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Commonwealth Games in AustralienTestlauf für Olympia

Die Commonwealth Games sind ein etwas angestaubtes Event für Athleten aus gut 50 Ländern oder Gebieten, in denen Großbritannien früher einmal Kolonialmacht war. Diesmal finden sie an der Gold Coast in Australien statt - die damit schon mal für Olympia üben möchte.

Von Andreas Stummer

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Die Eröffnungszeremonie der Commonwealth Games in Gold Coast, Australien. (AFP / Anthony WALLACE)
Die Eröffnungszeremonie der 21. Commonwealth Games in Australien. (AFP / Anthony WALLACE)
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Es waren warme Worte, die Prinz Charles zur Eröffnung der Commonwealth Games an einem kühlen Abend an Australiens Gold Coast fand. Noch dazu, weil ihm die Australier tags zuvor die kalte Schulter gezeigt hatten. Nach Umfragen wolle eine deutliche Mehrheit Charles nicht als Thronfolger der Queen - und überhaupt: ein Königreich für eine Republik. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis dem britischen Empire der australische Zacken aus der Krone falle. Doch bevor daraus ein diplomatischer Zwischenfall werden konnte, purzelten bei den Spielen die ersten Weltrekorde. Beide Male durch die australischen Gastgeber. Beim Bahnradfahren in der 4000 Meter Verfolgung und in der 4x100-Meter-Kraul-Staffel der Frauen.

1,25 Milliarden Euro haben sich die Australier den Bau der Wettkampfstätten kosten lassen. "Erstklassige Sportanlagen für zweitklassige Bewerbe" bemängeln Kritiker der Spiele. Denn viele internationale Top-Athleten sind nicht am Start. Einige der weltbesten Radfahrer, Basketballer und Leichtathleten fehlen, Australiens 100-Meter-Hürden-Star Sally Pearson ist verletzt, der vierfache 5.000- und 10.000-Meter-Olympia-Goldmedaillengewinner Mo Farah wollte für England eigentlich den Marathon laufen, hat aber abgesagt. Kenyas Lang- und Mittelstreckenläufer-Elite tritt lieber bei lukrativen Sportfesten an, dazu kommt die Konkurrenz: Neben Olympia und Weltmeisterschaften wirken die Commonwealth Games ein wenig wie das häßliche Entlein.

"Die Zuschauer sind übersättigt, was Sport-Großveranstaltungen angeht", glaubt der Sportjournalist Bob Zeker, "die Commonwealth Games haben längst nicht den Stellenwert von Olympia. Dagegen wirken sie fast wie eine Schulsportveranstaltung. Viele Tickets wurden kostenlos ausgegeben, um für die Übertragungen die Ränge zu füllen. Denn bei diesen Spielen geht es vor allem um das Fernsehpublikum."

Das große Ziel: Olympia

Mehr als eineinhalb Milliarden Menschen sind täglich in den Teilnehmer-Ländern live dabei, Gratiswerbung für eine der meistbesuchten Touristenregionen Australiens. John Coates aber hofft, dass sich die Sportnation Australien bei den Spielen von ihrer besten Seite zeigt, denn für den Chef des australischen olympischen Komitees sind die Commonwealth Games an der Gold Coast nur die Aufwärmrunde für ein noch größeres Sportfest:

"Die große Idee ist, dass sich Südost-Queensland und Australien um das Austragen der olympischen Spiele bewerben. Brisbane ist ein hervorragender Kandidat für Olympia 2032, zusammen mit sechs weiteren Städten an der Gold Coast, die dann Bewerbe ausrichten würden. Machbarkeitsstudien laufen bereits und ich werde alles im In- und Ausland tun, um eine Bewerbung Brisbanes zu unterstützen."

1992 wollte Brisbane schon einmal Olympia an die Gold Coast holen - verlor damals aber haushoch gegen Barcelona. Doch diesmal soll sich nicht nur die Stadt Brisbane, sondern der ganze Landkreis bewerben. Sportstätten, die jetzt für die Commonwealth Games gebaut wurden, hofft man, kostengünstig für Olympia wiederverwerten zu können.

"Melbourne hatte die olympischen Spiele, Sydney auch - jetzt ist Queensland an der Reihe", sagen zwei Passanten in Brisbane, "wir sind eine Stadt von Weltformat und Olympia wäre das Tüpfelchen auf dem i".

Inzwischen ist bei den Commonwealth Games an der Gold Coast alles beim Alten. Australien und England liefern sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen im Medaillenspiegel, Kanada ist auf Bronze-Kurs und der Rest unter ferner liefen. Doch nach Jahren mit glanzlosen Austragungsorten, Boykotts und mangelndem Interesse brauchen sich die Commonwealth Games nicht zu verstecken - vor allem dank der Sportverrücktheit der Australier. Denn die feuern jeden Sportler an - auch beim Netzball und beim Rasenbowling.

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