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StartseiteInformationen am MittagWeder bestätigt noch dementiert23.09.2016

Cyber-Angriff der BundeswehrWeder bestätigt noch dementiert

Laut einem "Spiegel"-Bericht hat die Bundeswehr erstmals einen eigenen Cyber-Angriff durchgeführt. Sie soll das Netz eines afghanischen Mobilfunkbetreibers gehackt haben, um Informationen über eine entführte Deutsche zu bekommen. Die Bundesregierung halte sich in dem Fall bedeckt, sagte Falk Steiner aus dem Hauptstadtstudio im DLF.

Falk Steiner im Gespräch mit Sarah Zerback

Hände tippen auf einer Computertastatur. (imago/STPP)
Bundeswehrhacker sollen das afghanische Mobilfunknetz geknackt haben. (imago/STPP)
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Sarah Zerback: Was sagt denn die Bundesregierung dazu?

Falk Steiner: Die sagt uns tatsächlich erst einmal fast gar nichts dazu, und das aus einem doppelten Grund: Das eine ist, dass es sich dabei natürlich um eine streng geheime Operation gehandelt haben dürfte. Zum zweiten aber auch deshalb, weil es sich um einen Entführungsfall handelt. Das heißt, wir haben an der Stelle hier nichts aus der Bundesregierung eigentlich offiziell zum konkreten Fall erfahren. Klar ist allerdings sozusagen dieses Setting. Sie haben es gerade schon beschrieben.

Es geht um einen Einsatz der Einheit Computernetzwerkoperationen im Herbst 2015, also schon fast ein Jahr her. Dieser Einsatz, der soll stattgefunden haben eben in diesem Rahmen, dass eine deutsche Entwicklungshelferin in Afghanistan, in Kabul entführt wurde und dann herausgefunden werden sollte letzten Endes, ob denn die Angaben, die die Entführer machen, ob die denn mit der Realität übereinstimmen. Die Entführer hatten sich wohl per Mobiltelefone gemeldet, und dann hat man sich schlicht und einfach in die internen Netzwerke des Mobilfunkanbieters eingehackt und dort eben die Informationen abgefischt, könnte man sagen, wo sich denn diese Mobiltelefone aufhalten und ob das sozusagen mit dem übereinstimmt, was die Entführer denn argumentieren. Das ist der Fall. Der wird allerdings auch nicht dementiert, muss man auch dazu sagen. Die Bundesregierung bestätigt ihn nicht, aber dementiert ihn halt auch nicht.

Einsatz auch innerhalb der Bundesregierung rechtlich umstritten

Zerback: Sollte sich der Fall bestätigen, dann wäre es ja wohl das erste Mal, dass die Bundeswehr eben offensiv digitale Mittel einsetzt. Darf sie das überhaupt?

Steiner: Wie so oft kommt es dann tatsächlich auf den Einzelfall an. Der "Spiegel" hat ja geschrieben, dass der Einsatz auch innerhalb der Bundesregierung rechtlich umstritten war. Der Sprecher des Verteidigungsministeriums Michael Henjes sagte heute in der Regierungspressekonferenz aber abstrakt zu derartigen Einsätzen:

"Letztendlich kommt es ja darauf an, ob das legitim ist der Einsatz oder nicht. Und das ist immer eine Einzelfrage, also eine Frage, welche Rahmenbedingungen vorherrschen. Also in welchem Mandat das erfolgt bzw. in welchen rechtlichen Rahmenbedingungen das erfolgt. Und wie auch andere Fähigkeiten, die wir haben, kann ich Ihnen versichern, dass das immer im Rahmen des gegebenen verfassungsrechtlichen Mandats, das wäre jetzt für uns ganz wesentlich, im Rahmen eines möglichen Bundestagsmandates, oder beziehungsweise im Rahmen einer möglichen völkerrechtlichen Voraussetzung geschieht."

Eine solche völkerrechtliche Voraussetzung könnte eben zum Beispiel eine Geiselbefreiung sein. Natürlich muss man sich trotzdem die Frage gefallen lassen, mit Afghanistan kooperiert man offiziell, warum man eigentlich einen afghanischen Mobilfunkprovider hackt, um an die Informationen zu kommen, statt den offiziellen Dienstweg zu gehen. Beim afghanischen Ministerium für Verteidigung anzufragen und von dort vielleicht eine Kooperation zu erwirken. Das ist natürlich schon etwas, also eine Frage, die sich die Bundeswehr auf jeden Fall gefallen lassen muss.

Zerback: Viele Fragezeichen also noch. Was wir wissen ist aber, dass die Bundeswehr derzeit ihre Kapazitäten in dem Bereich ausbaut. Heißt das denn, dass wir uns in Zukunft an derartige Meldungen gewöhnen müssen?

Steiner: Ja, das heißt es definitiv, und das eben nicht nur von deutscher Seite. Denn das Problem ist, dass die Abgrenzung nicht immer leichtfällt und die genaue Zielidentifikation im digitalen Raum, die ist keineswegs so einfach wie die Frage, wo ein Grenzstein steht und ob ich mich jetzt bereits auf der Seite eines anderen Landes befinde oder nicht. Das ist im digitalen Raum wesentlich schwieriger.

Cyberstreitkräfte der Bundeswehr werden aufgestockt

Das führt auch dazu, dass es häufig sehr schwierig ist, Akteure direkt zu identifizieren, beispielsweise Angreifer zu identifizieren und deren Lokalisation vorzunehmen, um dann gegebenenfalls Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Das ist völkerrechtlich, das ist rechtlich ein unglaublich umstrittener Bereich, in dem noch sehr viel im Fluss ist. Die Bundeswehr jedenfalls, die wird in ihren Cyberkapazitäten massiv aufgestockt. Es soll ja ein vierter Heeresteil sozusagen werden, ein vierter Teil der Bundeswehr, eben diese Cyberstreitkräfte, und das wird uns sicherlich in den nächsten Jahren noch sehr intensiv beschäftigen, was denn dort gedurft wird und was nicht.

Zerback: Bundeswehrhacker sollen das afghanische Mobilfunknetz geknackt haben. Besten Dank, Falk Steiner, aus unserem Hauptstadtstudio.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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