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Seit 17:00 Uhr Nachrichten
StartseiteComputer und KommunikationDas Digitale Logbuch: Der Geist von Pacman26.08.2006

Das Digitale Logbuch: Der Geist von Pacman

<strong>Jedes Leben endet mit dem Tod. Und dann beginnt das nächste Leben. Das war schon bei Pacman so, 1980. Pacman, eine gelbe Pille, die sich durch ein Labyrinth aus Pünktchen frisst. Läuft Pacman einem der vier bösen Geister (Blinky, Pinky, Inky oder Clyde) über den Weg, stirbt er und verschwindet. Sogleich erscheint die nächste Pille am Startpunkt, und das Leben geht wieder weiter.</strong>

Von Maximilian Schönherr

Leben und Sterben im Rechner: Vergnügliche Do-it-yourself-Soap-Opera "Die Sims 2". (electronic-arts.de)
Leben und Sterben im Rechner: Vergnügliche Do-it-yourself-Soap-Opera "Die Sims 2". (electronic-arts.de)

Es herrscht Übereinstimmung darüber, dass das tatsächlich ein anderer, neuer, unverbrauchter Pacman ist, der sich ab sofort durch das Labyrinth frisst. Es ist jedoch ungeklärt, ob nicht der tote Pacman als schwarzer Pixelhaufen unbemerkt im Schwarz weiterlebt und vielleicht sogar herumgeistert und frisst. Das war 1980. Und nun zum Jahr 2006: Die Sims, Open For Business. Die Sims sind dreidimensional dargestellte und animierte Menschenwesen, die man als Spieler zunächst erbrütet, dann füttert, einkleidet, zur Schule und zur Arbeit schickt. Sims können sich verlieben, küssen, allein oder gemeinsam ins Bett gehen und Kinder zeugen. Zwei Kinder übrigens mit dem Cheat "Forcetwins". Sims gehen sich Duschen, kochen was, fahren in Urlaub, als Spieler lernt man sie lieben und hassen – und über all dem werden wir alle alt und sterben.

Wenn ein Sims-Wesen stirbt, löst es sich auf und wird zum Grabstein oder, beim Tod in der Wohnung, zur Urne. Damit ist jedoch nicht genug gestorben, beerdigt und begraben. Die Sims tauchen – etwas umgefärbt – wieder auf, nämlich als Geister, meist nachmittags, und stellen dann allerlei Mist an: Sie schalten den Staubsauger ein, lassen Wasser in die Badewanne einlaufen, erschrecken lebendige Sims, gelegentlich erschrecken sie sie sogar zu Tode. Zu Tode erschreckte Sims nehmen als Geister eine pinke Farbe an. Vergiftete Sims werden grün, verhungerte durchsichtig, Sims, die an Altersschwäche sterben, laufen als weiße Gespenster herum.

Das Geisterleben hat kein Ende, und wenn wir uns so durch die Simssche Geisterwelt klicken, merken wir gar nicht, dass wir selbst alt werden. Da hilft nicht einmal ein Neustart. Formatieren der Festplatte könnte helfen, ist aber ungewiss. Buddha sagte:

Dem Geborenen ist der Tod gewiss,
gewiss ist die Geburt dem Sterbenden.

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