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StartseiteKommentare und Themen der WocheEine wichtige Botschaft an die Unterwelt im Internet07.07.2017

Darknet-Kinderpornoring zerschlagenEine wichtige Botschaft an die Unterwelt im Internet

Die Zerschlagung eines internationalen Kinderpornorings sei ein wichtiges Zeichen an den dunklen Teil des Internets, kommentiert Ludger Fittkau im Dlf. Den Sonderermittlern, die tagtäglich das sogenannte "Darknet" durchforsten, müsse man sehr dankbar sein. Sie würden ihr eigenes Seelenheil riskieren.

Von Ludger Fittkau

(imago/photothek)
Das sogenannte "Darknet" sei schon seit langem ein Tummelplatz für Menschen, die Kinderpornografie konsumierten, meint Ludger Fittkau. (imago/photothek)
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Es klingt so technisch: Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität. Dahinter stecken aber Menschen aus Fleisch und Blut, denen wir unendlich dankbar sein müssen. Die hessischen Staatsanwälte und die Wiesbadener BKA-Beamten, die tagtäglich das Internet durchforsten, um Kinderpornografie aufzuspüren und die Täter dingfest zu machen, riskieren ihr eigenes Seelenheil, um monströse Verbrechen zu verfolgen.

Denn die Details, die von den Ermittlern heute über den von Hessen aus gesteuerten Kinderpornoring im sogenannten "Darknet" mitgeteilt wurden, verschlagen einem den Atem: Menschen, die ihre eigenen Kinder für Vergewaltigungen anbieten. Annähernd 90.000 Menschen - sicher fast ausschließlich Männer - in der ganzen Welt, die Lustgewinn dadurch erzielen, dass sie sich Fotos und Videos von Gewalthandlungen an den verletzlichsten Mitgliedern der Gesellschaft beschaffen - an Kleinkindern.

Darknet als Tummelplatz Kinderpornografie-Konsumenten

Sicher - brutale Gewalt an Frauen oder Zwangsprostitution sind schon lange Teil einer patriarchalen Gesellschaftsstruktur. Männer, die glauben, Sexualität durch Faustrecht erzwingen zu können, gehören seit Menschengedenken zu den abgründigen Seiten unseres Daseins. Auch Pädophilie ist ein altbekanntes Phänomen. Dennoch dürfen wir uns an verbrecherische Ausbeutung und Verletzung der Körper und Seelen schwächerer Menschen niemals gewöhnen - auch nicht im Internetzeitalter!

Das sogenannte Darknet ist schon seit langem ein Tummelplatz für Menschen, die Kinderpornografie konsumieren. Offenbar glauben die Täter weltweit, sie seien hier sicher, weil der Zugang zu diesem dunklen Teil des Internets verschlüsselt ist. Umso wichtiger ist es, dass es schon seit Jahren Sonderermittler wie die Gießener "Zentralstelle für Internetkriminalität" gibt, die sich an die Tatorte der computergestützten Sonderwelten begeben. Der aktuelle Ermittlungserfolg mit zunächst 14 Festnahmen, denen noch viele weitere folgen können, zeigt: Die mühselige und psychisch schwer belastende Arbeit der Staatsanwälte und BKA-Beamten ist nicht vergeblich.

"Dafür müssen wir sehr dankbar sein"

Doch unsere Gesellschaft mutet den staatlichen Monsterjägern in der digitalen Unterwelt verdammt viel zu. Auch die Ermittler sind Familienväter, haben bisweilen eigene, oft noch kleine Kinder. Man kann nur hoffen, dass sie trotz Grauens, auf das sie tagtäglich stoßen, seelisch einigermaßen gesund bleiben.

Der aktuelle Fahndungserfolg gegen den internationalen Kinderpornoring ist jedoch eine wichtige Botschaft an die Unterwelt im Internet. Ein Schritt dahin, dass sich die monströsen Täter weltweit künftig ein wenig unsicherer sein werden, wenn sie sich an Kinderporno-Plattformen beteiligen. Damit wird sexuelle Gewalt gegen Kinder nicht aus der Welt geschafft. Aber die mutigen Sonderermittler sind den besonders perfiden Verbrechern im Netz dicht auf den Versen. Dafür müssen wir sehr, sehr dankbar sein!

Ludger Fittkau –  (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Ludger Fittkau (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Ludger Fittkau, geboren 1959 in Essen, studierte Sozialpädagogik sowie Sozialwissenschaften an den Universitäten Duisburg/Essen und der Fernuniversität Hagen. Promotion dort im Fach Soziologie. Nach rund zehn Jahren offener Jugendarbeit sowie Medienpädagogik in Oberhausen und Essen Wechsel in den freien Journalismus. Tätig u.a. für den WDR (Hörfunk und Fernsehen), den DLF sowie für die Kölner TV-Produktionsfirma "probono" von Friedrich Küppersbusch. Ab 2007 freier Redakteur und Autor in der Landeskulturredaktion von SWR 2 in Mainz. Seit 2009 Landeskorrespondent von Deutschlandradio - zunächst in Rheinland-Pfalz und aktuell in Hessen.

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