Samstag, 18.11.2017
StartseiteComputer und KommunikationDas dritte Date24.06.2017

Das Digitale LogbuchDas dritte Date

Das Frauen gelegentlich eine Links-rechts-Schwäche haben, ist bekannt. Aber Google Maps? Gerüchten zufolge sollen sogar schon Beziehungen an der eigentlichen Navigationshilfe gescheitert sein. So wie die von Jenny und Hannes.

Von Maximilian Schönherr

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(Google Maps)
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Es war das dritte Date von Jenny und Hannes. Und ihr erster Streit. Die beiden hatten beim zweiten Date, welches nach einigen Irritationen gegen Mitternacht dann doch ein gutes Ende fand und mit einem sehr späten Frühstück und Zeitunglesen ausklang, in eben dieser Zeitung von einem Pub gelesen, der in der Nähe des Südbahnhofs aufgemacht hatte. Den nahmen sie sich für ihr drittes Date vor. Denn im Blue Goat gab es selbst gebrautes Pale Ale vom Fass. Wow, hatte er gesagt, Pale Ale. Und sie: Supi, vom Fass!

Um 18.00 Uhr trafen sie sich vorm Südbahnhof, bemerkenswerterweise beide auf die Minute pünktlich; wenn das nichts über ihre strahlende gemeinsame Zukunft aussagte! Sie küssten sich mit weichen Mündern und brachen dann in liebevoller Umarmung Richtung dem Pub auf. Eine Minute oder 100 Meter später teilte sich die Straße in rechts und links, und wie selbstverständlich zog es Jenny nach rechts und Hannes nach links.

Weil keiner von beiden das Ziehen des anderen kannte, zogen sie sanft, sie vielleicht etwas bestimmter als er. Das Arm-in-Arm-Gehen löste sich wie von selbst, weil die Hände in die Hosentaschen griffen, um die Smartphones herauszuholen und Google Maps aufzurufen. Jenny ging zwei Schritte vor, drei zurück und vermeldete: "Klar geht's rechts zum Blue Goat". Steckte ihr Gerät wieder weg und zog Hannes beherzt in ihre Richtung. Hannes empfand das als übergriffig, wollte das Wort aber nicht so früh in die Beziehung fallen lassen. Stattdessen sagte er durchaus bestimmt, dass sein Google eindeutig nach links zeige. Worauf sie schnippisch erwiderte, ob seit neuestem jeder sein persönliches Google Maps hätte?

Damit war die Stimmung auf einem Tiefpunkt, und jeder ging seinen Weg, ohne sich nach dem anderen umzudrehen.

Einige Bier später

Als neutraler Beobachter kann ich sagen: Tatsächlich blickte sich keiner von beiden um. Aber ziemlich zeitgleich liefen beide von verschiedenen Seiten in den Pub ein. Und nach zwei frisch gezapften Home Brewed Pale Ales lachten beide herzlich über die "voll bescheuerten Google Maps", die schon frühere Beziehungen hätten scheitern lassen.

Sicherheitshalber ließen sie sich von einem Uber-Taxi nach Hause fahren – zu ihm oder zu ihr, das darf ich aus Datenschutzgründen leider nicht bekannt geben.

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