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Das Ende von Australiens großen Tieren

Hat der Mensch das Artensterben vor 45.000 Jahren ausgelöst?

Von Dagmar Röhrlich

Vor 60.000 Jahren lebten in Australien noch drei Meter große Kängurus.
Vor 60.000 Jahren lebten in Australien noch drei Meter große Kängurus. (Stock.XCHNG / Cody Mummau)

Paläontologie. - Etwa 45.000 Jahre ist es her, da verschwanden in Australien urplötzlich alle großen Tiere: vom sechs Meter langen Waran bis hin zu den drei Meter großen Kängurus. Als "Täter" kommt zum einen das Klima in Frage, zum anderen auch der Mensch. Diese Debatte wird seit langem sehr emotional geführt. Neue Untersuchungen in Südaustralien weisen nun recht klar auf den Menschen.

Genyornis newtoni war beeindruckend. Groß wie ein Strauß, glich er mit seinem kinderschädelgroßen Reptilienkopf und seinen stämmigen Beinen eher einem befederten Saurier als einem Vogel. Imponierend war auch Megalania prisca, eine tonnenschwere Raubechse, groß wie ein Nilkrokodil und mit einem Maul voller dolchscharfer Zähne. Oder Diprotodon optatum - ein kuhgroßer Wombat mit einem Tapirrüssel im Gesicht:

" Warum starben diese Riesentiere vor rund 46.000 Jahren aus? Moderne Datierungen haben ergeben, dass sie überall in Australien in etwa zeitgleich verschwanden. Es gibt zwei mögliche Ursachen. Einmal änderte sich während der Eiszeiten das Klima in Australien. Wenn in Europa die Gletscher vorstießen, wurde es hier kühler und trockener. Zum anderen erreichten vor etwa 60.000 Jahren die Aborigines Australien. "

Bert Roberts von der Universität Wollongong. Um Antworten zu suchen, haben die Geologen die Naracoorte-Höhlen in Südaustralien untersucht:

" Diese Höhlen sind nichts anderes als Fallgruben. Die unglücklichen Tiere fallen hinein und werden zu Fossilien, denn nach einem 20 Meter tiefen Sturz gibt es keinen Ausweg mehr für sie. "

Das macht die Höhlen zum Glücksfall für Geologen. Sie bestimmten Tausende von Fossilien, wobei sie auch mit modernen Methoden den Todeszeitpunkt der Tiere datierten. Eine andere Gruppe hatte zuvor anhand der Höhlenablagerungen eine genaue Klimageschichte aufgestellt: Tropfsteine verraten viel über die Regenfälle und ihr Alter lässt sich genau bestimmen. Alles zusammen ergab eine Zeitreihe, die mehr als eine halbe Million Jahre weit in die Vergangenheit reicht.

" Wir lesen daran ab, wie die Beuteltiere, Reptilien und Vögel vor der Ankunft des Menschen auf die Klimaschwankungen durch die Eiszeiten reagiert haben. Wir haben damit einen sehr guten Hintergrund für das, was geschah, als der Mensch Australien eroberte. "

Das Ergebnis: Bis zur Ankunft des Menschen sind die Tiere in den lichten Wäldern um die Naracoorte-Höhlen immer gut mit Klimaschwankungen zurechtgekommen. Wurde es trockener, zogen sie sich zurück. Wurde es feuchter, kamen sie wieder.

" Obwohl die Tiere litten, wenn es in den Kaltzeiten trockener wurde, sind sie nicht ausgestorben. Ihre Zahl nahm ab, aber in den Zwischeneiszeiten waren sie so zahlreich wie zuvor. Vier, fünfmal ging das so, bis vor 45.000 Jahren die Megafauna in den Naracoorte-Höhlen verschwand. Die Tropfsteine verraten, dass das Klima zu diesem Zeitpunkt mild war: Eigentlich hätte es den Tieren also gut gehen müssen. Statt dessen sterben sie aus. "

Alles war wie immer - nur der Mensch war als neuer Faktor dazugekommen. Dieses Bild zeichnet sich auch in einer anderen Höhle ab, die Tausende von Kilometern entfernt in Westaustralien liegt. Wie aber konnten die wenigen Aborigines ein kontinentweites Aussterben auslösen? Es gibt dazu eine Theorie - mit Feuer:

" Als die Menschen kamen, veränderte sie die Landschaft durch die Brände, die sie legten, um besser jagen zu können. Dadurch verschob sich die Vegetation schnell und grundlegend hin zu feuerresistenten Pflanzen. Der Speisezettel der vegetarischen Riesentiere war so eingeschränkt wie heute der der Koalabären. Sie hingen von wenigen Pflanzen ab, von denen wir wissen, dass sie durch das Feuer verschwanden. Die Tiere fanden schlicht nichts zu fressen und verhungerten. "

Ohne große Pflanzenfresser hatten auch die großen Fleischfresser keine Chance. Eine dritte Studie belegt diesen Vegetationswechsel: Bis zur Ankunft des Menschen bedeckten Wälder und Regenwälder weite Teile Australiens. Dann verschwanden sie abrupt, Buschland blieb zurück. Dieser Wandel war wohl zuviel für die Riesen - innerhalb weniger Tausend Jahre ging Australiens Reich der großen Tiere unter.

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