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StartseiteGesichter EuropasDas Gold der Ostsee10.04.2010

Das Gold der Ostsee

Bernstein in Kaliningrad

Nirgendwo auf dem Globus wird so viel Bernstein gefördert, vermarktet - und geschmuggelt - wie an der Küste des Samlands. Jantarnyj, das frühere Palmnicken, ist das Zentrum der Bernsteinindustrie.

Mit Reportagen von Henning von Löwis

Die Ostsee birgt große Bernsteinvorräte. (AP)
Die Ostsee birgt große Bernsteinvorräte. (AP)

Nach dem Untergang der UdSSR begann ein langjähriges Tauziehen um das Bernsteinkombinat von Jantarnyj. Es wurde mehrfach privatisiert, dann erneut verstaatlicht und umstrukturiert. Während die Förderung im weltweit einzigen Bernsteintagebau drastisch zurückging, florierte der illegale Abbau. Bis heute sind Scharen von Schwarzgräbern aktiv, versorgen den Schwarzmarkt mit Nachschub.

Der Staat tut sich schwer, die Bernstein-Mafia zu kontrollieren. Bis zum Jahre 2011 soll die Bernsteinindustrie massiv ausgebaut werden. Das "Gold der Ostsee" ist ein Wirtschaftsfaktor mit Zukunft: Nach Schätzungen von Geologen belaufen sich die Bernsteinvorräte an der Küste des Samlands auf nicht weniger als 300.000 Tonnen.

Er besticht, durch die wunderbaren, warmen Farbtöne, in denen sich tatsächlich ein ewiges Licht zu spiegeln scheint. Und er fasziniert wegen der Insekten, die vor Millionen von Jahren vom aromatischen Duft angelockt, in die Falle gerieten. Wegen seiner Schönheit. Und wegen der Verbindung, die er herstellt, zu den Anfängen allen Lebens. Und so ranken sich Sagen und Mythen um jenes fossile Harz - die Griechen etwa glaubten, Bernsteine seien versteinerte Sonnenstrahlen, für den römischen Dichter Ovid waren es die Tränen der Götter.

Bernstein gibt es weltweit, in Europa, Asien, Afrika, Australien-Ozeanien. Doch nirgendwo auf dem Globus gibt es so viel davon wie in Jantarnij an der Küste des Samlandes. Hier sollen die größten Vorkommen der Welt lagern, nicht weniger als 90 Prozent. Auch das weltberühmte Bernsteinzimmer wurde mit Bernstein von hier ausgestattet. Jantarnij - das heißt übersetzt "Bernstein-Ort"; Jantarnij - das war vor 1945 Palmnicken, ein Ort wie kein anderer in Ostpreußen, hier errichtete die Firma Stantien & Becker 1872 ein Bergwerk, 1912 wurde dann der erste Tagebau eröffnet - all das, um das "Gold der Ostsee" zu fördern.

Von der Natur reich beschenkt - mit malerischer Steilküste und weißen Sandstränden - setzt die Stadt heute auch auf den Tourismus. Ohne dabei das zu vernachlässigen, was allein dieser Ort im russischen Ostpreußen zu bieten hat.


Kombinat in der Krise
Wladimir Butenko, Vizedirektor des Kaliningrader Bernsteinkombinats

Begrüßung in Jantarnij. Die Hunde am Schloss kläffen im Duett. Sie bewachen das "Bernstein Schloss". Das Schloss ist kein Schloss - war nie ein Schloss. Der wuchtige zweistöckige Feldsteinbau nicht weit von der alten Palmnickener Kirche beherbergt heute das Bernsteinmuseum.

Vor dem Museum: die Stände der Bernsteinhändler.

Während alte Ostpreußinnen nach Bernstein "mit was drin" fahnden - und nicht selten angesichts des Angebots in einen wahren Kaufrausch verfallen, werden im Museum - neben sehenswerten Exponaten - nüchterne Fakten geboten. Bernsteinkunde - Lektion 1.

Das Bernstein Schloss - das Museum - ist ein Schmuckstück, hervorragend restauriert. Mit Wandmalereien an den Außenwänden, die Bernstein-Historie vermitteln: ein Ordensritter hoch zu Ross, Hans von Zagan, Ulrich von Magdeburg, ein namenloser Braumeister - Palmnicken Brauerei. Überhaupt, der Ortsmittelpunkt von Jantarnij kann sich sehen lassen: mit der imposanten Feldsteinkirche - "eingeweiht unter der Regierung Kaiser Wilhelm des II. am 3. Januar 1892" -, dem schmucken "Hotel Becker", dem Moritz-Becker-Park mit seinen Baumriesen, die Geschichten erzählen könnten, vom Auf und Ab in der Bernstein-Siedlung Palmnicken, die in der Sowjetunion zur Bernstein-Stadt Jantarnij avancierte. Palmnicken und Jantarnij - das war und das ist Bernstein. Das wäre ein Ort wie jeder andere hier an der Küste des Samlands ohne den Bernstein - ohne das Bernstein-Kombinat.

Es sieht noch genauso aus wie vor zehn, vor 20, vor 30 Jahren - das Kaliningrader Bernstein-Kombinat: ein unverputztes zweistöckiges Gebäude. Neu ist allein der Bankautomat an der Frontseite.

Wenn die schwere Holztür ins Schloss fällt, hat man die Gegenwart verlassen - ist man angekommen. "Back in the USSR", wäre die passende Begleitmusik. Die Eingangshalle des Bernstein-Kombinats könnte unansehnlicher kaum sein. Hier ist die Zeit stehengeblieben. Hier kann man die Sowjetunion sehen und riechen. An der Decke Leuchtstoffröhren - krumm und schief angebracht. Der Wachmann an der Sicherheitsschleuse ist um seinen Arbeitsplatz nicht zu beneiden. Er muss alle kontrollieren, die hier ein und ausgehen - Mitarbeiter und Besucher. In jeder Handtasche, in jedem Plastikbeutel könnte ja ein Stück Bernstein versteckt sein. Wer ins Kombinat will, muss diese Schleuse passieren.

Ist Wladimir Butenko Vizedirektor eines total maroden Unternehmens - oder täuscht der äußere Eindruck? Wie bankrott ist das Kombinat?

"Nein, mitnichten! Das Kombinat ist nicht bankrott. Das Kombinat arbeitet ganz normal. Wir fördern Bernstein. Und der Bernstein wird verarbeitet. Das Kaliningrader Bernsteinkombinat ist ein staatlicher Betrieb, und wir arbeiten wie früher. Wir machen weiter - aber natürlich heute unter Krisenbedingungen. Doch es funktioniert alles."

Die Weltwirtschaftskrise schlägt Wellen bis nach Jantarnij. Wie geht man im Bernsteinkombinat damit um?

"Wir haben beschlossen, dass wir keine Arbeitsplätze abbauen wollen. Aber natürlich kommt es zu Einsparungen bei den Sozialausgaben. Wir haben auch die Gehälter etwas reduziert. Die Leute haben Verständnis für diese Maßnahmen. Wir denken, es ist besser die Arbeitsplätze zu erhalten und auf andere Weise Einsparungen vorzunehmen."

Wladimir Butenkos Botschaft klingt überzeugend. Da spricht kein Apparatschik, kein Funktionär. Da spricht ein Jurist aus Sankt Petersburg, der die Dinge so darstellt, wie sie vermutlich sind. Der Mann, der mir da gegenübersitzt - im offenen Hemd, ohne Sakko - kehrt nicht den Direktor heraus. Dabei ist er sozusagen doppelter Chef: Personal- und Sicherheitschef. Vorgesetzter von zur Zeit etwa 300 Beschäftigten. Ein freundlicher, umgänglicher Mann, der sich locker gibt, Autorität in keiner Weise dokumentiert. Butenkos Büro ist - vorsichtig formuliert - so spartanisch eingerichtet wie offenbar das gesamte Kombinat. Ideale Filmkulisse für einen Streifen über die Sowjetzeit.

Damals, zu Zeiten der Sowjetunion, unterlag vieles der Geheimhaltung. Zum Beispiel Produktionsziffern. Früher förderte das Kombinat einmal 500, 600 Tonnen Bernstein jährlich. Und heute? Wladimir Butenko überlegt nicht lange.

"500, 600 Tonnen - das ist wirklich tiefe Vergangenheit. Gewöhnlich werden jetzt 200, 250, 270 Tonnen gefördert. Im letzten Jahr haben wir 350 Tonnen Bernstein gefördert und verkauft. Aber diese Zahl kann sich ändern, denn wir hängen natürlich völlig vom Bedarf ab, von den Bestellungen der Abnehmer. In diesen Zeiten der Krise haben auch die Abnehmer gewaltige Probleme. Die Nachfrage nach Bernstein ist im Moment nicht sehr groß. Außerdem ist die Fördermenge abhängig von den Vorkommen - auch vom Wetter. Zu seinen besten Zeiten, ungefähr Anfang der 90er-Jahre, hat das Kombinat 700 Tonnen gefördert. Aber das war nur während einer ganz kurzen Periode. Dieses Jahr haben wir uns vorgenommen etwa 350 Tonnen zu fördern."

Wladimir Butenko fügt hinzu, dass man natürlich viel mehr fördern könnte, doch wäre der Bedarf heute nicht mehr da. Damals, in der sowjetischen Zeit, habe das Kombinat viel Bernstein verarbeitet. Zum Beispiel habe man Bernstein geschmolzen, Bernsteinsäure hergestellt, Lacke produziert. Und aus den Lacken habe man Bernsteinfarbe erzeugt. Dafür gäbe es heute keinen Bedarf mehr. Wer benötige heute noch Bernsteinprodukte als Isoliermaterial? Niemand! Oder nach Bernsteinfarbe? Die übrigens nicht sehr angenehm rieche und drei Tage trockne. Für viele Dinge werde Bernstein heute einfach nicht mehr gebraucht. Heute verkaufe das Kombinat Bernstein in erster Linie für die Herstellung von Schmuck und Kunstwerken.

Also düstere Perspektiven für das Kombinat - oder? Wie lange reichen die Vorkommen überhaupt noch?

"Die Bernsteinvorkommen im Kaliningrader Gebiet beziehungsweise im ehemaligen Ostpreußen sind wirklich riesig. Ich meine nicht nur die Vorkommen hier in der Umgebung von Palmnicken, Jantarnij, von unserem Tagebau. Wenn man jedes Jahr doppelt so viel Bernstein fördern würde, so würden die Vorkommen auf jeden Fall noch für mehrere Jahrhunderte reichen. Das Problem sind nicht die Vorkommen. "

Wladimir Butenko lächelt, lehnt sich entspannt zurück in seinem Schreibtischsessel, und fügt dann hinzu, man könne nur hoffen, dass die Menschheit nicht das Interesse an Bernstein verliere. Man sollte sich immer die guten Eigenschaften des Bernsteins vor Augen führen - die Heilkräfte, die positive Energie des Sonnensteins. Die Vorkommen jedenfalls, die würden noch für Jahrhunderte reichen.


In Königsberg wurde sie 1921 geboren, in Königsberg auch machte sie ihr Abitur und später eine Schauspiel- und Tanzausbildung: die Schriftstellerin Tamara Ehlert. Während des Krieges arbeitete sie als Telefonistin und Funkerin, unter den Briten war sie Dolmetscherin. Bereits 1938 erschienen ihre ersten Veröffentlichungen im "Königsberger Tageblatt". Tamara Ehlerts letztes Werk wurde 1993 in Kaliningrad veröffentlicht, in zwei Sprachen, deutsch und russisch. Der Titel: "So war der Frühling in meiner Stadt". Darin findet sich auch die Erzählung "Das Stück Bernstein".


Das "Gold der Ostsee" zog die Menschen schon immer in seinen Bann. Doch erst nachdem deutsche Ordensritter im 12. Jahrhundert die Region erobert hatten, erwuchs aus dem natürlichen Reichtum des Bodens ein einträgliches Geschäft. Der Orden erließ das Bernsteinregal, sicherte sich das Handelsmonopol, wer sammelte, musste abliefern, und wer dabei erwischt wurde, "unbefugt" zu sammeln, der wurde hart bestraft, oft aufgehängt am nächsten Baum. Davon zeugt der Name "Galgenberg" an der Küste des Samlandes. Sogenanntes unbefugtes Sammeln und Handeln gab es zu allen Zeiten. Nach dem Untergang der Sowjetunion, als man das Bernsteinkombinat 1993 vorübergehend privatisierte, traten kleine und große Bernsteinräuber auf den Plan, Wachmannschaften wurden bestochen, und immer mehr Bernstein verschwand in dunklen Kanälen.

Das soll heute anders sein - sagt man - und nur so erklären sich die strengen Sicherheitsbestimmungen, über die nicht alle glücklich sind.


Sicherheit um jeden Preis
Tatiana und der Tagebau

Eine holprige Piste übersät mit Schlaglöchern. Das ist der Weg ins Bernsteinland - der einzige öffentlich zugängliche Weg zum Tagebau. Nach ein paar hundert Metern ein Verkehrsschild: STOI! STOPP! SPERRZONE - DURCHFAHRT VERBOTEN. Und dann ganz in der Ferne auf einem kleinen Hügel: ein Galgen. Annäherung an den Tagebau - den einzigen Bernstein-Tagebau der Welt.

Eine Blockhütte mit Bernstein-Souvenirs, an der Phantasiekostüme aus der Ordenszeit hängen. Ein kleiner Tisch mit Bänken. Zwei Informationstafeln mit Erläuterungen auf Russisch, Englisch und Deutsch - das ist der Schauplatz, der Platz zum Schauen auf und über den Tagebau.

Ein riesiges Loch in der Erde. Aufgewühlte Sandberge. Rostige Rohrleitungen. Eine kleine blaue Hütte. In der Ferne bewegt sich das Ungetüm eines Baggers - ein Dinosaurier mit Rüssel und langen Greifarmen. Menschen so winzig, dass sie von hier oben kaum auszumachen sind. Zerstörte Landschaft. Könnte Mutter Erde sich artikulieren, sie würde laut schreien. Die Wunde ist so gewaltig, dass sie Jahrzehnte brauchen wird, um eines Tages zu verheilen.

Doch daran ist im Moment gar nicht zu denken, denn da unten in der Grube wird Bernstein gefördert - das "Gold der Ostsee", das "Baltische Gold". Hier kommt es nicht aus dem Meer, hier wird es ausgegraben aus der sogenannten "Blauen Erde". Und um die zu erreichen, muss man in die Tiefe vorstoßen - etwa 40 Meter. Dort ist der Schatz verborgen, der manche reich machte - und andere an den Galgen brachte.

In den Geschichtsbüchern könne man nachlesen, wie viele Bernsteindiebe in früheren Jahrhunderten hingerichtet worden seien, erzählt Tatiana. Nach der Überlieferung hätten die Galgen selten leer gestanden. Und heute: Nein, heute würde hier natürlich niemand aufgeknüpft. Das wäre ja unmenschlich.

Am Fuße des Galgens eine hölzerne Tafel mit deutschem und russischem Text:

Hier wird jeder aufgehängt, der Bernstein bei dem Deutschen Orden stiehlt.
Hermann von Salza


Für Tatjana, Anfang 30, ausgesprochen attraktiv, russisch aufgeblondet, ist der Platz am Galgen, der Schau-Platz Bernsteintagebau Arbeitsplatz. Sie ist täglich in ihrem Verkaufsstand, bringt Bernstein-Souvenirs an den Mann - an die Touristen, und erklärt Besuchern, was da unten abläuft im Tagebau. Zum Beispiel, wie man Bernsteinraub heute verhindert.

"Früher ist es immer wieder zu Bernsteindiebstahl gekommen, aber jetzt nicht mehr. Das ist vorbei, seit dieser Tagebau von Sicherheitskräften aus Sankt Petersburg und Moskau bewacht wird. Diese Wächter wohnen auf dem Territorium des Bernsteinkombinats. Sie leben absolut getrennt von der Siedlung Jantarnij. Ihnen ist sogar verboten, mit den Einheimischen Kontakt aufzunehmen. Falls man jemand von den Arbeitern beim Diebstahl erwischt, wird er sofort gekündigt und mit dem Abendzug nach Hause geschickt."

Warum Sicherheitskräfte aus Petersburg und Moskau? Die Petersburger und die Moskauer würden sich gegenseitig bewachen, bemerkt Tatiana. Und fügt hinzu:

"Hier am Rande des Tagebaus sind sehr viele Kameras installiert. Das heißt, der Tagebau wird äußerst streng überwacht. Jeder Arbeiter wird permanent beobachtet. Und wenn die Leute abends den Tagebau verlassen, dann dürfen sie sich nicht bücken. Registriert die Kamera, dass jemand sich bückt, so wird der Mann sofort untersucht."

Tatiana zeigt auf den Bagger unten in der Grube. Mit seiner Schaufel schüttet er die Erde auf. Manchmal falle von der Schaufel ein großes Stück Bernstein. Wenn die Arbeiter das sehen, dann dürften sie selbst das Stück nicht aufheben. Sie würden einen Wachmann rufen.

Und wenn wir jetzt auf die Idee kämen, den Abhang hinunter in den Tagebau zu gehen, würden wir dann sofort verhaftet?

"Kaneshna."

Natürlich. Sie habe gehört, sagt Tatiana, dass die Sicherheitskräfte berechtigt seien, Schusswaffen zu gebrauchen.

Bernstein - wertvoller als Menschenleben?

Und was haben die Menschen davon? In welcher Weise profitieren sie vom Gold des Samlandes?

"Sie sehen ja, der Tagebau funktioniert. Die Bagger arbeiten. Und die Lager werden gefüllt. Die Vorräte in den Lagern sind ziemlich groß. Aber der ganze Bernstein heute wird zugunsten von Moskau verkauft. Wir wissen nicht, wie groß der Anteil des Verkaufserlöses ist, der in den Kaliningrader Haushalt einfließt. Früher zur Sowjetzeit war das Bernsteinkombinat der größte Arbeitgeber. Und der ganze Ort lebte allein vom Bernstein. Damals soll das Gebiet Kaliningrad etwa 70 Prozent vom Handel mit Bernstein erhalten haben."

Tatiana erinnert daran, dass das Kombinat ja schon mal bankrott gewesen sei.

Das sei schon ein paar Jahre her. Die Insolvenz habe zum Ziel gehabt, das Kombinat in die Pleite zu treiben und allein den Tagebau zu erhalten, um weiter den Rohstoff Bernstein zu verkaufen. Doch die Menschen in Jantarnij hätten sich diesen Plänen widersetzt, wären auf die Straße gegangen. So habe man das Kombinat gerettet. Doch der größte Teil der Arbeiter sei entlassen worden und nur wenige Menschen würden heute noch in der Fabrik beschäftigt.

Das Kombinat verkauft heute nicht nur Bernstein, sondern zum Beispiel auch Sand. Mit diesem Sand aus Jantarnij wird zur Zeit der Samland-Ring, die neue Autobahn von Kaliningrad zu den Kurorten an der Küste gebaut. Und das Kombinat hat erkannt, dass man mit Tourismus Geld verdienen kann. Tatiana ist froh, dass Sie hier einen Arbeitsplatz gefunden hat, nachdem das kleine Unternehmen, das sie mit ihrem Mann aufgebaut hatte, Schiffbruch erlitten hat. Neben dem Galgen zu arbeiten, das stört sie nicht. Der soll ja nur an die alten Zeiten erinnern - und Touristen anlocken.

Und das tut er auch. Wer hat ihn eigentlich errichtet. Das Kombinat? Tatiana lacht - und streift sich das weiße Gewand mit dem Schwarzen Kreuz über - die Kluft der Ordensritter.

"Es sieht so aus."



Es gab einmal eine Zeit, in der die Fischer der Ostseebäder Cranz, Rauschen und Warnicken noch bei schweren Herbststürmen in die aufgewühlte See stiegen. Um Bernstein zu "käschern". Auch heute noch sieht man an der Küste des Samlandes zuweilen Männer, die sich in Taucheranzügen auf Bernsteinfang begeben. Doch die wirklich großen Brocken sind nur in der sogenannten "Blauen Erde" von Jantarnij zu finden.

Und die privaten Betriebe, die den eher unansehnlichen Rohstoff in Schmuck verwandeln, ihnen bleibt kaum etwas anderes übrig, als Bernstein - ganz legal - im Kombinat zu kaufen. Doch die Geschäfte laufen schlecht - auch und wegen der weltweiten Wirtschaftskrise.


Erkundungen in der "Bernstein Lagune"
Swetlana Tschishowa

Ein zweistöckiger moderner Zweckbau, blau gestrichen. Uliza Sowjetskaya 61, im Zentrum von Jantarnij. "Jantarnaja Laguna", heißt das Unternehmen - "Bernstein Lagune".

Hier sind Besucher jederzeit willkommen - von 9 bis 18 Uhr.

Die Firma hat nichts zu verbergen. Sie produziert und verkauft Bernsteinschmuck.

"Hier wird Bernstein von Anfang an bearbeitet. Wir bekommen den Rohstoff und machen daraus Schmuckstücke - aus Bernstein, aus Silber, aus vergoldetem Silber und aus Perlen."

Swetlana Tschishówa, 21 Jahre jung, hat eigentlich nichts mit Bernstein am Hut. Sie hat in Kaliningrad Tourismus studiert. Aber sie wurde im Bernstein-Ort, hier in Jantarnij geboren. Und ihre Kenntnisse über Bernstein hat sie in der Firma erworben.

"Unser Direktor, der Begründer dieser Firma, hat uns das beigebracht. Er hat eine spezielle Ausbildung, was Bernstein betrifft, unser Arbeitgeber."

Erste Station auf der Exkursion in die Welt des Bernsteins: der Arbeitsplatz der Designer.

"Manche Schmuckstücke entwerfen die Designer selbst, andere nach Vorlagen aus Russland oder aus Italien."

"Erst werden die Skizzen mit Bleistift angefertigt, und anschließend werden Modelle aus Metall gegossen."

Den nächsten Arbeitsschritt übernimmt eine Maschine.

"Wir sehen die Maschine, die im Laufe von ein, zwei Minuten das Schmuckstück vergoldet oder versilbert."

"Wir vergolden mit europäischem Gold, das mehr gelb ist, und mit russischen Gold, das etwas rötlicher ist."

Erkundungen in der "Bernstein Lagune". Saubere, moderne Arbeitsplätze. Alle einsehbar vom Flur aus durch Glasscheiben. Doch wo sind die Menschen?

"Wir haben die Arbeit in diesem Raum gerade eingestellt."

"Wir arbeiten nur per Auftrag. Und im Moment haben wir keine Aufträge. Wir produzieren nicht fürs Lager."

Swetlana weist darauf hin, dass im Moment in der Lagune vor allem Silberschmuck hergestellt werde und kein Bernsteinschmuck. Hängt das auch mit der Wirtschaftskrise zusammen?

"Kaneshna"

"Wir arbeiten für den russischen Markt, fertigen Schmuck für den russischen Markt an. Und im Augenblick verkaufen die russischen Geschäfte auch schlecht. Wir verkaufen direkt nach Russland, das heißt wir verlieren Kunden, Abnehmer. Darum erzeugen wir immer weniger."

So ist denn die Zahl der Mitarbeiter der Lagune auf derzeit 35 gesunken.

"Aber die Kapazität des Betriebes beträgt 100 - die Firma könnte 100 Menschen beschäftigen."

Es ist still in der Lagune. Und die meisten Arbeitsplätze sind ruhige Arbeitsplätze. Mit einer Ausnahme.

"Wir nennen diesen Raum Trommelzimmer."

"Hier werden Bernstein und Silber poliert und geschliffen."

Und das dauert - ist ein langwieriger Prozess.

"Man schleift in diesen Trommeln Bernstein 7 bis 14 Stunden lang."

Erst wird geschliffen - und dann poliert.

Im Trommelzimmer steht auch ein kleines Aquarium ohne Fische. Hier kann man die Nagelprobe sprich Bernsteinprobe machen.

"Sie sehen, das ist Salzwasser. 30 Prozent Salz enthält diese Lösung."

"Bernstein enthält im Innern Luftblasen, und diese Luftblasen lassen Bernstein an der Wasseroberfläche treiben."

Während Kunststoff auf den Boden sinkt. Man kann natürlich auch die Feuerprobe machen. Bernstein brennt.

"Natürlich, Bernstein kann man anzünden. Und der brennende Bernstein riecht nach Harz. Und wenn Kunststoff brennt, dann riecht es nach Chemie."

Doch bei Schmuckstücken könne eigentlich nur der Profi unterscheiden, ob es sich um echten Bernstein handle, betont Swetlana. Es seien sehr viele Fälschungen auf dem Markt.

Und wenn man bei den Händlern am Strand oder auf der Kurischen Nehrung Bernstein kauft? Wie stehen da die Chancen, echte Stücke zu bekommen?

Swetlana zuckt mit den Achseln.

"Also fifty, fifty würde ich sagen."

"Das ist traurig. Das könnte man ja verstehen, wenn man zum Beispiel in Russland Bernstein kauft. Da könnte man vielleicht akzeptieren, dass es sich um Fälschungen handelt. Aber wenn die Fälschung aus dem Kaliningrader Gebiet stammt, dann ist das schon sehr traurig."


Sechs Tage nachdem die "Festung Königsberg" am 9. April 1945 gefallen war, besetzten sowjetische Truppen Palmnicken. Die Sowjets waren sich darüber im klaren, dass sie eine Schatztruhe erobert hatten. Doch bevor sie daran gehen konnten, den Schatz zu heben, mussten die Kriegsschäden beseitigt werden. Und so konnte erst im Sommer 1947 die Bernsteinförderung wieder aufgenommen werden. Deutsche wurden als Zwangsarbeiter eingesetzt. Zu den Pionieren der ersten Stunde gehört auch Edith Markina, damals 17 Jahre alt. Sie ist in Jantarnij geblieben, bis heute.

Die letzte Deutsche in Jantarnij
Edith Markina

"Oh, ich bin von 47 hier. Von 1947. Habe doch fünf Jahre im Gefängnis gesessen. Warum? Ein Lied gesungen, dass wir Hunger hatten, dass wir gefroren haben, dass wir nach Hause wollen zu den Eltern. Und das haben sicher einige nicht verstanden. Und wir bekamen fünf Jahre. Ich war 16 Jahre alt, 15. Fünf Jahre musste ich sitzen. Und dann bin ich auch nach hier gekommen, haben sie uns nach hier gebracht. Viele Deutsche, auch Polen, da waren so viele Gefangene damals. Jeder wurde eingesperrt - will gar nicht dran denken."

Der sonst so heiteren, lebensfrohen Edith Markina fällt es sichtlich schwer, über die Nachkriegszeit zu sprechen - die Zeit, als alles begann für sie hier in Palmnicken.

"Eingesperrt wurden wir in Palmnicken. Da war das Bernsteinwerk, und da mussten wir arbeiten. Da war doch keiner da. Da waren noch Deutsche hier. Da waren die Übersiedler ja noch nicht von Russland. Und da konnte keiner arbeiten. Die Deutschen haben uns gelernt am Anfang. Und nachher mussten wir die Russen, die hierher kamen, anlernen. Und ich habe meine ganze Zeit gearbeitet im Bernsteinwerk. Jetzt bin ich eine Rentnerin und ein Invalid. Hmm, hmm."

Edith Markina schmunzelt. Schlimm hat alles angefangen, aber vergleichsweise gut ist es ausgegangen für sie. 1952 durften - mussten - die letzten Deutschen Palmnicken, das jetzt Jantarnij hieß, verlassen. Sie wurden nicht mehr gebraucht. Nur eine Deutsche blieb.

"Ich bin ja die Einzige."

Die einzige, die bleiben durfte - die als Gefangene gekommen war und auch nach der Gefangenschaft im Kombinat blieb.

"Immer im Kombinat habe ich gearbeitet. Am Anfang Perlen, und nachher war ich in der Verpackung. Dann haben wir überall die Pakete abgeschickt. Nach Deutschland und nach Litauen - über-, überall. Und da habe ich die ganze Zeit hier gearbeitet."

"Für uns war das Werk unser Leben, unser Verdienst. Alles war das für uns - das Werk."

Und bei der Arbeit im Bernsteinwerk ist es dann passiert Anfang der 50er-Jahre.

"Und dann hab' ich, hat mit mir eine Bekanntschaft gemacht ein Russe. Der war aus Gorki, der war ein bisschen älter als ich, und der hat mich so behütet, immer so alles Gute gemacht. Und da ging er extra nachts in der Küche arbeiten, dass er mir Essen konnte bringen. Der war mir wie ein Bruder. Ich habe niemals einen Bruder gehabt. Und ich fühlte mich immer wie ein Bruder. Und weiter und weiter und weiter ... Nu, verstehst ja ... Das war mein Ehemann. Dann habe ich 41 Jahre mit ihm gelebt hier in Palmnicken, aber nicht in diesem Haus, wo mein Sohn wohnt mit seiner Frau. Er war ein sehr guter Mensch, oh."

Happy End in Palmnicken. Eine glückliche Ehe, Kinder, Enkelkinder - ein erfülltes Leben im russischen Ostpreußen. Dank des Bernsteinkombinats.

Edith Markina hat Wodka aus dem Kühlschrank geholt, Wurst aufgeschnitten, Brot auf den Tisch gestellt. Die Augen der alten Frau - hinter der übergroßen Hornbrille - sie strahlen. Sie freut sich sichtlich über den überraschenden Besuch, nimmt den Fremden auf wie einen Sohn. Und sie erzählt gern von dem, was sie erlebt hat, in den vielen Jahren, die seit 1947 verstrichen sind.

Das Wohnzimmer - an der Wand, wie in Russland üblich, ein großer Teppich - ist überladen mit einem bunten Sammelsurium von Erinnerungsstücken. In einer Glasvitrine Porzellanfiguren, Tassen, Gläser. Und überall Fotos, Fotos, Fotos.

Der Mann, die Kinder, die Enkel. Neben der Tür ein Jugendbildnis. Sie ist mal hübsch gewesen - Edith Gutzeit. In wenigen Wochen wird sie 79. Heute blickt sie zurück auf ein bewegtes Leben, bedauert nur, dass sie nicht mehr so gut zu Fuß ist. Und sieht mit Sorge, dass die Geißel Arbeitslosigkeit - die man in der Sowjetunion so nicht kannte - jetzt auch in Russland angekommen ist.

Das Haus - ihre Wohnung in der Uliza Sowjetskaja 120 - verlässt Edith Markina nur noch selten. Aber den Wandel in Palmnicken - in Jantarnij - den registriert sie auch vom Küchenfenster aus, direkt vor ihrer Haustür.

"Jetzt, guck mal, früher waren ganz wenig Autos, aber jetzt stehen überall die Autos. Vielleicht haben sie gut geklaut Bernstein ... Wer weiß."


Drei Wellen und eine Perle, aus Bernstein, versteht sich - so präsentiert sich das neue Logo von Jantarnij. Die Stadt will hoch hinaus - will Europas Bernsteinmetropole werden - mit kräftigem Rückenwind der Gebietsregierung in Kaliningrad. Der Absatz des Rohstoffs soll bis 2011 um ein Fünffaches, von 600 Millionen auf mehr als drei Milliarden Rubel gesteigert werden. Und: 3.000 neue Arbeitsplätze sollen zusätzlich geschaffen werden.

An "real existierendem Optimismus" - an Zuversicht - mangelt es den Verantwortlichen in Jantarnij also nicht. Trotz der momentan zurückgehenden Nachfrage. Der Bürgermeister hat allem Anschein nach gute Freunde - in Moskau, in Kaliningrad, und nicht zuletzt in Deutschland.


Mit Bernstein und Tourismus in die Zukunft
Alexander Blinow, Bürgermeister von Jantarnij

"Bernsteinchen" - Hühnerbrühe mit Petersilie, Wachtelei und Blätterteigbrötchen. 80 Rubel.

"Klopse nach Frau Becker" - Klopse aus Hackfleisch gebacken mit Auberginen, Tomaten, Paprika, Kartoffeln. Serviert im Topf. 280 Rubel.

Wir sind im Restaurant des Hotels Becker in Jantarnij. Die Speisekarte ist bemerkenswert. Und nicht allein die Speisekarte.

Auch das Hotel Becker fällt positiv aus dem Rahmen hier im russischen Ostpreußen. Es offeriert nicht nur "Gerichte der alten Preußen", sondern zeichnet sich in jeder Beziehung durch Qualität und Geschmack aus. Da stellt sich die Frage. Wer ist Becker?

Herr Becker, sei gerade in Deutschland, erfahren wir. Aber der Bürgermeister kenne Herrn Becker gut, sei der Freund von Herrn Becker. Also auf zum Bürgermeister.

Alexander Blinow ist ein vielbeschäftigter Mann. Gerade eben hat er die Veteranen des Grossen Vaterländischen Krieges geehrt, morgen fliegt er nach Moskau. Also gerade noch Zeit, dem Bürgermeister die Becker-Frage zu stellen.

Direkt hier neben dem Rathaus das "Hotel Becker", dahinter der Moritz-Becker-Park. Was sagen denn Ihre Landsleute zu soviel "Re-Germanisierung" in Jantarnij?

"Es gibt immer Leute, die über Regermanisierung meckern. Aber zum Glück hat Herr Becker uns eine sehr gute Erbschaft übertragen - das Erbe des Architekten Moritz Becker, des Fotografen Moritz Becker. Das ist wirklich sehr wertvoll für unseren Ort - und das ist unser Stolz. Aus diesem Grund haben wir in dieses Projekt viel Geld investiert. Zum Beispiel wurde der Wasserturm renoviert, die alte Kirche ist renoviert. Und jetzt sind wir gerade dabei, den Park zu rekonstruieren. Da ist es ganz selbstverständlich, dass diese Objekte alle den Namen von Moritz Becker bekommen. Zum Glück hat der Nachfahr von Moritz Becker das Hotel errichtet. Ludwig Becker ist nicht nur ein guter Investor in Jantarnij, er bringt uns auch eine ganze Menge bei, wie man z.B. die alten Gebäude wieder instand setzt. Das Hotel hat er ganz allein gebaut.

Wir helfen gerne mit, denn wir sind überzeugt, dass die alten Gebäude erhalten werden müssen. Und wir geben uns viel Mühe, das alles in Ordnung zu bringen."

Alles Becker - oder was? Hat niemand mehr Angst vor den Deutschen in Jantarnij? Alexander Blinow schüttelt energisch den Kopf.

Nein, Angst vor den Deutschen habe man nicht. Im Gegenteil, nach Jantarnij kämen viele Gäste aus Deutschland, darunter auch die ehemaligen Bewohner. Manche kämen mit dem Fahrrad, andere mit dem Auto. Aus Kaliningrad kämen Touristen, um die herrliche Ostseeküste zu genießen. Angst vor den Deutschen habe keiner hier. Man sei ausgesprochen gastfreundlich. Und bei der Entwicklung des Tourismus in Jantarnij, da könne man von Deutschen eine ganze Menge lernen. Das mache das Leben und die Arbeit noch interessanter.

Vor dem Rathaus wird gerade der Rasen gemäht. Ordentlich gepflasterte Bürgersteige, ein gepflegter breiter Sandstrand, zahlreiche Sport- und Freizeiteinrichtungen, darunter der exklusive Tauchklub POSEIDON 39, Jantarnij wird immer attraktiver.

Und das, so sagen viele hier, sei nicht zuletzt dem Bürgermeister zu verdanken. Alexander Blinow - eigentlich Unternehmer und kein Politiker - habe die Zeichen der Zeit erkannt, habe begriffen, dass Bernstein allenfalls e i n Standbein des Ortes sein kann - dass die goldenen Zeiten für das "Baltische Gold" möglicherweise schon Geschichte sind.

Blinow ist sich im klaren darüber, dass mit dem Kombinat im Moment nicht viel Staat zu machen ist.

"Es gibt enorme Probleme. Eines der Probleme besteht darin, dass das Kombinat in den Jahren der Krise die Konkurrenzfähigkeit eingebüßt hat. Viele Mitarbeiter wurden entlassen, darunter auch Bernstein-Künstler. Und so ist der Ruf des Kombinats, Kunstwerke herzustellen, schönen Schmuck anzufertigen, verloren gegangen. Im Moment sind wir leider nicht konkurrenzfähig gegenüber den Künstlern in Danzig oder in Litauen. Das wissen wir. Heute liegt der Schwerpunkt des Kombinats auf dem Verkauf des Rohstoffs Bernstein. Aber man produziert keinen Schmuck.

Wir hoffen, dass wir irgendwann den einstigen Ruf wieder gewinnen können - natürlich mit Hilfe unserer Kollegen aus Danzig, aus Litauen. Wir betrachten uns nicht als Konkurrenten, sondern als Partner. Das ist die Aufgabe, die vor uns liegt."

Sie wird kaum mit Bernstein gepflastert sein, die Wegstrecke der Bernstein-Stadt Jantarnij in Richtung Zukunft. Aber Bernstein wird wohl immer das i-Tüpfelchen bleiben, das dieses Seebad heller leuchten lässt als die anderen Orte an der Küste des Samlandes.

Bürgermeister Blinow baut auf drei Bs: Bernstein, seinen deutschen Freund Becker und Kaliningrads Gouverneur Boos.

Blinow ist mehr Macher denn Politiker. Er will das Gesicht der Stadt verändern, in der er geboren ist. Jantarnij soll "der schönste Ort der Welt" werden, sagt er. Und man nimmt es ihm ab. Er betrachte seine Arbeit in gewisser Weise als "Mission". Und dabei hat Blinow keinerlei Berührungsängste. So reiste er denn schon zum Heimattreffen der ehemaligen Bürger Palmnickens nach Köln.

Jantarnij, das ist für Alexander Blinow undenkbar ohne Palmnicken.

"Heute haben wir die Chance zu zeigen, dass wir in einem unwahrscheinlich interessanten Land leben - in einem Land mit einer faszinierenden Geschichte, wo Vieles zusammen kommt: die sowjetischen Straßennamen und die preußische Architektur. Das alles müssen wir sorgsam bewahren und an unsere Kinder weitergeben. Damit unsere Kinder die Geschichte fortschreiben und wissen, wo sie zu Hause sind."



Literatur

Rudolf Jacquemien: Bernstein, in: Meiner Heimat Gesicht. Ostpreußen im Spiegel der Menschen und Landschaft. Herausgegeben von Winfried Lipscher und Kazimierz Brakoniecki, Bechtermünz Verlag, Augsburg 2000.

Felix Dahn: Die Bernsteinhexe, in: Ost- und Westpreußen im Spiegel deutscher Dichtung. Hrsg. Bruno Wilm, Verlag von Moritz Diesterweg, Frankfurt am Main 1921.

Tamara Ehlert: Das Stück Bernstein, in: Tamara Ehlert: So war der Frühling in meiner Stadt, Kaliningrad 1993.

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