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StartseiteCampus & KarriereVoll auf Nachwuchs programmiert02.12.2015

CoderDojos für KinderVoll auf Nachwuchs programmiert

Chatten per WhatsApp, Minecraft zocken und Videos bei YouTube schauen: In der digitalen Welt finden sich Kinder und Jugendliche bestens zurecht. Meist bleibt das Ganze aber eine eher passive Angelegenheit, die wenigsten interessieren sich dafür, wie Apps entwickelt oder Spielwelten designt werden. Die "CoderDojos" wollen das jetzt ändern. Konstruieren statt konsumieren heißt die Devise.

Von Katja Hanke

Ein junger Mann sitzt vor seinem Computer und spielt ein Computerspiel. (dpa / picture alliance / Peter Steffen )
Ein junger Mann sitzt vor seinem Computer und spielt ein Computerspiel. (dpa / picture alliance / Peter Steffen )
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"Und dann drehen, springen, dann leuchten ..."

Die 11jährige Lilly blickt konzentriert auf den Bildschirm ihres Laptops. Dort hüpft ein kleiner grauer Roboter über blaue Felder und lässt sie ab und zu aufleuchten. Lilly sagt dem Roboter, was er tun soll. Sie tippt aber keine komplizierten Befehle ein, sondern zieht Symbole in ein Feld: einen Pfeil für Geradeausgehen, eine Sprungfeder für Springen und eine Glühbirne für Leuchten.

"Jaaaa, yes, jetzt habe ich es geschafft, okay."

Das Programm, das sie benutzt, heißt Lightbot und ist ein spielerischer Einstieg ins Programmieren. Lilly ist eines von zwanzig Kindern zwischen 7 und 15 Jahren, die an diesem Nachmittag zum CoderDojo, einem Programmierklub für Kinder, nach Potsdam gekommen sind. Er findet alle zwei Wochen in einem Raum der Universität statt. Vier Studierende organisieren ihn und helfen den Kindern. Manche sind Anfänger wie Lilly und schieben Symbole oder bunte Blöcke in ein Feld, andere schreiben schon in Programmiersprachen – wie der 11jährige Duncan.

"CodeCombat, das ist ein Spiel, wo man seinen Charakter programmiert mit Phyton."

Lernen durch Hüpfen

Auf seinem Bildschirm sind zwei Fenster: In einem läuft ein einfaches Computerspiel mit einem Ritter und einem Bauern, in dem daneben stehen kryptische Zeichen der Programmiersprache Phyton. Duncan schreibt ein paar Befehle in das Fenster, klickt hier und dort, aber gerade bewegt sich nichts.

"Es ist noch nicht ganz fertig, deshalb dürfte es nicht funktionieren."

Die Idee der Programmierklubs für Kinder entstand vor vier Jahren in Irland. Der damals 18-jährige James Whelton wollte seinen Mitschülern zeigen, wie Programmieren funktioniert und lud sie zu einem Workshop ein. Das Interesse war groß und schnell fand die Idee auch international Nachahmer. Mittlerweile gibt es 600 CoderDojos in 60 Ländern und Whelton führt eine Stiftung, die Interessierte dabei unterstützt, einen eigenen Club zu veranstalten. Eine der Organisatorinnen in Potsdam ist die Informatik-Studentin Kirstin Heidler. Sie sagt, dass der Club eine wichtige Lücke schließt.

"Ich finde, dass die informationstechnische Grundbildung von Kindern unglaublich wichtig ist in unserer heutigen Zeit, wo Computer und Informatik und Software immer allgegenwärtiger wird für alle. Und die Bildung in der Schule dazu ist katastrophal schlecht, und wir wollen mit dem CoderDojo, für die, die sich dafür interessieren, eine Möglichkeit bieten, dass sie sich mit dem Thema intensiv beschäftigen können."

Keine Nerds

Denn schon Kinder sollen verstehen, wie ein Computer funktioniert. Und sie sollen erfahren, dass Programmieren etwas Kreatives ist und Spaß macht, vor allem, wenn man es zusammen tut.

"Wir wollen, dass sie eben nicht in ihrem stillen Kämmerlein sitzen und immer dieses Bild von irgendwelchen Informatik-Nerds herrscht, wo die nur alleine und total asozial sind, sondern es soll eben genau das Gegenteil sein: Wir wollen halt gerne, dass sie sich austauschen, kennenlernen und andere finden, die das Gleiche machen, damit man sich eben auch nicht so alleine fühlt damit und mehr Kontakt zu anderen hat."

Lilly meistert den hüpfenden Roboter ziemlich schnell. Das Programmieren bereitet ihr sichtlich Freude. Was ist das Faszinierende daran?

"Na ja, also, dass es dann eben auch funktioniert, dass man sich konzentrieren muss, ja, dass man so einen Roboter eben auch selber führt und, ja, ihn auch zum Ziel bringt."

Dass die Kinder dem Computer Anweisungen geben können und dieser sie ausführt, ist für viele eine neue und faszinierende Erfahrung. Die Clubs kommen bei den Kindern gut an und ständig werden neue gegründet. Kirstin Heidler sieht den Grund dafür vor allem im Enthusiasmus der Freiwilligen.

"Ich glaube, dass es einfach total vielen bewusst geworden ist, wie eklatant schlecht die Bildung in dem Bereich ist. Und ich weiß, dass es in dem Bereich einfach sehr viele motivierte Menschen gibt, also Informatiker und Software-Entwickler, die ihr Wissen auch gerne weitergeben wollen (...). Ich glaub, das ist irgendwie so eine Art Kultur auch (...) Die wollen das eigentlich gerne teilen und es auch an Jugendliche weitergeben."

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