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StartseiteComputer und KommunikationDas Digitale Logbuch: Podcasting04.03.2006

Das Digitale Logbuch: Podcasting

<strong>Der iPod ist ein teurer mp3-Player von Apple. Dafür brauchen wir keine Werbung zu machen, Apple macht das schon alleine. Auch wenn der iPod teuer ist, ist er nicht zu teuer, denn erstens hat es nun mal seinen Preis, ein Gerät herzustellen, was allen, und zwar ausnahmslos allen Konkurrenten heimleuchtet.</strong>

Von Maximilian Schönherr

Podcasting - eine Mode, die kommt und wieder geht? (AP)
Podcasting - eine Mode, die kommt und wieder geht? (AP)

Und zweitens steckt in dem Preis für das Gerät ein Solidaritätszuschlag für Apple drin, einer Firma, die immer gute Ideen, aber nie so richtig viel Geld hatte. Hätte Microsoft den iPod entwickelt, sähe er katastrophal aus, und dafür einen Solidaritätszuschlag auszugeben, wäre Selbstverstümmelung.

Podcasting ist keine Erfindung von Apple, sondern die eines iPod-Fans. Dabei braucht man nicht einmal einen iPod dazu, geschweige denn einen Apple-Computer: Jede noch so popelige DSL-Windows-Schleuder kann podcasten, und jeder noch so elende mp3-Player kann Podcasts abspielen. Podcasts sind einfach Audiodateien, die öffentlich auf Servern herumliegen, nur dass sie nicht "Audio" heißen, oder "Ton" oder "Originalton" oder "Sendemitschnitt", sondern "Podcasts" – Herden-Werfer.

Podcasting ist Quatsch, weil Podcasting mit Aufwand verbunden ist, wo gar kein Aufwand nötig wäre. Podcasts sind von hinten durchs Knie kodierte Töne, und Töne auch ohne Von-Hinten-durchs-Knie-Kodierung liegen schon immer im Web herum. Sogar bevor es das Web gab, lagen Töne einfach so im Internet herum, und Töne werden auch weiterhin herumliegen, wenn längst keiner mehr weiß, was ein "iPod" war (vielleicht ein internationaler Öltanker?), geschweige denn der "Podcast" einer Nachrichtensendung oder eines Hörtagebuchs. Nachrichtensendungen und Hörtagebücher kann man sich auch mit tausend anderen Programmen und Progrämmchen anhören, ohne komplizierten Kodierungsunsinn über iTunes und so.

Etwas zeigt diese kurze aufregende Podcast-Phase, in der wir gerade leben, sehr schön: Man sieht so klar, wer alles herumhektelt, weil er meint, die Podcast-Welle auf keinen Fall versäumen, verschlafen zu dürfen – obwohl er entweder gar nicht weiß, was ein Podcast genau ist (er braucht Podcasts selber ja nicht), oder, wenn er’s weiß, auch weiß, dass Podcasting völliger Quatsch ist. [mosa]

Wichtig ist aber, dass das dann auch mal wieder aufhört, denn Apple hat jetzt genug verdient und sollte bald mal auf die Idee kommen, etwas Nützliches zu bauen, nämlich einen wirklich schönen, kleinen Computer für einen Euro, finanziert von unserem Solidaritätszuschlag für den iPod.

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