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StartseiteKommentare und Themen der WocheGenveränderte Menschen braucht niemand03.08.2017

Crispr/Cas Gen-TechnikGenveränderte Menschen braucht niemand

Forscher in den USA haben mithilfe der sogenannten Gen-Schere Crispr/Cas eine Reparatur an menschlichen Embryonen vorgenommen. Manipulation am Menschen lasse sich zwar nicht verhindern, kommentiert Michael Lange. Doch in die richtigen Bahnen lenken lasse sie sich weder mit Begeisterung noch mit Empörung.

Von Michael Lange, freier Journalist

Ein 12-Wochen alter Emybro aus Plastik mit Strichcode. (Symbolfoto) (imago / McPhoto)
Ein Moratorium für die gentechnische Veränderung von Menschen wäre ein Anfang für einen ethisch korrekten Umgang mit dem Thema, meint MIchael Lange. (imago / McPhoto)
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Sie haben wirklich getan, worüber bislang nur spekuliert worden war. In den Laboren der Oregon Health and Science University in Portland haben Genforscher 58 Mal versucht, menschliche Embryonen genetisch zu manipulieren. 42 Mal erfolgreich. Die genveränderten Embryonen sind nur unter dem Mikroskop zu sehen und bestehen lediglich aus ein paar Dutzend Zellen.

Die Hälfte der Embryonen müsste eigentlich ein fehlerhaftes Gen in sich tragen, das für eine Herzschwäche sorgt. Denn die Embryonen entstanden durch künstliche Befruchtung mit fehlerhaften Spermien. Aber das fehlerhafte Gen wurde noch während der künstlichen Befruchtung repariert. Möglich machten das neue programmierbare Gentechnik-Werkzeuge. Unter dem Namen Crispr/Cas sind sie inzwischen auch außerhalb der Wissenschaft bekannt.

Zwischen Begeisterung und Kopfschütteln

Diese Gentechnik-Werkzeuge sind Biomoleküle, wie sie von Natur aus in Bakterien vorkommen: RNA und Proteine. Genforscher haben in den letzten Jahren gelernt, wie sie sich programmieren lassen, und sie können sie für verschiedene Zwecke nutzen. So lassen sich heute Gene verändern, wie Worte mit einem Textverarbeitungsprogramm im Computer. Gen-Editierung heißt das Fachwort oder auch Genchirurgie. Genforscher sind begeistert. Der Rest der Menschheit staunt oder schüttelt den Kopf.

CRISPR CAS9 beim bearbeiten von DNA. (imago stock&people)CRISPR CAS9 beim bearbeiten von DNA. (imago stock&people)

Das wird auch diesmal so sein. Ethiker werden Symposien abhalten, und Diskussionsrunden für intellektuelle Unterhaltung sorgen. Dann ist bald alles wieder vergessen. Dabei wird es jetzt ernst. Es reicht nicht, sich kurz zu empören. Jetzt ist die Zeit, um den Fortschritt der Gentechnik in die richtigen Bahnen zu lenken. Neue, bessere Behandlungsmethoden für schwere chronische Krankheiten wie Krebs oder Diabetes können und müssen entwickelt werden. Crispr/Cas kann dabei helfen. Genveränderte Menschen jedoch braucht niemand.

Nicht hinter dem Embryonenschutzgesetz verstecken 

Verhindern lässt sich die Manipulation am Menschen vielleicht nicht, aber wir können beeinflussen, was in Zukunft manipulierbar sein darf und was nicht. In Deutschland dürfen wir uns nicht hinter dem Embryonenschutzgesetz verstecken. Entscheidend sind internationale Vereinbarungen – insbesondere mit den USA und China. Ein Moratorium für die gentechnische Veränderung von Menschen wäre ein Anfang.

Forschung muss streng geregelt und überwacht werden

Wenn denn die Forschung stattfinden soll, muss sie streng geregelt und überwacht werden. Alles muss öffentlich sein. Es muss klar sein, welche Risiken Wissenschaftler eingehen dürfen, wenn sie mit menschlichen Embryonen experimentieren. Wann kann gentechnische Veränderung Leiden verhindern oder lindern? Was muss unbedingt verhindert werden? Diese Fragen warten weltweit auf Antworten.

Diskussionsrunden unter Fachleuten sind interessant, vielleicht ein Anfang, aber nicht zielführend. Mehr Bürger als heute müssen verstehen, worum es geht und Position beziehen. Die Genforschung ist zu wichtig, um sie den Genforschern zu überlassen.

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