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Seit 09:30 Uhr Nachrichten
StartseiteComputer und KommunikationDas Digitale Logbuch: E-Government in der Krise19.01.2008

Das Digitale Logbuch: E-Government in der Krise

<strong>Computer erfüllen viele Träume: Singles finden damit einen Partner, Musiker nehmen mit dem PC im Schlafzimmer ihren ersten Hit auf – und Politiker machen mit Computern E-Government. Das Wort klingt inzwischen ein bisschen veraltet, aber für viele politische Vordenker gilt das E-Government noch immer als eine Art bürokratische Killer-Application: Bürger, Politiker und Behörden vernetzen – und Kommunikation auf diese Weise vereinfachen.</strong>

Von Tobias Armbrüster

Sechs im Datenschutz: In England gingen gleich mehrfach Bürgerdaten verloren. (Stock.XCHNG / Viajero Viajero)
Sechs im Datenschutz: In England gingen gleich mehrfach Bürgerdaten verloren. (Stock.XCHNG / Viajero Viajero)

In Großbritannien fragen sich allerdings immer mehr Menschen, ob man mit Computern auf Beamten-Schreibtischen nicht möglicherweise eine Katastrophe programmiert hat. Angefangen hat es vor einigen Wochen mit dem zähneknirschenden Eingeständnis des britischen Finanzministers, dass zwei CDs mit Konto- und Adress-Daten von 25 Millionen Briten spurlos verschwunden sind. Wenig später wurde bekannt, dass britische Behörden auch vertrauliche Angaben von drei Millionen Führerschein-Neulingen verloren haben, sowie mehrere Datenträger mit sehr privaten Angaben über 200.000 Patienten. Der oberste britische Datenschützer sagt, in seinem Büro würden sich inzwischen Amtsleiter die Klinke in die Hand geben, um ständig neue Daten-Pannen zu beichten.

Das britische Beispiel zeigt sehr schön, dass viele Beamte, ähnlich wie Millionen von PC-Usern zuhause, nicht die leiseste Ahnung davon haben, wie man vertrauliche Informationen auf einem PC sicher schützt. Diese Daten-Pannen könnten aber auch das Ende für die E-Government-Vision bedeuten. Denn die Idee Bürger und Beamte elektronisch zu vernetzen und gleichzeitig darauf zu hoffen, dass vertrauliche Informationen trotzdem vertraulich bleiben, diese Idee war möglicherweise eine Illusion. Wenn Zehntausende von Mitarbeitern einer Behörde die Bankverbindung eines Bürgers auf ihren Bildschirm holen, kopieren und verschicken können - dann kann man diese Information eigentlich auch gleich offen ins Internet stellen oder als Doppel-CD in jeden Haushalt schicken – denn irgendeiner der zehntausend wird früher oder später sowieso einen Fehler machen und an falscher Stelle die Enter-Taste drücken.

In einer idealen Welt würden Politiker und Behörden ihre Finger lassen von riesigen elektronischen Datensammlungen - stattdessen würden sie zurückkehren zu alten Leitz-Ordnern und Kohle-Durchschlägen. Denn Computer können sicher viele Aufgaben erfüllen – aber das Geheimhalten von vertraulichen Informationen gehört leider nicht dazu.

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