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StartseiteComputer und KommunikationDas Digitale Logbuch: Software17.04.2004

Das Digitale Logbuch: Software

Wer vor einigen hundert Jahren in England einen Hammer und andere harte Dinge kaufen wollte, ging in einen Hardware-Store. Das Wort Hardware gibt es also schon sehr lang. Aber wie lange gibt es schon Software? Zum ersten Mal gesichtet hat ein amerikanischer Bibliothekar das Wort Software - noch mit Bindestrich geschrieben - in der 1850er-Ausgabe des Oxford English Dictionary. Dort bezeichnet es alles Verderbliche, was Obdachlose so auf Müllhalden findet: "Im Unterschied zur Hard-Ware umfasst die Soft-Ware alle pflanzlichen und tierischen Stoffe, also alles, was sich letztendlich selbst auflöst."

Von Maximilian Schönherr

Wer im Englischen den Hammer ein Stück Hardware nennt, mag im Laufe der Jahrhunderte vieles - vielleicht Tücher, Morast und eben auch weichen Müll - Software genannt haben. Das Wort verschwand jedoch wieder aus dem Oxford Dictionary und tauchte erst 110 Jahre später wieder da auf: 1960. Da schien auch dem amerikanischen Mirriam-Webster zufolge Software ein fester Begriff für Anweisungen an einen Rechenautomaten geworden zu sein. Aber wie? Der Weg führt zwei Jahre zurück, ins Jahr 1958 zu der Januarausgabe der Zeitschrift der Amerikanischen Gesellschaft für Mathematik. In einem Artikel über moderne Lehrmethoden für angewandte Mathematik legt der Autor Professoren nahe, Informatik als eigene Disziplin zu lehren, auch wenn er es noch nicht Informatik nennt, und nicht als Abfallprodukt der Mathematik: "Heutzutage ist für den modernen elektronischen Rechenautomat seine "Hardware" aus Röhren, Transistoren, Drähten, Bändern und Ähnlichem mindestens so wichtig wie die aus sorgfältig geplanten Interpreterroutinen, Compilern und anderen Aspekten der Automaten-Programmierung bestehende "Software". Der Autor, John Walker Tukey, setzte in dem Artikel Hard- und Software in Anführungszeichen, ein Indiz dafür, dass er die Begriffe tatsächlich als erster in dieser Bedeutung gebrauchte.

Tukey war einer der brilliantesten amerikanischen Statistiker des letzten Jahrhunderts und hatte schon andere Begriffe erfunden, etwa auch das Bit. Inzwischen behauptet ja ein deutscher Medienphilosoph, dass es Software gar nicht gibt. Das juckt John Walker Tukey, den Erfinder des Begriffs, überhaupt nicht. Er ist heute selbst Software im alten Sinn, nämlich etwas Organisches, was sich selbst auflöst.

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