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StartseiteComputer und KommunikationDas Digitale Logbuch: Klicken29.01.2005

Das Digitale Logbuch: Klicken

Wer seinen Computer einmal am Tag nutzt, um eine einzige Email zu schreiben, muss dazu etwa zehn Klicks vollführen. Der normale Büroalltag von neun bis fünf dürfte locker auf einige Tausend Klicks kommen. Die Klicks einer typischen LAN-Party-Nacht von Computerspielern überschreiten schon nach wenigen Stunden die Millionengrenze. Im World Wide Web gehört der Klick zu den am häufigsten auftretenden Wörtern überhaupt – er kommt etwa eine halbe Milliarde mal vor. Das Wort Klick hat keinen verwinkelten Ursprung im Lateinischen oder Sanskrit, sondern ist eine lautmalerische Beschreibung eines hellen, kurzen Tons, eigentlich eines Un-Tons, eines Klicks eben.

Von Maximilian Schönherr

Die Amerikaner meinen ja, mit der Macintosh- oder Windows-Maus von 1984 das Klicken erfunden zu haben. Aber beispielsweise kennen die Engländer den Klick schon 400 Jahre länger. Die vermutlich älteste gedruckte Niederschrift von Klick findet sich in Martin Luthers Ablass-Sermon von 1518, einem Bestseller zu seiner Zeit, in dem er über die Päpstlichen Steuern meckert. Der Klick ist hier der schnell und spitz dahingesprengte Klecks, nämlich der Tintenklecks, mit dem die papsttreuen Theologen wertvolles Papier verschandeln: "die da wollen von dem reichen groszen ablas und gewalt des höchsten römischen bischofs darüber so viel papirs und bücher vol klicken."

Durch die inflationäre Verbreitung von Computermäusen hat das alte lautmalerische Wort Klick seinen guten Ruf verloren. Wenn ein Radiomoderator heute sagt, surfen Sie auf unsere Seite und "klicken Sie sich dann zu unserer Sendung durch", klingt das lustig, weil klick so lustig klingt, aber es ist natürlich ein Armutszeugnis, es bedeutet nichts anderes als, dass die Internetseite des Senders gründlich misslungen ist, denn Durch-Klicken bedeutet: herumkramen, wo man gar nicht kramen will, suchen, wo man eigentlich finden will, und da tut jeder einzelne Klick richtig weh. Nein, dem Klick geht es nicht gut. Vielklicker langweilen, und Schnellklicker gelten als notgeil. Wobei geil natürlich ein schönes altes Wort ist: lustig, fröhlich, und ist verwandt mit galant.

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