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StartseiteVerbrauchertippNicht nur dem Klima, sondern auch den Menschen helfen13.02.2018

CO2-KompensationNicht nur dem Klima, sondern auch den Menschen helfen

Fliegen, Auto fahren, heizen: Jeder Mensch trägt zum CO2-Ausstoß bei, der wiederum den Klimawandel vorantreibt. Statt beim Verbrauch kürzer zu treten, können Verbraucher ihre verursachten Treibhausgasemissionen freiwillig kompensieren - etwa durch Unterstützung von Klimaschutz-Projekten. Was ist dabei zu beachten?

Von Dieter Nürnberger

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Eins Dunstglocke liegt über Los Angeles.  (imago stock&people)
Dicke Luft in den Städten: Der Klimawandel schreitet voran - was kann der Einzelne dagegen tun? (imago stock&people)
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Wer viel fliegt, hat auch einen großen CO2-Fußabdruck. Mit diesem Wort umschreiben Klimaexperten die persönlichen Treibhausgasemissionen pro Kopf und Jahr. Und gerade im Zeitalter der Billigflieger ist das Reisen per Flugzeug in den vergangenen Jahren deutlich erschwinglicher geworden. Die Auswirkungen sind jedoch fatal, sagt Stefan Fischer von der Stiftung Warentest:

"Fliegen hat insofern eine verheerende Wirkung auf das Klima, weil der CO2-Ausstoss in hohen Höhen - also über 9.000 Meter - viel stärker wirkt als der CO2-Ausstoss auf der Erde. Der durchschnittliche Deutsche stößt ungefähr 0,6 Tonnen CO2 pro Jahr durch das Fliegen aus. Das ist gar nicht so viel. Wenn man sich dann aber vor Augen führt, wie viel ein Hin- und Rückflug beispielsweise nach Sydney ausmacht - das sind dann schon über 10 Tonnen - das in etwa so viel, wie der Deutsche insgesamt im Jahr ausstößt."

Die Anbieter arbeiten in der Regel mit Zertifikaten

Aus Gründen des Klimaschutzes wäre es deshalb am besten, auf das Fliegen zu verzichten, sagt der Warentest-Experte. Sozusagen die zweitbeste Lösung ist eine freiwillige Kompensation der verursachten Treibhausgasemissionen. In der Untersuchung wurden sechs Organisationen unter die Lupe genommen, die genau dies anbieten. 

Wichtigstes Kriterium beim Test war die Qualität der Kompensation - wo und wie werden die eingenommenen Gelder verwendet? Am besten sei es, so Warentester Stefan Fischer, wenn die Projekte nicht nur dem Klima, sondern auch dem Menschen nützen. Er nennt ein Beispiel:     

"In Ruanda zum Beispiel macht ein Anbieter Öfen, er lässt sie dort produzieren. Und mit diesen Öfen können die Leute viel ressourcenschonender heizen und kochen. Ein positiver Nebeneffekt ist auch, dass die Menschen, die damit arbeiten, giftige Gase nicht mehr so unvermittelt einatmen."

Die Anbieter arbeiten in der Regel mit Zertifikaten, die die Sinnhaftigkeit ihrer Kompensations- und Klimaprojekte verdeutlichen sollen. Besonders hohe Anforderungen stellen Zertifikate nach dem "Gold Standard" - ein Güte-Siegel, welches 2003 von Umweltverbänden entwickelt wurde.

Bewertet wurde auch, wie transparent die Organisationen arbeiten: Wie viel wird beispielsweise für Werbung und Verwaltung ausgegeben, gibt es Prüfungen durch unabhängige Gutachter? Beim Kriterium Transparenz fielen die beiden Organisationen "Klimamanufaktur" und "Arktik" durch. Mit der generellen Bewertung "sehr gut" lagen "Atmosfair", "Klima-Kollekte" und "Primaklima" in der Untersuchung vorn. 

Persönlichen CO2-Fußabbdruck berechnen lassen

"Atmosfair": Die haben sehr hohe Qualitätsanforderungen an ihre Projekte und sie entwickeln diese Projekte auch selbst mit. "Primaklima" zum Beispiel ist ein spezieller Anbieter, er beschäftigt sich ausschließlich mit dem Thema Wald. Die Kompensation wird hier immer durch Aufforstung oder um Projekte, die sich um den Wald drehen, bewerkstelligt."

Es geht bei den Kohlendioxid-Kompensationszahlungen übrigens nicht nur um den Flugverkehr, auch wenn dieser bisher den Großteil der Zahlungen ausmacht. Wer seinen gesamten persönlichen CO2-Fußabbdruck berechnen lassen möchte, kann dies über die Internetseite uba.co2-rechner.de tun. Warentester Stefan Fischer: 

"Bei diesem Rechner kann man sehr detailliert eingeben, wie man so lebt: Mehrfamilien - oder Einzelhaus, auch welche konkrete Heizung genutzt wird. Man kann ebenso seine Fahrgewohnheiten angeben. Und dieser Rechner berechnet einem dann den Ausstoß pro Jahr."

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