Montag, 11.12.2017

Das Digitale LogbuchLicht an

Die Wohnung schon einmal vorheizen, wenn man im Winter auf dem Heimweg ist, der Kühlschrank bestellt schon einmal nach, wenn die Vorräte zuneige gehen und per Kamera kann man gucken, was das Haustier zuhause treibt: Smart Home ist ein praktische Sache - hat aber auch Nachteile.

Von Maximilian Schönherr

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Smart home - im "Schlauen Zuhause" wird nahezu alles gesteuert über einen Computer (picture alliance / dpa / Uli Deck)
Smart home - im "Schlauen Zuhause" wird nahezu alles gesteuert über einen Computer (picture alliance / dpa / Uli Deck)
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Smart Home Das Wohnen der Zukunft

Damals, im Juli 2020, wurde auf einmal alles hell. Mitten in der Nacht. In Millionen von Wohnungen, in Stadt und Land, auf Bergen und in sehr sehr dunklen Tälern, gingen sämtliche Lichter an. War das Ende der Welt gekommen? Fegten da posaunende Engel auf Lichtstrahlen vom Himmel? Wie wenig später bekannt wurde, war es nur der Weltmarktführer für intelligente Lampen, der über einen Patch in die Router der Haushalte gekrabbelt war und alle Leuchtmittel auf Full Power gestellt hatte.

Wenige Jahre zuvor hätte man einen solchen Eingriff mit hohen Strafen belegt und vielleicht sogar die Zerschlagung des Konzerns gefordert. Smart Home war ein Schimpfwort. Aber wir schrieben 2020, und sofort sprang das frisch gegründete Ministerium für Harmonischen Sozialen Umgang (MfHSU) auf den Plan, entschuldigte sich bei den Bürgern und entwickelte mit dem Lampenhersteller Konzepte, von denen das erste dann am Internationalen Frauentag 2021 getestet wurde: Da gingen keine Lampen an, sondern die Männer wurden ausgeblendet. Das klappte weitgehend, einige LGBT-Menschen fielen durch alle Raster und geisterten wie Zombies durch den ansonsten rein Östrogen-getriebenen Tag.

Nur wenige Frauen beschwerten sich, dass kein Mann mehr da war, kein einziger; es waren vor allem die älteren Damen, welche die starken Arme ihrer Pfleger vermissten – und deren Pheromone.

Ein missglücktes Experiment

Schon tags darauf kamen massive Probleme auf, weil die Ausgeblendeten zurück waren und die Streitereien, der sogenannte "Geschlechterkampf" noch heftiger entbrannte als zuvor. Am Vatertag blendete man folglich nicht alle Frauen aus, sondern ließ trinkfeste Damen zu. Auch das ging schief, wegen der Eifersucht am Tag danach.

Das Ministerium für Harmonischen Sozialen Umgang kündigte nun seine Zusammenarbeit mit dem Lampenhersteller auf. Dessen Kompetenzen wurden stark beschnitten. Wenn jetzt manchmal die Lampen in Ihrer Wohnung nachts kurz, ja scheu leicht rötlich oder grünlich aufflackern und dann wieder dunkel werden, wundern Sie sich nicht: Die Welt geht davon nicht unter.

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