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StartseiteComputer und KommunikationSecurity Nightmares sind real30.12.2017

Das Digitale Logbuch - PfadfinderSecurity Nightmares sind real

Knacki kann seinen Spezi mit dem Scannen von Metadaten virtuell überall hin folgen. "Ich weiß sogar, mit wem du da rumhängst", sagt er. Stopfen wolle diese Sicherheitslücken im Netz keiner: Wie soll denn dann die Cyberwehr all die Cyberkriminellen verfolgen, ohne Löcher?

Von Wolfgang Noelke

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Zeichnung: Eingeschüchterter Mann vor einem Computer (imago stock / Gustav Dejert)
Ein Netz ohne Sicherheitslücken wäre möglich, aber die Produktion von Angst ist ein Geschäftsmodell - und das will "Knacki" am Laufen halten (imago stock / Gustav Dejert)

Es klingelt beim Dicken.

Dicker: Na, wo biste? Leipzisch?

Knacki: Genau, wie du. Was machste da, mit deiner Zu-Hause-Kingel?

Dicker: Woher kennste meinen Klingelton? Kannste doch gar nicht hören.

Knacki: Doch, kann ich schon immer. Ist dir nie aufgefallen, dass ich nur dann anrufe, wenn du zu Hause bist?

Dicker: Bin doch gar nicht zu Hause, bin in Leip...

Knacki: Ich weiß! Ich weiss sogar, wo genau du bist. Saal Adams. "Security Nightmares". 'N alten Pfadfinder kannste nicht so leicht an der Nase rumführ'n. Bin dir gefolgt.

Dicker: Seh' dich nicht.

Knacki: Erst virtuell gefolgt: Metadaten und so. Ich weiß sogar, mit wem du da rumhängst. Ich sag ja, Security Nightmares...

Dicker: Kann man das abstellen? Die Lücken stopfen?

Knacki: Lücken? Riesenlöcher sind überall. Unendlich viele. Die will keiner stopfen. Das ist doch 'n Geschäftsmodell.

Dicker: Aber wenn endlich mal jemand die Löcher stopft, wächst doch die Sicherheit.

Knacki: Irrtum: Nur mit Löchern ist Sicherheit sicher. Wie soll denn die Cyberwehr all die Cyberkriminellen verfolgen, ohne Löcher?

Dicker: Wenn es keine Löcher mehr gibt, brauchst du doch gar keine Cyberwehr...

Knacki: Und die Arbeitsplätze?

Dicker: Die könnten dann doch mal was Sinnvolles machen, zum Beispiel Netzausbau auf'm Land. Deutschland liegt da gaaanz weit hinten. Oder sie könnten als Cyberlehrerinnen in Schulen Programmierstunden geben.

Knacki: Du armer Irrer. Warum sollen Kinder programmieren lernen? Reicht doch, wenn Kinder lernen, sich zu Klingelton-Shops durchzuwischen.

Dicker: Aber wenn sie programmieren können, finden sie vielleicht Lücken oder Löcher...

Knacki: Und dann? Denk an die Arbeitsplätze! Die Angstinhaber könnten dann doch keine Angst mehr machen und Rettungspläne versprechen.

Dicker: AMTS-in-haber..!

Knacki: Nee, nee, hast schon richtig verstanden. Stell dir vor, unkontrollierte Kinder würden neue Wege finden, transparente Software entwickeln, ohne Systemfehler und Deutschlands Netz heimlich reloaden. Plötzlich ein Netz ohne Lücken und Löcher. Ich könnte nicht sehen, wo du bist. Und Geheimdienste könnten das auch nicht.

Dicker: Dann gehört wohl zur Pfadabhängigkeit, dass man seit 30 Jahren nach IT-Lehrerinnen ruft, aber keine eingestellt?

Knacki: Zur was..?

Dicker: Pfadabhängigkeit! Wenn du in 'nem fehlerhaften System den Fehler nicht erkennst und den "Lock-In-Point" überschreitest, bleibt alles beim Alten und wird nur noch verschlimmbessert.

Knacki: Oder gepatcht...

Dicker: Besser wäre wohl bald 'n Reset. Die Coder-Kinder... Wo sind die, wenn man sie braucht...?

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