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StartseiteHintergrundDas kleine Geld der Massen 23.06.2014

Crowdfunding und CrowdinvestingDas kleine Geld der Massen

Crowdfunding und Crowdinvesting als alternative Finanzierungsmodelle für Projekte und Start-up-Unternehmen sind eindeutig auf Wachstumskurs. Nun interessiert sich auch die Politik für das Thema und will mehr Anlegerschutz. Denn unerfahrene Privatanleger sind sich der Risiken nicht immer bewusst.

Von Elena Gorgis

Das Online-Magazin "Krautreporter" sucht Unterstützer für unabhängigen Journalismus im Netz. (Screenshot)
Das Online-Magazin "Krautreporter" suchte Unterstützer für unabhängigen Journalismus im Netz - und hat sie inzwischen gefunden. (Screenshot)
Weiterführende Information

Krautreporter - 900.000 Euro für guten Journalismus (Deutschlandfunk, Markt und Medien, Sebastian Esser und Karsten Wenzlaff im Gespräch, 14.06.2014)

Crowdinvesting - Innovative Finanzierung mit Risiko (Deutschlandfunk, Verbrauchertipp, 29.04.2014)

"Kot und Köter" - Hamburger Zeitschrift für Hundehasser (Deutschlandfunk, Deutschland heute, 23.04.2014)

Es ist der bisher heißeste Tag des Jahres in Berlin, 25 Journalisten, die sich "Krautreporter" nennen, haben nach dem Pfingstwochenende zu einer Party in eine Kunsthalle im Stadtteil Prenzlauer Berg geladen. Die Gäste zieht es bei dem warmen Wetter mit Bierflaschen und Sektgläsern in den Händen auf den Bürgersteig. Eine Band spielt. Die Stimmung ist ausgelassen.

Die Krautreporter suchen Unterstützer. Ihr Name ist ein Wortspiel, sie wollen ein Onlinemagazin gründen, das sich allein durch Crowdfunding finanziert. Mit Hilfe der Crowd, also dem Schwarm der Internetnutzer, sollen 900.000 Euro gesammelt werden. Mit diesem Geld könnten die Journalisten für einen Monatslohn um die 3000 Euro ein Jahr lang jeden Tag vier gut recherchierte, hintergründige Artikel veröffentlichen.

Dabei sollen die Leser von Anfang an miteinbezogen werden und zum Beispiel schon während der Recherche mitdiskutieren dürfen. Um ihr Ziel zu erreichen, suchen die Krautreporter nicht den einen großen Investor, sondern 15.000 Unterstützer, die bereit sind, einmalig einen Betrag von 60 Euro zu zahlen. Sebastian Esser, einer der Initiatoren von Krautreporter, erklärt, warum sich er und seine Kollegen für die Schwarmfinanzierung entschieden haben.

"Indem uns unsere Leser finanzieren, haben wir den riesen Vorteil, dass wir viel unabhängiger sind von völlig anderen Finanzierungsformen, wie zum Beispiel Werbung. Und deswegen können wir uns auch nicht über eine Bank finanzieren oder über einen Investor, weil, dann hätten wir unsere Leser nicht und die brauchen wir aber ganz, ganz stark, damit das Ganze überhaupt funktioniert. Und deswegen ist Schwarmfinanzierung oder Crowdfunding genau das Geschäftsmodell, was zu diesem Konzept passt."

Das Alles-oder-Nichts-Prinzip

Grund zu Feiern gibt es an diesem Dienstagabend Anfang Juni allerdings noch nicht. 900.000 Euro sind ein überaus ehrgeiziges Ziel und noch fehlt den Krautreportern fast die Hälfte des Geldes. Drei Tage bleiben ihnen, um es einzusammeln. Beim Crowdfunding gilt das Alles-oder-Nichts-Prinzip: Nur wenn der angestrebte Betrag bis zum festgesetzten Datum zusammenkommt, fließt das Geld der Unterstützer auch wirklich. Falls nicht, erhalten die Initiatoren nichts - die Kampagne ist gescheitert.

(dpa / picture alliance / Horst Galuschka)Der Gründer von "krautreporter.de", Sebstian Esser (dpa / picture alliance / Horst Galuschka)Bis zum letzten Tag sieht es auch bei den Krautreportern ganz danach aus. Doch dann setzt die Internetgemeinde zu einem fulminanten Schlussspurt an: Innerhalb weniger Stunden finden sich die fehlenden rund 6000 Geldgeber. Am Ende kommt sogar knapp eine Million Euro zusammen, bis auf wenige Ausnahmen stammen die tatsächlich von einzelnen Privatpersonen und nicht von Großspendern. Damit gehören die Krautreporter zu den erfolgreichsten Crowdfundern in Deutschland. Ein halbes Jahr lang haben der Journalist Sebastian Esser und seine Kollegen auf diesen Erfolg hingearbeitet und dabei einen Lernprozess durchlebt.

"Also am Anfang haben wir ganz viel dokumentiert, analysiert, das alles dargestellt, was da passiert, aber die Leute wollten mit uns reden und die wollten auch spüren, dass wir nervös sind und dass wir da uns reinhängen und dass wir begeistert sind. Also ich glaube, das ist ja ein ganz wichtiges Element im Crowdfunding, dass man Teil einer Geschichte wird und dass daraus so ein Community-Erlebnis wird. Und diese Emotionalität, die hat dann am Ende wirklich uns, glaube ich, geholfen, das Ziel zu erreichen."

Crowdfunding ist auf Wachstumskurs

Mit ihrem Erfolg werden die Krautreporter wohl nicht lange allein bleiben. Seit vor knapp vier Jahren die ersten Crowdfunding-Plattformen in Deutschland online gingen, ist die Zahl der erfolgreich finanzierten Projekte und die Höhe des Schwarm-Kapitals kontinuierlich gestiegen. In dieser Zeit haben mehr als 1700 Projekte insgesamt gut 9 Millionen Euro über die deutschen Crowdfunding-Plattformen eingesammelt - das jedenfalls geht aus den Zahlen des Internet-Blogs "Für-Gründer.de" hervor. Crowdfunding als alternatives Finanzierungsmodell ist eindeutig auf Wachstumskurs.

Aber nicht jedes Projekt findet genügend Unterstützer. Noch scheitert in Deutschland fast die Hälfte aller Kampagnen.
Anna Theil gehört zur Geschäftsführung von Startnext, der größten deutschen Crowdfunding-Plattform. Die Internetseite dient als Online-Marktplatz, auf ihr können Initiatoren ihre Projekte präsentieren und Unterstützer finden. Eine Idee authentisch und persönlich zu präsentieren, sei ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg, sagt sie.

"Um größere Funding-Ziele zu erreichen, sind unterschiedliche Punkte notwendig, zum Beispiel einfach eine sehr, sehr gute Idee, die wirklich viele haben wollen, bei Produkten zum Beispiel funktioniert das. Dann kann es sein, dass ich schon eine große Community habe, ein Beispiel bei uns: Dokumentarfilm über den Gründer von Borussia Dortmund mit 250.000 - das ist ein Projekt, wo eine große Community da ist, das heißt, hier gelingt es mir natürlich auch, eine größere Summe einzusammeln, das heißt, ich habe ein Netzwerk, das ich ansprechen kann. Dann kann es sein, dass ich schon eine gewisse Reputation mitbringe als Projektinitiator und dann schafft man es auch, die notwendige Dynamik für eine Kampagne zu erzeugen."

Über eine mangelnde Dynamik ihrer Kampagne konnten sich die in der Medienlandschaft gut vernetzten Krautreporter nicht beklagen, in zahlreichen Interviews und Artikeln wurde über ihre Idee berichtet.

"Ich war froh, dass das Crowdfunding dann vorbei war"

Wie es ist, ein Crowdfunding-Projekt weitgehend allein durchzuführen, ohne eine schon bestehende Fangemeinde, auf die man zählen kann, und ohne ein Team im Rücken, hat hingegen die Berliner Filmemacherin Nana Rebhan erfahren. Vor zwei Jahren entschloss sie sich, in einem Dokumentarfilm der Frage nachzugehen, warum in der Hauptstadt neuerdings touristenfeindliche Parolen an Häuserwänden auftauchen. Etwa 20.000 Euro an Produktionskosten veranschlagte sie für den Film "Welcome Goodbye". Schnell wurde ihr klar, dass sie ihr Projekt nicht auf dem herkömmlichen Weg würde finanzieren können.

"Bei diesem Film hab ich ein Exposé geschrieben und ich bin auch zu einigen größeren Produktionsfirmen gegangen, die Dokumentarfilme produzieren, und die mir dann gesagt haben, wenn man so ein Thema angeht, dann sollte man sich drei Protagonisten suchen und sollte dann quasi den Film so machen, dass der ein verträgliches Fernsehformat erfüllt. Und das war aber nicht mein Ansatz, ich hätte das Exposé komplett umschreiben müssen und hätte einen anderen Film machen müssen und das wollte ich aber nicht, da war ich stur und insofern musste ich den dann selber irgendwie auf die Beine stellen."

Über Startnext sammelte die Regisseurin Nana Rebhan schließlich 10.000 Euro, etwa die Hälfte des Produktions-Budgets - im Grunde ein Erfolg. Doch den Weg dahin empfand sie als überaus kräftezehrend.

"Ich war froh, dass das Crowdfunding dann vorbei war und ich mich endlich aufs Drehen konzentrieren konnte, ja. Also ja, ich will halt eigentlich Filme machen und nicht eben Management und Crowdfunding und diese Sachen machen. Und das ist ein Fulltime-Job! Also Du musst dann ... diese zwei Monate kommst Du zu quasi nichts anderem und wenn Du dann überlegst, ok, wenn ich jetzt irgendwie einen Job machen würde, keine Ahnung, ich dreh eine Werbung oder mach irgendwas und verdiene da ganz gut, dann ist es für mich fast sinnvoller, woanders besser zu verdienen und dieses Geld dann in mein Projekt zu stecken, was mir am Herzen liegt."

Tatsächlich ist es nicht damit getan, sein Projekt auf einer Crowdfunding-Plattform zu präsentieren und auf das Geld der Netzgemeinde zu warten. Um die Aufmerksamkeit des Schwarms muss man als Initiator unermüdlich werben, nicht nur in der digitalen, sondern auch in der analogen Welt, zum Beispiel durch Flyer, Gespräche oder Unterstützer-Partys.

Befürworter sehen darin einen der vielen Vorteile des Crowdfundings: Im ständigen Zwiegespräch mit den Unterstützern könne die eigene Idee noch während des Funding-Prozesses hinterfragt und verbessert werden. Die Kommunikation mit dem Schwarm ist gleichzeitig auch Marketing für das eigene Projekt.

Ideen für ein bestimmtes Klientel haben es leichter

Mittlerweile ist der Dokumentarfilm "Welcome Goodbye" von Nana Rebhan erfolgreich im Kino angelaufen. Die positiven Rückmeldungen der Zuschauer haben die Regisseurin ermuntert, auf eigene Faust noch eine Fernsehfassung zu produzieren. Kontakte zu verschiedenen Redaktionen hat sie inzwischen. Und dennoch, einen weiteren Film über Crowdfunding zu realisieren, kann sie sich schwer vorstellen. Zu mühsam sei die Kampagne verlaufen. Sie habe mit ihrem Film von Anfang an nicht polarisieren wollen, so die junge Frau - das habe es schwer gemacht. Ideen, die den Geschmack einer ganz bestimmten Klientel bedienten, haben es hingegen leichter beim Crowdfunding, ist sie überzeugt. Ebenso wie Projekte, die einen ganz bestimmten Zeitgeist träfen.

"Also es gab ja jetzt ein Beispiel mit dem Supermarkt mit den unverpackten Lebensmitteln, die ja unglaublich viel gesammelt haben, die hatten scheinbar eben eine Idee, die liegt da in der Luft und das fanden ganz viele Leute toll und das war ja, glaube ich, irgendwie echt ein bisschen selbtsläufermäßig. Und das ist schon toll, also ich bin nicht prinzipiell gegen Crowdfunding oder finde, dass das eine doofe Idee ist, aber man muss sich überlegen, was für ein Projekt man hat, ob's das bringt und ob man nicht vielleicht anders das einfacher sammeln kann."

Die Unterstützer von Nana Rebhans Dokumentarfilm erhielten als Dankeschön zum Beispiel eine DVD des Films oder ein Premierenticket. Damit entspricht Rebhans Kampagne dem sogenannten Reward-Based Crowdfunding; es fließt also kein Geld zurück an die Unterstützer. Zunehmend wichtiger aber wird das sogenannte Equity-Based Crowdfunding, auch Crowdinvesting genannt. Aus den Unterstützern werden hierbei Investoren, die Anteile an den Projekten erwerben.

Für den 90-minütigen Kinofilm "Stromberg - Der Film" macht das Team der imaginären Capitol-Versicherung einen Betriebsausflug. (picture alliance / dpa)Der Film "Stromberg" wurde per Crowdfunding finanziert. (picture alliance / dpa)Prominentes Beispiel ist der Kinofilm "Stromberg" von Arne Feldhusen, der Anfang dieses Jahres in die Kinos kam. Eine Million Euro, etwa ein Drittel der Produktionskosten, sammelten die Fans des egomanischen Bürochefs Bernd Stromberg ein. Dafür bekommen sie nun einen Anteil an den Ticketerlösen. Dem Crowdinvesting liege eine andere Motivation zugrunde als dem Crowdfunding, glaubt Anna Theil von Startnext.

"Bei einem Crowdfunding-Projekt mach ich mit, weil ich die Idee gut finde, das Dankeschön haben möchte oder den Projektinitiator dahinter spannend finde und möchte, dass diese Idee unbedingt realisiert wird. Beim Crowdinvesting geht's mir bestimmt auch um die Idee, um das Start-up, aber es geht mir auch darum, dass ich hier an möglichen Gewinnen beteiligt werde und da ist eine ganz andere Motivation, die auch mehr mit Geld zu tun hat als beim Crowdfunding."

Die Investoren tragen ein Totalverlustrisiko

Crowdinvesting scheint für alle Beteiligten attraktiv zu sein: Junge Start-up-Unternehmen erhalten von Investoren das Startkapital, das sie dringend für ihre Unternehmensgründung und die ersten Investitionen benötigen. Können sie sich erfolgreich am Markt etablieren, bekommen die Geldgeber wiederum hohe Renditen ausgezahlt. Die Internet-Plattformen, die beide Parteien zusammenbringen, verdienen ebenfalls kräftig mit: Sie verlangen bei erfolgreicher Finanzierung eine Provision von etwa fünf bis acht Prozent des eingesammelten Kapitals.

Entsprechend enthusiastisch ist die Stimmung Anfang Juni bei einer Konferenz des German Crowdfunding Networks in Berlin, auf der sich die Branche trifft. Mit dabei ist auch der Unternehmensberater Steffen Doberstein. Er hat sich auf Gründungsfinanzierungen spezialisiert und sieht in der Schwarmfinanzierung eine gute Alternative zu Bankkrediten.

"Die Frage ist ja erstens, ob das Vorhaben überhaupt eine Bank finanziert letztendlich. Das heißt, es ist eine zusätzliche Finanzierungsmöglichkeit für all diejenigen, wo der Kredit vielleicht auch gar nicht passt. Also wenn wir eine Gründung haben, ein Start-up, wo das Geschäftsmodell einfach noch relativ riskant ist, weil es noch nicht bewiesen wurde, dass es läuft, geht da keine Bank rein. Das ist auch in Ordnung so letztendlich. Da ist das Fremdkapital, also Kredit, einfach das falsche Finanzierungsinstrument. Was die Leute brauchen, ist Eigenkapital oder zumindest etwas Eigenkapital-Ähnliches."

Anders als bei einem Kredit müssen die Start-up-Unternehmen das Eigenkapital, das ihnen die Investoren gewähren, nicht zurückzahlen. Stattdessen beteiligen sie die Geldgeber am Gewinn, sobald sie schwarze Zahlen schreiben. Das bedeutet allerdings auch: Die Investoren tragen ein Totalverlustrisiko. Meldet das von ihnen geförderte Unternehmen Insolvenz an, verlieren sie ihr gesamtes Geld.

Und dabei geht es nicht mehr nur um kleine Summen. Die Anleger investieren mittlerweile im vier- bis fünfstelligen Bereich. In den vergangenen drei Jahren sammelten in Deutschland auf diese Weise rund 130 junge Unternehmen insgesamt mehr als 22 Millionen Euro ein, zählt der Blog "Für-Gründer.de" in seinem Crowdinvesting-Monitor auf, der vierteljährlich erscheint. Crowdinvesting wächst also noch stärker als Crowdfunding.

Wegen der guten Gewinnaussichten drängen immer mehr neue Crowdinvesting-Plattformen auf den Markt. Eine von ihnen ist die schwedische Plattform FundedByMe, die sich zum Jahresbeginn in einem Bürohaus am Berliner Alexanderplatz angesiedelt hat. Bei den Firmen, die die Schwarmfinanzierung nutzten, habe es in Deutschland bisher nur eine Handvoll Pleiten gegeben, rechnet Harald Schottenloher vor, Standortleiter Deutschland bei FundedByMe.

"Wobei, ehrlicherweise muss man auch sagen, das sagt nicht viel, weil das Ganze ist ja erst zweieinhalb Jahre alt. Also in der Regel, wenn man jetzt die Start-up-Geschichte betrachtet, ich bin ja auch seit zehn Jahren Berater in dem Feld, dann sieht man so nach zwei bis vier Jahren, ob eine Firma es schafft. So lang muss man schon warten. Was wiederum im Umkehrschluss heißt: Wir werden in den nächsten zwei Jahren sehr viele Pleiten haben.

Regierungskoalition hat das Thema Crowdinvesting für sich entdeckt

Inzwischen hat auch die Regierungskoalition das Thema Crowdinvesting für sich entdeckt. Derzeit arbeiten das Bundesfinanz-, Bundesjustiz- und Bundeswirtschaftsministerium an einem Maßnahmenpaket, das vor allem den Anlegerschutz bei der Schwarmfinanzierung erhöhen soll. Verbraucherschützer befürchten, dass unerfahrene Privatanleger sich von ihrer Begeisterung für eine neue Produkt-Idee hinreißen lassen und sich der hohen Risiken beim Crowdinvesting nicht vollständig bewusst sind. Auf einem Gastvortrag bei der Konferenz des German Crowdfunding Networks Anfang Juni kündigte Brigitte Zypries, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, deshalb an:

Brigitte Zypries, die Koordinatorin der Bundesregierung für Luft- und Raumfahrt  (Bundestag)Brigitte Zypries: "Wichtig, dass sich der Markt weiter entwickeln kann." (Bundestag)"Wenn es also im Crowd-Markt nicht mehr nur um Kleinstbeträge geht und die Crowd nicht mehr nur als Mäzen oder Sponsor anzusehen sind, dann sind Crowd-Investments als ein Segment des Wagniskapitalmarktes anzusehen. Und das, meine Damen und Herren, macht es dann auch schon gleich wieder schwierig in einem ordentlich durchregulierten Land wie Deutschland. Denn damit stellt sich die Frage, ob in diesem Markt die ganz normalen Anlegerschutzregelungen des Finanzmarkts gelten sollen oder ob der Markt in anderer Weise besondere Regelungen braucht."

Noch haben sich die Ministerien nicht geeinigt, wie stark sie den neuen Markt regulieren wollen. Die Start-up-Unternehmen befürchten hohe Auflagen, die die Schwarmfinanzierung für sie teuer und daher weniger attraktiv machen könnten. Zur Diskussion steht zum Beispiel, ob die Unternehmen ihre Finanzen in einem umfassenden Verkaufsprospekt offenlegen müssen. Auch die Plattform-Betreiber dürften wohl stärker in die Pflicht genommen werden. Bisher ist es ihnen überlassen, ob und wie sie die Anleger auf ein Totalverlustrisiko aufmerksam machen.

Könnte die Goldgräber-Stimmung auf dem deutschen Crowd-Markt also schon bald wieder vorbei sein? Staatssekretärin Brigitte Zypries bemüht sich, klarzustellen, dass ihr Ministerium nicht den Spielverderber geben will.

"Uns im Bundesministerium für Wirtschaft ist es natürlich ganz besonders wichtig, dass sich der Markt, der sich so aus sich heraus entwickelt hat, auch weiter entwickeln kann und in dieser Entwicklung jetzt nicht durch übertriebene Regulierung gehemmt wird oder gar abgewürgt wird."

Plattformen planen selbstverpflichtenden Verhaltenskodex

In den kommenden Tagen wollen sich die Ministerien auf einen gemeinsamen Gesetzentwurf einigen. Anschließend sollen die Branchenvertreter in die Diskussion miteinbezogen werden. Um strenge staatliche Vorschriften noch abzuwenden, arbeiten die Plattformbetreiber derzeit an einem selbstverpflichtenden Verhaltenskodex, der die Anleger schützen und die Arbeit der Plattformen transparenter machen soll.

Harald Schottenloher, Standortleiter Deutschland der Crowdinvesting-Plattform FundedByMe, ist überzeugt, dass die Anleger - langfristig gesehen - auch ohne staatliche Regulierung verantwortungsvoll handeln, wenn sie das Prinzip der Schwarmfinanzierung richtig verstehen und die Risiken einschätzen können.

"Also Crowdfunding ist neu, Crowdfunding ist kompliziert, Crowdfunding ist aber auch spannend und wir glauben, sozusagen, in ein, zwei Jahren werden die Grundprinzipien irgendwie klar sein und, ja, wir rechnen damit, dass sozusagen Hinz und Kunz, in Zukunft sich an allen möglichen Firmen mit kleinen Beträgen beteiligt. Und das, das finden wir auch gut, natürlich."

Ein winziger Betrag kann viel bewirken, als Teil einer Gemeinschaft kann jeder ein Unternehmen aus der Taufe heben, sei sein Erspartes auch noch so klein - auf diesem einfachen Grundsatz beruht die Faszination der Schwarmfinanzierung. Er lässt Unterstützer und Investoren ein hohes Risiko eingehen und er lässt Projektinitiatoren und Jung-Unternehmer die Mühen aufwendiger Kampagnen auf sich nehmen.

Anfang kommenden Jahres will die Bundesregierung die geplanten neuen Regelungen für den Crowd-Markt einführen. Wenn es ihr gelingt, Anleger vor unüberschaubaren Risiken zu schützen und gleichzeitig die Bedürfnisse von Start-up-Unternehmen zu berücksichtigen, dann werden Crowdfunding und Crowdinvesting aus der Gründerszene bald nicht mehr wegzudenken sein.

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