Montag, 11.12.2017
StartseiteCorsoAlles monothematisch, oder was?07.12.2017

Comedy in Zeiten von TrumpAlles monothematisch, oder was?

Trump. Trump. Trump. Und manchmal auch noch die Leute um ihn herum. Der Autor Travon Free will die eigene Empörung nutzen, um dem Publikum eine Katharsis zu ermöglichen. Während Trump für jede Menge Themen sorgt, bleibt die Herausforderung: "how to trump Trump"? Wie kann man Trump satirisch übertrumpfen?

Von Kai Clement

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US-Präsident Donald Trump während seines Wahlkampfs im Jahr 2016 in Anaheim, Kalifornien. (imago / UPI Photo)
US-Präsident Donald Trump: Momentan vergeht kaum ein Tag in den US-Late-Night-Shows, an denen er nicht das Thema ist. (imago / UPI Photo)
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Als New Yorks weiblicher Comedy-Star zwischen all den Colberts, Kimmels und Fallons ist sie eine Rarität. Samantha Bee stehe für "fiery feminism", schreibt die New York Times, für glühenden Feminismus also. Samantha Bees Stimme ist jetzt noch besser hörbar: in den Zeiten von #MeToo, der Kampagne gegen sexuelle Übergriffe. Einer der Beschuldigten: der zur Wiederwahl anstehende republikanische Senator von Alabama. Roy Moore: ein Mann, über den sie sich Tag für Tag aufregen könne, sagt Bee. Aber die Leute müssten eben selbst ihre fiesen Typen loswerden, anstatt auch noch  Entschuldigungen für sie zu suchen.

Trump mit Late-Night Dauerpräsenz

Comedy in den Zeiten von Trump: das wirkt ziemlich monothematisch. Trump. Trump. Trump. Und manchmal auch noch die Leute um ihn herum. Wie Vize-Präsident Mike Pence und seine stille Ehe.

Travon Free ist Autor für Samantha Bees Show "Full Frontal". Seit Jahren ist der mit dem Emmy-Preis ausgezeichnete Mann im Geschäft.

"Das hat sich alles so verändert. Ich habe auch für die Daily Show mit Jon Stewart gearbeitet - das war zu Obamas Zeiten. Da gab es Tage, manchmal eine Woche, ohne dass es um den Präsidenten ging. Aber jetzt: jeden einzelnen Tag macht er etwas, dass uns eigentlich eine Woche lang beschäftigten könnte."

"Es ist, als würde ein bösartiges Regime regieren"

Das Publikum im Fernsehstudio unweit des Hudson Rivers geht johlend mit - man ist unter sich, unter Trump-Gegnern. Travon Free sagt, es gehe darum, die eigene Empörung zu nutzen, um dem Publikum eine Katharsis zu ermöglichen. Comedy als Druckventil für die Empörten.

Die kanadisch-amerikanische Komikerin und Autorin Samantha Bee bei einer Rede auf dem achten "Women in the World Summit" im Lincoln Center in New York City. (AFP / Angela Weiss)Die kanadisch-amerikanische Komikerin und Autorin Samantha Bee. (AFP / Angela Weiss)

Twitter-König Trump hat schon viele Fernseh-Stars persönlich angegriffen, allerdings noch nicht die gebürtige Kanadierin Samantha Bee. Allerdings hat der Präsident vor zwei Monaten der gesamten Late-Night-Szene bescheinigt, immerzu Anti-Trump zu sein. Kein Widerspruch von Travon Free.

"Ich werde oft gefragt, warum gibt es keine konservative Version zum Beispiel der "Daily Show". Aber es ist doch so: Comedy wehrt sich von unten, es geht um den Widerstand gegen die Leute da oben."

Trump zieht nicht mehr 

Nach Angaben des zu Time Warner gehörenden Comedy-Senders TBS ist die geradezu aggressiv politische Show von Samantha Bee die am schnellsten wachsende Late-Night-Sendung, wenn man alle Kanäle inklusive Facebook et cetera zusammen nimmt. Insgesamt aber scheint Trump keinen großen Publikumszuwachs beschert zu haben: die drei Super-Stars Fallon, Colbert und Kimmel zusammen genommen haben über das vergangene Jahr gleichbleibend viele Zuschauer gehabt.

Während Trump also für jede Menge Themen sorgt, bleibt die Herausforderung: "how to trump Trump"? Wie kann man Trump satirisch übertrumpfen?

"Es ist, als würde ein bösartiges Regime regieren. Da kann man nicht mal mehr Witze drüber machen. Es ist so extrem verrückt und schlimm, dass es selbst der größte Witz ist."

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