Montag, 22.01.2018
StartseiteGesichter EuropasEin Kinderheim in Rumänien13.01.2018

Das Haus der verlassenen KinderEin Kinderheim in Rumänien

Seit mehr als 20 Jahren betreibt Sybille Hüttemann-Boca ein Kinderheim in Rumänien. Kurz nach der Revolution ist die deutsche Kinderkrankenschwester zum ersten Mal nach Rumänien gereist - die schrecklichen Bilder aus den Heimen der Ceausescu-Diktatur vor Augen. Was eigentlich nur als Spenden- und Hilfsaktion gedacht war, ist zu ihrem Lebensprojekt geworden.

Von Leila Knüppel und Manfred Götzke

Kinder des Heims "Stern der Hoffnung" spielen mit dem Hund Blacky.  (Leila Knüppel)
Während die anderen Kinder des Heims "Stern der Hoffnung" noch Hausaufgaben machen, spielen die dreijährige Diana und Cosmin mit dem Hund Blacky. (Leila Knüppel)

Erst kümmerte sie sich um misshandelte und verwahrloste behinderte Kinder, später betreute sie Straßenkinder in Bukarest. Sie lebte Monate mit ihnen zusammen, um ihr Vertrauen zu gewinnen, gründete schließlich für sie ein Kinderheim.

Mittlerweile leben Kinder mit ganz unterschiedlichen Problemen in dem Heim "Stern der Hoffung" in der westrumänischen Stadt Alba Iulia. Einige von ihnen wurden von ihren Eltern zurückgelassen, weil diese zum Geld verdienen ins Ausland gegangen sind: EU-Waisen. Andere kommen aus Familien, in denen extreme Armut, Alkohol und Gewalt zum Alltag gehören. Und so war und ist das Kinderheim auch ein Spiegel der sozialen Verhältnisse in Rumänien.

Christiana zeigt Reporter Manfred Götzke ihr Schulabschluss-Heft. Weil ihre Mutter zum Arbeiten nach Spanien gegangen ist, ist Christiana im Kinderheim  (Manfred Götzke / Leila Knüppel) (Manfred Götzke / Leila Knüppel)Mama arbeitet im Ausland
Europa produziert Waisenkinder. Die bittere Armut zwingt Familien in Rumänien, ihre Kinder in fremde Hände zu geben. Denn Arbeit gibt es nur jenseits der Grenze. Wer Pech und keine Verwandtschaft hat, landet als sogenannte Euro-Waise in einem Heim.

 In diesem ehemaligen Kinderheim für behinderte Jungen im rumänischen Dorf Coltesti wurden die Kinder während der Ceaușescu-Zeit unter unmenschlichen Umständen  (Manfred Götzke / Leila Knüppel) (Manfred Götzke / Leila Knüppel)Das Grauen der Ceaușescu-Zeit
Mit Worten lässt sich das Elend nicht beschreiben, das während der Ceaușescu-Diktatur herrschte. Behinderte Kinder, eingesperrt, verwahrlost hinter Gittern. Viele starben, weil sie nicht ins Konzept der sozialistischen Familienpolitik passten. 

Annas Töchter spielen vor der Haustür der kleinen zusammengezimmerten Hütte. Essen gibt es selten, immerhin: Es regnet nicht mehr durch das Dach. (Manfred Götzke / Leila Knüppel) (Manfred Götzke / Leila Knüppel)Hungern mitten in Europa
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Ein altes Schwarz-Weiß-Foto zeigt Kinderheimleiterin Sibylle Hüttemann mit Straßenkindern am Bukarester Nordbahnhof. (Manfred Götzke / Leila Knüppel) (Manfred Götzke / Leila Knüppel)Von der Straße in die Geborgenheit
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