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StartseiteComputer und KommunikationDas Digitale Logbuch: Ich spiele, also bin ich25.08.2007

Das Digitale Logbuch: Ich spiele, also bin ich

<strong>Ich spiele, also bin ich. Spielen reinigt die Seele, und wenn ich mit anderen zusammen spiele, genau genommen: gegen sie, kommt bei den Seelen die Sau raus. Was haben wir schon bei Dame und Siedler gelacht, und uns beim vernetzten Tetris-Spielen mit zwei Gameboys gegenseitig verprügelt.</strong>

Von Maximilian Schönherr

Im Spiel zeigen wir manchmal unser wahres Ich. (Stock.XCHNG / Carsten Müller)
Im Spiel zeigen wir manchmal unser wahres Ich. (Stock.XCHNG / Carsten Müller)

Die richtig großen Spiele wie Schach und Go sind Tausende von Jahren alte Simulationen realer menschlicher Vorlieben, Raffgier, Macht, Krieg. Bei Schach gilt es, sich das Brett, sprich: die Welt untertan zu machen, indem man den feindlichen König köpft und auf dem Weg dahin die dummen Bauern verheizt.

Alle großen Spiele gibt es inzwischen als Software, selbstverständlich auch das Hochstapler-Kartenspiel Poker und die Hedgefont-Heuschrecken-Simulation Monopoly. Aber einige grandiose Spiele entstammen keinem realen Zuhause – sie entspringen der Wirklichkeit des Bildschirms. Tetris und Pacman etwa. Es gibt keine Kriegstaktik, bei der man unter Zeitdruck Förmchen zusammensetzen muss, dass sie auch schön passen, und keinen Monopolkapitalismus, wo der Ausbeuter in einem Labyrinth umherirrt, Pillen frisst und von Monstern verfolgt wird. Höchstens im Traum.

Allerdings haben Pacman und Tetris jetzt sozusagen durch die Hintertür ihren Niederschlag in der realen großen weiten Welt bekommen, nämlich im japanischen Fernsehen. In einer Comedy Show sieht man Tetris-artige Styroporblöcke auf die Spieler zukommen, und wenn sie nicht damit richtig umgehen, fallen sie ins Wasser. Bei der Pacman-Comedy sieht man das Labyrinth, etwa Handballspielfeld-groß von oben, und ein Spieler läuft mit einer Art schnappendem gelben Doppelkissen vorm Bauch aufgeregt durch die Gänge.

Ach ja: Go und Schach. Schachprogramme schlagen inzwischen 99 Prozent aller Spieler und immer häufiger auch die Weltmeister. Go dagegen, erfunden vor 4200 Jahren von einem chinesischen Kaiser zur Erleuchtung seines Sohns, gespielt heute von etwa 100 Millionen Menschen weltweit, knackt kein Computer. Die stärkste Go-Software spielt auf dem Niveau eines Anfängers. Und das, obwohl das Spiel nur drei einfache Regeln hat, und seine Steine aus Muscheln und Schiefer bestehen. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass Go ein Spiel der Anmut und des Ausgleichs ist, der Überheblichkeit, Tücke und Nachsicht. Anmut und Nachsicht, das sind Dinge, die in keinen Haufen von Nullen und Einsen Platz haben.

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