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StartseiteComputer und KommunikationDaddeln mit dem Smartphone20.08.2011

Daddeln mit dem Smartphone

Auf der Gamescom in Köln präsentiert sich die Computerspiele-Industrie

Spiele.- Die Branche der Computer- und Videospiele boomt. Das kann man derzeit auch in Köln sehen: auf der alljährlichen Spielemesse Gamescom. Im Interview mit Manfred Kloiber erläutert Wissenschaftsjournalist Maximilan Schönherr, in welche Richtung sich das Computerspielen entwickeln könnte.

Menschenmassen am Eingang Süd beim Einlass zur Gamescom 2011. (Gamescom)
Menschenmassen am Eingang Süd beim Einlass zur Gamescom 2011. (Gamescom)

Manfred Kloiber: Wenn eine Messe Barometer für eine Wirtschaftsbranche ist, dann kann man aus der Entwicklung der Gamescom in Köln und Ihrer Vorgängermesse Games Convention in Leipzig eines sicher herauslesen: Die Branche boomt - und zwar wie verrückt. Und als ziemlich verrückt kann man auch das aktuelle Treiben in den Kölner Messehallen bezeichnen. Denn da ist es nicht nur ultimativ laut, sondern auch voll und vermutlich sehr heiß. Die Gamescom ist angeblich schon die größte Messe für Computerspiele weltweit. Maximilian Schönherr, da kann die Stimmung eigentlich nur gut sein, oder?

Maximilan Schönherr: Die Stimmung ist wunderbar. Die Schlangen sind so groß, dass keiner mehr rein kann. Wer hätte gedacht, dass diese ehemals kleine Nische von Verrückten inzwischen zwei Milliarden Euro jährlich umsetzt? Und das mit relativ wenig Personal, 275 Firmen mit 10.000 Angestellten. Manche sagen hier, dass die Spielekonsolen, also Computer, die nur fürs Spielen gemacht sind, bald eine Ende haben werden. Die Entwicklungszyklen sind für diese Geräte mit sieben Jahren zu lang. Denn bei den Smartphones sind die Entwicklungszyklen typischer Weise eineinhalb Jahre. Das Spielen auf diesen Geräten ist das, was eigentlich boomt.

Kloiber: Bei den Mobiltelefonen gibt es ja im Wesentlichen vier Betriebssysteme: Android, iOS, Symbian und Windows 7 mobile. Welche Trends konnten Sie hier sehen?

Schönherr: Der Trend ist eindeutig: Windows 7 mobile wird zwar gelobt, unter anderem, weil es den Herstellern der Telefone harte technische Vorgaben stellt, aber es spielt nur eine kleine Rolle. Symbian ist zu alt und befindet sich auf dem Rückzug. Apples iPhones und iPads mit iOS als Betriebssystem verkaufen sich bestens, aber Googles Android holt insbesondere in den USA kräftig auf; weil es auf viel mehr Geräten läuft und kein abgeschlossenes Universum wie das von Apple darstellt, ist Android mit knapp 50 Prozent Überdeckung jetzt Spitzenreiter. Das bedeutet, jedes zweite Handy, was wir uns neu kaufen, ist mit Android bestückt.

Kloiber: Wie die Spielebranche funktioniert, wie Geld verdient wird – vor allen Dingen mit mobilen Plattformen, da reden wir gleich weiter drüber, über die Gamescom in Köln. Doch zunächst werfen wir einen Blick auf den konkreten Fall einer Firma, die auf diesen Trend, den Maximilian Schönherr gerade beschrieben hat, aufspringen will und deswegen ein auf Apple iOS gut laufendes Spiel für Android umprogrammiert hat.

Sprecherin:

Beim Game Developers Kongress im Vorfeld der Gamescom erhielt der Vortrag von Marc Hehmeyer große Aufmerksamkeit, weil er den Titel trug: "From iOS to Android". Hehmeyer ist Technikchef der Hamburger Spielefirma Fishlabs und leitete die Portierung des 3D-Action-Spiels "Galaxy on Fire". Weil das Spiel grafisch anspruchsvoller als viele andere Handyspiele ist, finanzierte der Grafikkartenhersteller Nvidia einen Teil dieser Umprogrammierung. Der Nvidia-Grafikchip Tegra 2 läuft in aktuellen Android-Handys.

Die Portierung gestaltete sich schwierig. Allein die Grafik auf den vielen verschiedenen Android-Geräten vernünftig darzustellen, kostete die Hamburger Spieleprogrammierer fünf Mitarbeiterjahre Arbeit. Als das Spiel dann fertig war, funktionierte aufgrund eines Datenübertragungsproblems die Bereitstellung und Abrechnung im Android-App-Store nicht. Marc Hehmeyer:

"Wir haben halt generell mit Google natürlich Probleme, weil Google es noch nicht versteht, die Plattform so attraktiv oder so robust zu machen, dass ein Developer wie wir, die eigentlich Premium-Content liefern und dementsprechend einen Pay per Download – also man muss halt einmal bezahlen und lädt das Spiel dann herunter –, dass das Ekosystem funktioniert."

Pay per Download, also einmal bezahlen, immer spielen – das wäre das Geschäftsmodell für den Hersteller eines anspruchsvoll programmierten Spiels. Als das mit "Galaxy on Fire" nicht funktionierte, legte man der Firma nah, das Spiel kostenlos zur Verfügung zu stellen und den Kunden innerhalb des Spiels die Vollversion freizuschalten. Dieses Bezahlmodell heißt "In-App-Purchase". Auch das ging nicht glatt über die Bühne:

"Wenn einmal dieser In-App-Purchase-Vorgang abgebrochen worden ist, sei es durch eine falsche Kreditkarteninformation oder dass die Kommunikation gestoppt ist, konnte dieser User nie wieder dieses Spiel kaufen. Im Gegenteil, er wurde sogar drei- bis viermal dafür gecharged, musste also zahlen. Und wir haben dann natürlich die Haue bekommen, weil natürlich der erste Ansprechpunkt der Developer ist."

Google behob das Problem, nachdem bei Fishlabs die Hotlines heiß gelaufen waren - mit einem kleinen Android-Update. Und Google entschuldigte sich für eventuell entstandene Unannehmlichkeiten und dankte für das Verständnis.

Noch etwas anderes lernte der Informatiker Marc Hehmeyer, womit viele Hersteller mobiler Apps auf der Gamescom zu kämpfen haben: Auf Android tummeln sich über 90 Prozent Raubkopien seines Spiels, während es bei Apple "nur" rund 50 Prozent sind. Wegen der Größe des Android-Markts rechnet sich die Portierung aber nun doch.

Links zum Thema:

Kleine Spiele, großes Geld (Umwelt und Verbraucher vom 18. August 2011)

Der Sensor im Wohnzimmer (Forschung aktuell vom 17. August 2011)

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