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StartseiteKalenderblattDas Ende vom Traum06.05.2007

Das Ende vom Traum

Vor 70 Jahren verbrennt das Luftschiff "Hindenburg"

Es war wohl die schiere Größe der letzten Riesenluftschiffe und ihre Fähigkeit, lautlos im Himmel hängen zu können, woran sich die Phantasie des Publikums vornehmlich entzündete. Als der größte aller Zeppeline, die "Hindenburg", heute vor 70 Jahren in Lakehurst bei New York verbrannte, ging auch eine fast surreale Art des Reisens zu Ende.

Von Mathias Schulenburg

Das Luftschiff Hindenburg über Manhattan 1937 (AP)
Das Luftschiff Hindenburg über Manhattan 1937 (AP)

Es war wohl die schiere Größe der letzten Riesenluftschiffe und ihre Fähigkeit, lautlos im Himmel hängen zu können, woran sich die Phantasie des Publikums vornehmlich entzündete. Beim größten aller Zeppeline, der "Hindenburg", kam auch noch unerhörter Komfort dazu, mit Wandelgängen, Tanzflächen und edlen Weinen. Als die "Hindenburg" heute vor 70 Jahren in Lakehurst bei New York verbrannte, ging auch eine fast surreale Art des Reisens zu Ende.

"'' [Originalreportage] It's crashing! It's crashing, terrible! Oh, my...get out of the way, please. ''"

So, in einer Feuersäule, endete, was als größtes technisches Spektakel seiner Zeit begonnen hatte: LZ-129, das größte Luftschiff der Welt mit dem Namen Hindenburg. Seine gigantische Hülle war fast so lang wie der Luxusliner Titanic, und ihr Durchmesser fast doppelt so groß wie dessen Breite. Das Innere des Schwesternluftschiffes Graf Zeppelin beschrieb der junge Reporter Arthur Koestler so:

In dem ganzen Innenraum, dessen Ausmaße die einer Kathedrale übertrafen, nur dass sie zigarrenförmig in die Länge gezogen waren, herrschte Dunkelheit, ein Geruch wie nach Bittermandeln und ein dumpf knirschendes Geräusch, als schlügen unsichtbare Fledermäuse träge mit den Flügeln. [...]das Geräusch [kam] von den Ballonhüllen, den wichtigsten Organen des fliegenden Walfisches, seinen Schwimmblasen sozusagen, denn sie trugen mit ihrem Auftrieb das ungeheuere Gebilde durch die Lüfte.

Als Linienschiff für Transatlantiküberfahrten, die in der Regel zwei Tage dauerten, bot die Hindenburg unerhörten Luxus. So gab es in dem am Schiffsbauch befindlichen Passagiertrakt ein kleines Restaurant mit 34 gepolsterten Sitzplätzen, Wandgemälden, stets makellosen Tischdecken und Silberbesteck.

Die opulenten Menüs wurden frisch zubereitet, selbst die Kartoffeln an Bord geschält. Raucher durften in einem speziellen Salon, und auch nur da, tun, was sie nicht lassen konnten; das Feuer für Pfeifen und Zigarren reichte ein Stewart, der das Streichholzmonopol besaß. Für Verdauungsspaziergänge waren Sitz- und Wandelgänge von 60 Metern Gesamtlänge eingerichtet, von denen aus sich durch geneigte Fenster - die man auch noch öffnen konnte - die Erde betrachten ließ. Selbst der Luftschiffkapitän Ernst Lehmann bekam da romantische Gefühle:

Die Dame am Aussichtsfenster, zu benommen vom Zauber dieser Fahrt, um mit den anderen zu speisen, überlässt sich wieder den wechselnden Eindrücken der Unendlichkeit: dem Wandel des Sonnenballs [;...] dem blauen, weißgekrausten Meer mit seinen spielenden Delphinen, spindelförmigen Haien, teppichflachen Riesenrochen und mit dem Schattenriss des Luftschiffs, der je nach Sonnenstand und Fahrthöhe zusammenschrumpft oder wächst .

Es stimmte, was der Kapitän da beschrieb: Die Riesenzeppeline flogen häufig so niedrig, dass all das von oben zu erkennen war. Und wenn die Passagiere darum baten, blieb das Luftschiff auch schon mal über einer Gruppe blasender Wale stehen:

Für einen Ticketpreis von umgerechnet rund 10.000 Euro pro Atlantiküberfahrt war das ein schöner Gegenwert. Und es gab einen Schreib- und Leseraum, und eine Bibliothek. In der Lounge stand zu Beginn ein eigens für die Hindenburg angefertigter Flügel der Leipziger Traditionsfirma Blüthner aus leichtem Aluminium, mit Schweinsleder bespannt. Das auf der Jungfernfahrt der Hindenburg darauf gespielte und per Funk zur Erde übertragene Klavierkonzert sendeten 63 Rundfunkstationen in alle Welt. Die war begeistert.

Die Nationalsozialisten waren es auch. Zu der von Deutschland ausgerichteten Olympiade von 1936 ließen sie das mit Hakenkreuzen verunzierte Riesenschiff als eine Art Reichsphallus über Deutschland ziehen und Propagandaflugblätter abwerfen.

Eigentlich war für die Hindenburg Helium als Traggas vorgesehen worden. Auf Helium aber hatten die USA ein Monopol, und Zeppeline hätten von Nazi-Deutschland auch als Kriegsmaschinen verwendet werden können, also gab es kein Helium, es musste wieder Wasserstoff sein.

Der geriet am 6. Mai 1937 aus bis heute nicht ganz geklärten Gründen beim Landemanöver in Lakehurst nahe New York in Brand. Immerhin zwei Drittel der 90 Menschen an Bord überlebten das spektakuläre Unglück, das zugleich das Ende der großen Luftschiffe bedeutete.

"... Oh, the flames, four or five hundred feet in the sky, it's a terrific crash ladies and gentlemen. The smoke and the flames now and the frame is crashing to the ground, not quite to the mooring mast. Oh, the humanity and all the passengers ...."

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