• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen
Startseite@mediasresZu Besuch bei den Abrafaxen03.10.2017

ComicsZu Besuch bei den Abrafaxen

Denkt man an Comics, denkt man automatisch an Donald Duck oder Asterix, nicht unbedingt an Digedags oder Abrafaxe. Das war Kult in der DDR, genauso wie das Magazin Mosaik. Das Heft gibt es bis heute - und es hat immer noch Erfolg.

Von Michael Meyer

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Besucher gehen durch die Ausstellung «Dig, Dag, Digedag. DDR-Comic Mosaik» im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig.  (dpa-Zentralbild)
Die Digidags: Figuren aus dem Comicblatt Mosaik (dpa-Zentralbild)
Mehr zum Thema

 Bildgeschichten mit kommunistischer Gesinnung

Best of 20  Comic-Empfehlungen für Erwachsene

Geschichte des Comics Max und Moritz waren einflussreich

Mythos "Mosaik" Erfolg in der jüngeren Comic-Geschichte

Zu Besuch in der Redaktion des Comicmagazins "Mosaik" im Berliner Westend.  Hier, in einer Gründerzeitvilla residiert der Verlag des Magazins seit 1991. Ein kleines Team von rund einem Dutzend Mitarbeitern erstellt das monatliche Heft, das auch nach über sechzig Jahren seines Bestehens eine treue Leserschaft hat - im Osten Deutschlands und zu einem Drittel auch im Westen.  Klaus Schleiter ist Geschäftsführer des Verlags und hatte nach der Wende den Mosaik-Verlag von der Treuhand abgekauft. Ein Glücksgriff. Über 100.000 Exemplare der "Abrafaxe" jeden Monat bis zum heutigen Tag darf als Erfolg im durchaus nicht einfachen Comic-Markt gewertet werden. Doch warum ist das Heft noch immer so beliebt?

"So direkt können wir das auch nicht beantworten. Wenn man sich rückblickend die Auflagen anguckt, wie das Mosaik verkauft wird, können wir sagen, in den letzten sieben Jahren haben wir einen ständigen Aufwärtstrend, und mit unserer aktuellen Serie haben wir einen richtigen Sprung nach oben gemacht. Luther - Serie ist bei uns ein Arbeitstitel. Es geht ja um die Reformationszeit. Wir erzählen ja im Mosaik, wie die Leute damals gelebt haben, wie die sozialen Strukturen waren, wie überhaupt  aufgrund der ganzen Zusammenhänge so ein Mensch wie Luther entstehen konnte."

Abrafaxe mit stets gutem Charakter

Die Abenteuer der Abrafaxe sollen immer auch ein wenig Bildung vermitteln, sagt Klaus Schleiter. Auch wenn man das nicht so betone, denn es soll ja um den Lese-Spaß gehen. Doch egal, ob die Abrafaxe sich im alten Rom, im alten Griechenland, in Ägypten oder in Amerika beweisen müssen - immer sind sie gute Charaktere, die keine Gewalt anwenden und zu denen man aufschauen kann. Im Westen waren die Comics der Abfrafaxe, und deren Vorläufer-Figuren, die Digedags, kaum zu bekommen und daher weithin unbekannt. Erst nach der Wende wurden die Comics auch im Westen populär. Damals wurde auch der Comic-Experte und FAZ-Redakteur Andreas Platthaus auf das Magazin "Mosaik" aufmerksam, nicht zuletzt dank der ungeheuren Detailgenauigkeit der Zeichnungen:

"Das ist eine unglaubliche Comic-Erzähllinie, die auch ziemlich einmalig in der gesamten Comic-Kultur dasteht. Und es ist sehr vergnüglich, sich diese Sachen anzusehen, denn die sind richtig gut erzählt, die sind ziemlich toll gezeichnet."

Handgemalte Figuren mit Bleistift und Tinte

Die Art der Zeichnung macht das Magazin "Mosaik" bis zum heutigen Tag aus. Während andere Comic-Redaktionen digital arbeiten und alles am Computer erstellen, entstehen die Abrafaxe noch ganz altmodisch am Zeichenbrett mit Bleistift und Tinte. Maren Ahrens, Lektorin im "Mosaik"- Verlag erzählt, dass die Zeichnungen dadurch eine viel tiefere Anmutung bekommen. Der "Strich" sei eben ein anderer, wie man in der Zeichner- Sprache sagt. Am Anfang jeder Geschichte steht eine Idee, wohin die Reise der Abrafaxe gehen soll. Es gibt eine Art Drehbuchskript und sogenannte "Scribbles"- grobe Vorzeichnungen, die einen Einblick geben sollen, wie die Geschichte dann aufgebaut wird. Maren Ahrens erklärt im Zeichnerstudio, wie die Comics  entwickelt werden:

"Also, er hat hier die Manuskriptseiten bei sich liegen, und auch die Scribbles und bereitet dann auf A3-Größe die Seiten für die Zeichner vor. Das heißt er skizziert schon mal alle Figuren, und die Hintergründe auch ganz grob ins Bild, weil die Arbeit im Team doch eine gewisse Koordination erfordert. Es kann nicht jeder Zeichner einfach so loslegen wie er möchte, sondern jemand muss da mal drauf gucken und aufpassen, dass die Figuren im richtigen Verhältnis zueinander stehen."

Comics zum Weitermalen

Jeder Zeichner hat seine Aufgaben: einer macht die Hintergründe, einer die Hauptfiguren, und jede Seite wandert dann von Platz zu Platz und braucht etwa einen Tag, bis sie fertig ist.
Die Geschichten der Abrafaxe sind so genau gezeichnet, dass Leser und Leserinnen schon mal Briefe schreiben, wenn ein historisches Detail nicht ganz stimmt. Etwa, wenn ein Fenster mal nicht die genauen Maße hat. Die Fangemeinde ist so treu, dass sogar ganze nachgezeichnete Comics manchmal in der Redaktion eintreffen.
Merchandising-Artikel gibt es für die Fans der Abrafaxe  allerdings kaum, so wie bei anderen Verlagen üblich, also etwa Plastikfiguren, T-Shirts oder Spielzeug.  Im Jahr 2001 gab es mal einen Kinofilm namens "Unter schwarzer Flagge", der im Kino nicht gut lief, sich aber auf DVD sehr gut verkauft hat. Vor drei Jahren wurde die neueste Errungenschaft für richtige Abrafaxe-Fans eingeführt, eine kostenlose App, erzählt Geschäftsführer Klaus Schleiter:  

Abrafaxe leben online weiter

"Wenn Sie das Mosaik aufschlagen, dann gibt es auf verschiedenen Seiten ein kleines schwarzes Auge. Das Auge hat technisch überhaupt nichts zu sagen, erzählt nur dem Leser, auf der Seite kannst Du mehr entdecken. Wenn Du dann das Smartphone draufhältst, dann startet ein Videoclip zum Beispiel von unserer Lektorin, die dann erzählt über historische Zusammenhänge, oder man sieht einen Clip, wie genau diese Seite von einem Zeichner gezeichnet wird. Das spannende dabei ist, aber das haben wir ganz bewusst so gemacht, wenn man das Papierheft unten wegzieht, ist auch der Clip weg, das heißt die Kombination von Papier und elektronischem Device, die funktioniert bei uns."
 

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk