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StartseiteUmwelt und VerbraucherDamit der Indri weitersingt06.12.2004

Damit der Indri weitersingt

Mehr Naturschutz für Madagaskar

<strong>Madagaskar ist die viertgrößte Insel der Erde und noch ist sie ein einzigartiges Refugium für zahlreiche Tiere und Pflanzen, die es sonst nirgendwo auf der Welt gibt: zum Beispiel für die Indris, eine Halbaffenart. Einst war die Insel komplett mit Regenwald bedeckt. Davon sind heute nur noch weniger als 20 Prozent übrig. Denn die Madagassen brennen den Wald nieder, um neue Ackerflächen zu erschließen. Außerdem ist Holzkohle ein wichtiger Energieträger. Soll der Wald geschützt werden und mit ihm die Indris, braucht Madagaskar andere Energiequellen, zum Beispiel aus Sonne oder Wind. In der Hauptstadt Antananarivo informiert ab heute eine Konferenz über das Potenzial Erneuerbarer Energien auf der südostafrikanischen Insel und neue Naturschutzkonzepte. </strong>

Von Nadine Querfurth

Solarthermisches Kraftwerk (DLR)
Solarthermisches Kraftwerk (DLR)

Der Indri ist eine Mischung aus einem Teddybären und einem langbeinigen Gespenstertier. Zum einen ist er unheimlich wollig und dann hat er unglaublich lange Gliedmaßen, vor allem lange Beine. Also, ein ganz eigenartiges Tier, das von Baum zu Baum springt. Sie springen rückwärts und dann mit so riesigen Sprüngen. Diese Füße und langen Beine sind etwas, was einen anrührt, als könnte es dieses Tier auf der Welt gar nicht geben.

Professor Carsten Niemitz, Humanbiologe an der Freien Universität Berlin, ist beeindruckt von den Indris. Diese schwarz-weißen Tiere gehören zu den Halbaffen, und leben ausschließlich auf der Insel Madagaskar im indischen Ozean. Nicht nur das Aussehen, sondern auch der betörende Gesang machen die Indris zu besonderen Bewohnern des Waldes.

Gerade im Regenwald sind laute Rufe außerordentlich wichtig, denn das dichte Blattwerk und die hohe Luftfeuchtigkeit dämpfen den Schall. Indris grenzen sich durch ihren Gesang von Nachbargruppen ab. Duette zwischen Männchen und Weibchen stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb einer Familie.

Bald könnte der Gesang der Indris verstummen, denn die Tiere sind stark gefährdet. Nur noch rund 1000 Individuen leben in einem schmalen Regenwaldgebiet an der Ostküste Madagaskars. Brandrodung zerstört ihren Lebensraum und lässt Wälder schwinden. Die Situation ist brenzlig und selbst Zoos bieten keine Möglichkeit, kleine Populationen zu erhalten. Bisher hat kein Indri in Gefangenschaft überlebt. Vermutlich weil sie eine spezielle Blattnahrung aus 70 verschiedene Arten brauchen.

Der letzte Rettungsanker für die Indris sind Maßnahmen direkt vor Ort, auf Madagaskar. Selbst engagierte Naturschutzorganisationen hatten bis jetzt keinen Erfolg, denn die Madagassen selber jagen und essen die Indris. Ihnen ist die Einzigartigkeit der Tiere nicht bewusst und sie brandroden weiterhin die Wälder, um zu überleben. Neue Konzepte sind dringend notwendig. Vor allem solche, die sich nicht nur auf Verbote beschränken, sondern den Menschen Alternativen und ein Mitspracherecht bieten.

Genau dies versucht ein neues Projekt, an dem Professor Jörg Ganzhorn als Zoologe der Universität Hamburg beteiligt ist. Die Initiative kam tatsächlich von Seiten der Bergbauindustrie, die titanhaltige Sande über Tage fördern will. Jörg Ganzhorn dokumentiert in dem Bergbaugebiet, welche Tiere und Pflanzen dort aktuell leben. So erfasst er die Artenvielfalt und definiert einen wünschenswerten Soll-Zustand nach Ablauf des Projektes. Der Vergleich soll folgendes Ergebnis zeigen:

Ziel dieses Projektes ist es, in diesem Gebiet die gesamte Biodiversität zu erhalten auch während und nach dem Bergbau, dass in diese ganzen Projekte gleich von Beginn an die lokale Bevölkerung mitintegriert ist, so dass sie Mitspracherecht hat, was sie denn eigentlich möchte. Das ist ein Ansatz, wo regional und lokal mit den Leuten direkt die Planung betrieben wird. Wirtschaftliche Entwicklung unter Garantie oder Beibehalt der dortigen Biodiversität ist im Moment in der Form für Länder wie Madagaskar beinahe einmalig.

Die Integration der Bevölkerung ist der erste Schritt in die richtige Richtung. Zumindest haben die Beteiligten in diesem Projekt erkannt, dass effektiver Naturschutz nur dann funktionieren kann, wenn er mit wirtschaftlicher Entwicklung einhergeht. Genauso entscheidend aber ist die politische Unterstützung. Auch der madagassische Präsident hat erkannt, wie wichtig es für den Fortbestand der Halbaffen ist, sich zu engagieren. Er schlägt einen neuen politischen Kurs ein. Jörg Ganzhorn.

Marc Ravolomananana, der neue Präsident von Madagaskar, hat beim World Park Kongress in Johannesburg verkündet, dass er die Flächen der madagassischen Schutzgebiete verdreifachen möchte. Er tut es in einer sehr vorsichtigen und bedachten Weise. Man hat wirklich den Eindruck, dass heute die politischen Rahmenbedingungen so sind, dass man in Madagaskar effizient und hoffentlich langfristig Naturschutz betreiben kann.

So scheinen die ersten Grundlagen für diese neue Form des Naturschutzes gelegt zu sein. Es ist dringlich, denn Madagaskar ist gewissermaßen eine Arche Noah der Artenvielfalt.

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