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Computer an SchulenHitzige Debatte über "digitale Verdummung"

Schülerinnen sitzen an einem Computer-Arbeitsplatz in der Grundschule auf dem Süsteresch in Schüttorf / Niedersachen. Die Schule ist Hauptpreisträger beim Deutschen Schulpreis 2016. (picture alliance / dpa / Friso Gentsch)
Schülerinnen sitzen an einem Computer-Arbeitsplatz. (picture alliance / dpa / Friso Gentsch)

Der Vorstoß der designierten Staatsministerin für Digitales, Bär, zum Programmieren in der Grundschule hat eine Diskussion ausgelöst. Der Neurowissenschaftler Spitzer sorgte im Dlf-Interview mit kontroversen Thesen für Aufsehen. Widerspruch kommt aus der Politik und von Experten.

In der Debatte um Digitalisierung an Schulen betont FDP-Generalsekretärin Beer die Wichtigkeit der Modernisierung. Beer sagte im Deutschlandfunk (Audio), momentan sei viel Angstmacherei im Spiel. Die Kinder würden nach ihrem Schulabschluss in Berufen arbeiten, die man heute noch gar nicht kenne - und dafür müsse man sie fitmachen. Man könne das eine tun - seine Finger und Hände benutzen - ohne das andere zu lassen.

In den vergangenen Tagen hatte die CSU-Politikerin und designierte Staatsministerin für Digitales, Bär, für Programmieren als Lerninhalt in der Grundschule geworben und damit eine kontroverse Debatte ausgelöst. Der Neurowissenschaftler und Hochschullehrer Manfred Spitzer sagte im Deutschlandfunk, zum Programmieren müssten bestimmte logische Prozesse verstanden und mathematisches Grundwissen vorhanden sein. Dies sei frühestens irgendwann in der Mittelstufe vorhanden.

Smartphones schuld an Kurzichtigkeit und Diabetes?

Spitzer sagte weiter, Tablets und Smartphones schadeten dem Lernen und nützten nicht. Wenn Kinder an der Schule keinen Griffel mehr halten könnten, weil sie sich nur noch mit Wischen über eine Glasoberfläche beschäftigt hätten, dann habe man einen großen Nachteil: "Wenn sie nur wischen als Kindergartenkind, endet ihre Karriere als Putzfachkraft." Smartphones seien bei Kindern für die Entstehung von Kurzsichtigkeit, Diabetes, Schlafstörungen und Depressionen verantwortlich. Für Wirbel sorgte zudem diese Äußerung Spitzers: "Wir ziehen uns eine Generation von Behinderten heran, ich sage es mal drastisch."

Der Medienpsychologe von der Universität Würzburg, Markus Appel, wies die Äußerungen von Spitzer zurück. Computer und Tablets gehörten sehr wohl zum Unterricht, sagte er ebenfalls im Deutschlandfunk. Es komme immer darauf an, wie man diese verwende. Wenn es ein didaktisches Konzept gebe, seien die Ergebnisse positiv. Die Argumentationslinie von Spitzer sei weit ab vom wissenschaftlichen Mainstream.

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