• Deutschlandfunk bei Facebook
  • Deutschlandfunk bei Twitter
  • Deutschlandfunk bei Google+
  • Deutschlandfunk bei Instagram

 
 
Seit 02:07 Uhr Konzertmomente
StartseiteComputer und KommunikationDas Digitale Logbuch: Silver Surfer13.11.2004

Das Digitale Logbuch: Silver Surfer

Vor über 20 Jahren kam der Commodore 64 auf den Markt, der erste für jeden erschwingliche Computer. Natürlich kaufte damals nicht jeder ein Plastikding mit Tasten, was sechs Mal so teuer wie eine Schreibmaschine war. Wer den C 64 kaufte, fühlte sich ein bisschen als Hacker und spürte die ersten weltweiten Netze unter den klappernden Tasten. Es war eine wilde Zeit.

Von Maximilian Schönherr

Die Pioniere von damals sehen heute drollig aus. Wenn sie nicht völlig vereinsamt sind, haben sie Frau und Kind, einen ordentlichen Beruf und bedienen ihre leisen Tastaturen längst nicht mehr im Schneidersitz auf dem Fußboden, sondern aufrecht auf Stühlen sitzend. Beim Browser haben sie den Schriftgrad von mittelgroß auf größer umgestellt. Und manchmal, wenn sie unter ihre Schreibtische krabbeln, wo sie eigentlich richtig zu Hause sind, um den Resetknopf zu drücken oder ein USB-Kabel umzustöpseln, setzen sie sich vorher ihre Lesebrille auf die Nase. Sie bleiben lange da unten länger als früher, denn es ist sehr dunkel in dem Abgrund hinter dem PC, zu dunkel für ihre Augen, und sie brauchen lang, bis sie den richtigen Stecker finden, tauchen dann wieder auf, machen ein lang gezogenes "aah" und fassen sich dabei an die Hüfte.

Diese Menschen heißen heute "Silver Surfer", wegen des Silberschweifs ihrer Haare. Das ist ein bisschen gemein und schäbig. Es klingt nach Zigarettenschachtel-großen Mensch-Ärgere-Dich-Nicht-Figuren für Altersheime. Aber es ist irgendwie gerecht. Schließlich ist die Hälfte der Beatles tot. Steven Jobs hat Prostatakrebs: auch ein Silver Surfer, wie unser ehemaliger C64-Freak im Schneidersitz.

Goldene Surfer gibt es nur ganz wenige, zum Beispiel Idek Tramielski – nicht wegen seiner sonnengebräunten Vollglatze, die er heute hat. Idek kam als 10jähriger ins Jüdische Ghetto in Lodz, mit 15 ins Vernichtungslager Auschwitz. Später reparierte Jack Tramiel , wie Idek Tramielski als amerikanischer Staatsbürger hieß, Reiseschreibmaschinen in der Bronx. Sein Laden nannte sich Commodore Portable Typewriter . Ja, und Anfang der 1980er Jahre erfand Jack Tramiel den ersten und meistverkauften Heimcomputer der Welt, den Commodore 64. Deswegen ist er der Goldene Surfer, nicht Papa, der immer "aah" macht, wenn er zu lange unterm Schreibtisch war.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk