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StartseiteKommentare und Themen der WocheNote: unbefriedigend01.09.2017

DAK-Studie zu SchulstressNote: unbefriedigend

Was tun gegen Schulstress? Die DAK-Studie "Präventionsradar" will hier Antworten liefern. Doch aus dem Umfrage-Allerlei ließen sich kaum Schlüsse ziehen, meint Daniela Siebert. Dass Kinder frühstücken und sich bewegen sollten, sei altbekannt.

Von Daniela Siebert

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Ein Schulkind steht vor einer an der Wand aufgehängten Zahlenreihe und rauft sich die Haare. (picture alliance / ZB)
Ein Schulkind steht vor einer an der Wand aufgehängten Zahlenreihe und rauft sich die Haare. (picture alliance / ZB)
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"Thema verfehlt" würden Lehrer der DAK unter ihre Untersuchung schreiben. Denn sie wirbt mit einer Untersuchung zum Thema Schulstress, bietet de facto aber ein Umfrageallerlei, das man ziemlich beliebig interpretieren kann. Und das tut sie auch.

Schulstress führe zu Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen meldet die Krankenkasse beispielsweise. Einen Kausalzusammenhang kann sie dafür aber nicht benennen. Rückenschmerzen beispielsweise können auch durch mangelnde Bewegung, unpassende Sitzmöbel oder schlechte Haltung – etwa beim Daddeln auf dem Handy hervorgerufen werden. Solche Differenzierungen leistet der "Präventionsradar" aber nicht.

Aus den vielen Daten rund um ihren Alltag, die die DAK bei den knapp 7000 Schülerinnen und Schülern im Alter zwischen zehn und 18 abgefragt hat, leitet sie die Forderung ab, Ernährung und Gesundheit sollten Schulfach werden. Das ist ein alter Wunsch, der hier mit einem neuen Marketinginstrument nochmal frisch präsentiert wird. So wissenschaftlich wie sich die DAK-Untersuchung dafür gibt, ist sie leider nicht. Denn sie hat wesentliche Fragen ausgelassen und falsche Schlüsse gezogen.

Wichtige Frage vergessen: Stresst das Express-Abitur? 

Wenn Schüler durch die Schule gestresst werden, dann gilt das für diejenigen umso mehr, die nun schon nach 12 Jahren Abitur machen und nicht erst nach 13 Jahren wie es früher Standard war und an manchen Schulen heute noch oder wieder ist. Deshalb wäre es besonders wichtig und interessant gewesen, zu analysieren wie sich der Stresspegel und der Gesundheitszustand bei den Express-Schülern von den anderen Abiturienten unterscheiden. Diese Frage hat die DAK aber gar nicht gestellt.

Wenn Schüler durch die Schule gestresst werden, dann wäre es interessant gewesen zu sehen, welche Auswirkungen da die unterschiedliche Schulpolitik der Bundesländer hat. Die DAK hat zwar in sechs verschiedenen Bundesländern gefragt, nennenswerte Unterschiede konnte sie aber nicht herausfiltern.

Zusammenhänge mit der Schulpolitik bleiben offen

Wenn Schüler durch die Schule gestresst werden, dann hat das auch mit der flächendeckenden Missachtung von wissenschaftlichen Erkenntnissen zu tun. Denn Kinder und Jugendliche sind von Natur aus meist sogenannte "Eulen". Das heißt, sie sind in der zweiten Tageshälfte sehr viel aufnahmefähiger und leistungsbereiter als in der ersten, in der sich nur die "Lerchen" wohlfühlen. Schulbeginn um acht ist daher eigentlich dumm. Darauf weisen Chronobiologen schon seit langem hin. Doch an der Praxis wird festgehalten. Aus Tradition. Aus Rücksicht auf den Arbeitsmarkt. Aus Ignoranz. Auch solche Aspekte hätte man bei einer so umfangreichen Befragung sinnvollerweise einfließen lassen sollen.

Anstatt solch wichtige Aspekte zu beleuchten, wirft die DAK ihr Schlaglicht öffentlichkeitswirksam auf Altbekanntes: Kinder die nicht frühstücken, Kinder die die falschen Dinge essen und trinken, Kinder die sich zu wenig bewegen. Die Rolle, die die Eltern und die Gesellschaft dabei spielen beleuchtet sie nicht. Dass Schönheitswahn, Leistungsdruck, ständige Partizipation in digitalen Foren, Mobbing und Zeitdruck inzwischen zum Alltag von Kindern und Jugendlichen gehören blendet die DAK aus.

Zum DAK "Präventionsradar 2017" kann man daher nur sagen: unbefriedigend.

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