel vom Scheitern des Attentats auf Hitler erfahren hatte, schrieb Bonhoeffer ein Gedicht über die "Stationen auf dem Wege zur Freiheit": Zucht, Tat, Leiden und Tod.

"Ziehst du aus, die Freiheit zu suchen, so lerne vor allem Zucht der Sinne und deiner Seele, dass die Begierden und deine Glieder dich nicht bald hierhin, bald dorthin führen. Keusch sei dein Geist und dein Leib, gänzlich dir selbst unterworfen, und gehorsam, das Ziel zu suchen, das ihm gesetzt ist. Niemand erfährt das Geheimnis der Freiheit, es sei denn durch Zucht."

Bonhoeffer hatte sich zum Ziel gesetzt, züchtig zu leben – ein Vorsatz der schon in den 30er und 40er Jahren des 20. Jahrhunderts antiquiert erschien. Gegen die Übermacht des nationalsozialistischen Regimes aber waren Bonhoeffers strenge Ethik und seine unerschütterliche Konsequenz ein wirksames Mittel. Dietrich Bonhoeffer machte ernst mit einem Christentum, das sich nicht im religiösen Kult erschöpft. Er verstand es als gelebte Nachfolge auf dem Weg Jesu Christi.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk