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StartseiteForschung aktuellDas Ende des Fracking-Booms25.03.2013

Das Ende des Fracking-Booms

Energy-Watch-Studie prognostiziert frühes Ende der fossilen Brennstoffe

Eine Studie internationaler Energieexperten besiegelt das nahe Ende des sogenannten Frackings – eine umstrittene chemikalienbasierte Methode zur Förderung von zum Beispiel Schiefergas. Wissenschaftsjournalist Sönke Gäthke erläutert im Interview die Details.

Ab spätestens 2017 wird es mit dem Fracking-Boom vorbei sein, sagen Experten der Energy Watch Group.   (picture alliance / dpa / Jim Lo Scalzo)
Ab spätestens 2017 wird es mit dem Fracking-Boom vorbei sein, sagen Experten der Energy Watch Group. (picture alliance / dpa / Jim Lo Scalzo)

Jochen Steiner: Wie lange reichen die fossilen Energieträger noch? Nicht mehr so lange, sagen die einen, noch lange, die anderen, denn – so ihre Argumente – es werden immer mal wieder neue Erdöl- oder Erdgaslagerstätten gefunden. Außerdem bringe das Fracking vor allem in den USA viel Öl und Gas aus dem Gestein nach oben. Heute Mittag gab es in Berlin eine Pressekonferenz der Energy Watch Group. Die Gruppe stellte eine Studie vor, die belegen soll, dass die fossilen Energieträger schneller verbraucht sein könnten als so mancher denkt. Man Kollege Sönke Gäthke hat sich die Studie angesehen. Bevor wir jetzt gleich auf die Ergebnisse schauen: Wer verbirgt sich denn hinter der Energy Watch Group?

Sönke Gäthke: Dahinter verbirgt sich eine Initiative von Parlamentariern, die überzeugt sind, dass Öl, Gas oder Kohle endlich sind und die daher anders lautenden Studien nicht vertrauen. Sie haben daher eigene Berechnungen haben wollen und diese Initiative gegründet. Die wird finanziert von der Ludwig Bölkow Studie. Und vom dem Geld bezahlen sie einen Kreis von Forschern, die bereits einige Studien vorgelegt haben über Wind oder Öl. Und jetzt haben sie heute eben in Berlin eine Berechnung der Reichweite fossiler Energie präsentiert.

Steiner: Wie ist denn diese Energy Watch Group bei ihrer Berechnung, bei ihrer Studie vorgegangen im Vergleich zum Beispiel mit der internationalen Energieagentur?

Gäthke: Der wichtigste Unterschied ist der: Die Mitarbeiter, die diese Studie erstellt haben, berufen sich nicht auf Annahmen über mögliche Vorkommen oder auch Abschätzungen über die Reichweite von Bodenschätzen – egal, wie wissenschaftlich fundiert die auch sein mögen. Sie stützen sich ausschließlich auf vorhandene Daten, zum Beispiel Daten der Förderung in der Vergangenheit. Das ist anders als zum Beispiel der Bericht eben von der Internationalen Energieagentur. Die lässt diese wissenschaftlich begründeten Vermuten über Vorkommen auch zu und kommt da auch bisweilen zu ganz anderen Ergebnissen.

Steiner: Und wie sehen denn diese Ergebnisse jetzt konkret aus?

Gäthke: Die Experten der Energy Watch Group beschreiben die Zukunft der fossilen Energien – und zwar aller fossilen Energien. Sowohl Erdöl wie Erdgas, aber auch Kohle oder Uran deutlich nüchterner als alle übrigen Studien. Keiner dieser Bodenschätze, so die Experten, werde so lange reichen, wie die alten Schätzungen es gerne hätten. Am deutlichsten ist der Unterschied beim Fracking: Während die Internationale Energieagentur und noch viel mehr die Bundesbehörden in den USA hier schon die Morgenröte einer Erdöl-Renaissance sehen wollen und sogar glauben, dass die USA wieder zu einem Erdöl-Exporteur werden könnte, zeichnet die Energy Watch Group hier das Bild eines Strohfeuers. Sie sagen, ab 2017 spätestens wird es mit diesem Boom vorbei sein. Und dann wird der Ölertrag sinken, und zwar scharf.

Steiner: Wie kommen die denn darauf?

Gäthke: Die Evidenz der Daten, auf die sie sich stützen, weißt sie darauf hin. Dieses unkonventionelle Öl wird ja auch Schieferformationen gewonnen – mithilfe des Frackings. Und das ist jetzt so, dass der Ertrag einer Bohrung sehr schnell sein Maximum erreicht und dann langsam nachlässt. Wenn ich also wenigstens den Ertrag eines solchen Ölfeldes erhalten will, muss ich relativ schnell ein zweites, drittes, viertes, fünftes Loch bohren müssen. Das tun die Unternehmen, die da bohren auch. Und sie bohren bis zu 100 Löcher im Monat. Deren Ertrag wird nun von den Energiebehörden in den USA – in den USA-Bundesstaaten muss man sagen – sehr genau aufgeschlüsselt. Man kann das verfolgen bis hin zu einem einzelnen Bohrloch, was es bringt. Und dabei zeigt sich, dass dieses Fracking sich nur in zwei Bundesstaaten lohnt, in Texas und in North Dakota, und dass längst nicht mehr alle Bohrlöcher überhaupt den erhofften Ertrag bringen. Ganz viele neue Bohrlöcher bringen den Ertrag gar nicht mehr. Und man kann daraus schon errechnen, wann der Boom wieder nachlassen wird.

Steiner: Aber dann könnte man doch einfach noch viel mehr neue Stellen anbohren, oder?

Gäthke: Man könnte, aber es gibt auch nicht so viele Formationen, wo sich das lohnt. Und über den Formationen, wo sich das noch lohnt, wohnen ehrlich gesagt schlicht und ergreifend zu viele Leute. Da werden die Umwelteinschränkungen zu groß sein.

Steiner: In den Schlagzeilen ist ja immer wieder von einem neuen Ölboom die Rede – auch durch das Fracking. Wieso ist denn das so?

Gäthke: Das wüsste ich auch gerne. Denn so überraschend ist dieses Ergebnis mit dem Blick auf Fracking eigentlich nicht. Überraschend ist wirklich die Haltung von Politikern ober Managern, die jetzt diesen Ölboom vorhersagen. Ich kann mir das nur so erklären, dass es zum Teil auch an den sehr optimistischen Einschätzungen der US-Bundesbehörden liegt.

Steiner: Was ist denn jetzt Ihre persönliche Schlussfolgerung aus dieser Studie?

Gäthke: Also ich würde sagen: Mag der Zeitrahmen jetzt auch stimmen oder nicht – die wichtigste Schlussfolgerung ist wirklich zu sagen, das fossile Zeitalter geht zu Ende. Es muss Ersatz her, sowohl für die Stromversorgung und noch viel mehr eigentlich für den Verkehrssektor, der ohne Öl gar nicht leben kann.

Steiner: Vielen Dank für diese Informationen an meinen Kollegen Sönke Gäthke.

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