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StartseiteForschung aktuellComputerpest und Seuchenzüge05.03.2004

Computerpest und Seuchenzüge

Alternativen zur informationstechnischen Monokultur

<strong>Informationstechnologie. – Jeder Internet- und Computernutzer muss sich heutzutage mit einer stetig wachsenden Armee kleiner Angreifer herumplagen, die bestenfalls seinen Rechner mit Werbemüll bombardieren, oft aber auch gewaltigen Schaden anrichten. In ihrer Not blicken manche Informatikexperten in Richtung Biologie und wollen dort lernen, wie man mit Viren, Wurmparasiten und anderem lästigen Zeug fertig wird. Ob mehr als allgemeine Funktionsregeln dabei herauskommt, ist noch unklar.</strong>

Vergleiche zwischen Computer- und natürlichen Viren sind erlaubt. (Uni-Freiburg)
Vergleiche zwischen Computer- und natürlichen Viren sind erlaubt. (Uni-Freiburg)

Dieselbe Bezeichnung und die gleichermaßen schädliche Wirkung bis hin zu Tod oder Computercrash legen einen Vergleich zwischen natürlichem und Computervirus nahe. Auch die weltweiten Siegeszüge der immer neuen Internetviren lassen an eine bestimmte Konstellation in der Natur denken: die Monokultur. Jeff Dukes, Biologieprofessor an der Universität von Massachusetts in Boston: "Wenn ich das recht verstehe, breiten sich Computerviren auf Windows-Maschinen so enorm aus, weil dieses Betriebssystem so weit verbreitet ist und immer mehr solcher Maschinen übers Internet miteinander vernetzt sind." Ebenso wie sich der Borkenkäfer rasend schnell in unseren Fichtenforsten ausbreiten kann, kann sich ein Computervirus in der nahezu uniformen Rechnerwelt ausbreiten, die von Microsoftprodukten dominiert wird. Dukes: "Ein einheitliches Programm oder Betriebssystem hat Vorteile, aber meiner persönlichen Meinung nach überwiegen die Unannehmlichkeiten durch Computerviren diesen Effizienz-Vorteil."

Die Computerexperten sehen das allerdings anders. Gerade die Informatikfachleute in Unternehmen, Behörden und anderen Institutionen wollen die einheitliche Software-Architektur nicht aufgeben, und wer einmal mit nur leicht inkompatiblen Programmen gekämpft hat, kann das verstehen. Der Arbeitsaufwand würde den Effizienzgewinn durch den Einsatz der Datenverarbeitung komplett auffressen. "Vielleicht kann man Betriebssysteme entwickeln, die einfacher und resistenter gegen Viren sind, indem man den Code minimal variiert. Aber das ist ein Thema, über das andere sprechen sollten, die sich richtig damit auskennen", meint Biologieexperte Jeff Dukes. Inzwischen scheint sogar bei Microsoft die Idee der Diversität eingeschränkte Sympathie zu genießen. Scott Charney, Chefinformatiker für Datensicherheit, gegenüber der Agentur CNET: "Ich kann keine gute Verteidigung aufbauen, wenn ich überall die gleichen Maschinen stehen habe. Aber es gibt Unterschiede zwischen Biodiversität und Computerdiversität!"

[Quelle: Maximilian Schönherr]

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