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StartseiteKalenderblatt"Das ist schwer, komisch zu sein"14.07.2009

"Das ist schwer, komisch zu sein"

Vor 50 Jahren starb der Schweizer Musikclown Grock

Am 14. Juli 1959 starb der Schweizer Musikclown Grock. Als Dummer August und Mime, Musiker und Komponist, Akrobat und Jongleur gelang es ihm wie Charlie Chaplin, während fünf Jahrzehnten die Menschen verschiedenster Schichten und Herkunft gleichermaßen zu begeistern.

Von Regina Kusch

Als Charles Adrien Wettach am 14. Juli 1959 starb, verlor die Welt einen ihrer beliebtesten Clowns.

"Nit möööglich!"

Diese Worte waren das Markenzeichen Grocks. Genauso wie sein Äußeres: Mit viel zu großen Schuhen watschelte der Clown aus der Schweiz über die Bühne, seine karierten Hosen und seine Jacke, die von einer Sicherheitsnadel zusammengehalten wurde, schlotterten um ihn herum. Den Mund hatte er weiß ummalt und sich eine Gummi-Glatze über den Kopf gestülpt. Stets schleppte er einen viel zu großen Koffer, in dem sich eine winzige Geige befand. Schon als Kind war Charles Adrien Wettach von der Welt des Zirkus' fasziniert.

"Ich war damals mit meiner Tante Rosalie und ich hab den ersten Clown gesehen, der hat Salto Mortale gedreht und immer Witze erzählt. Und ich hab gelacht und lachen müssen, dass ein jeder sich umgedreht hat, mich anzuschauen, wer ist der kleine Junge, der so laut lacht?"

Seitdem war für Adrien klar, dass er zum Zirkus wollte. Sein Vater, der diese Leidenschaft teilte, brachte ihm das Purzelbäume-Schlagen bei. Jede freie Minute verlebte der Junge im Zirkus. Mit zwölf Jahren trat er bereits als Schlangenmensch und auf dem Drahtseil auf. Doch seine Mutter wollte auf gar keinen Fall einen Artisten zum Sohn. Adrien sollte etwas Anständiges lernen und so wie sein Vater Uhrmacher werden. Aber schon die Lehre hielt er nicht durch.

Auch seine Anstellung in einem Hotel in Lausanne verlor er schnell wieder. Schließlich besorgte ihm die Mutter eine Stelle bei einem ungarischen Grafen, der einen Hauslehrer für seine Söhne suchte. Doch auch da ließ ihn seine Liebe zur Artistik nicht los. Ein Handstand auf einem Fabrikschornstein wegen einer Wette machte ihn dann schnell bekannt. Er bekam zahlreiche Angebote und landete schließlich doch wieder beim Zirkus. Als Grock wurde er mit seinem Partner Antonet berühmt. Doch das Komikerduo war bald zerstritten, erinnert sich Grock in seinen Memoiren.

"In einer Abendvorstellung hatte ich etwas Ulkiges gemacht, als Antonet sagte: Glaubst Du vielleicht, dass das komisch war? Da packte mich die Wut. Ich nahm den Klavierdeckel heraus, um ihm den Deckel auf den Kopf zu schlagen. Hätte er sich nicht hinter die Kulissen geflüchtet, wäre es geschehen. Das Publikum schrie vor Lachen, was mich wieder zur Vernunft brachte. Ich ging zum Klavier zurück und wollte den Deckel wieder einbauen, was mir aber nicht gelang. Ich stellte ihn dann an die linke Außenseite in Verlängerung der Klaviatur. Da kam mir die Idee, meinen Hut hinunter rutschen zu lassen. Ich stieg dann selbst auf die Klaviatur und rutschte meinem Hut nach. So hatte ich im bitteren Ernst einen neuen Trick gefunden."

Aus bitterem Ernst entstand auch ein weiteres Markenzeichen Grocks, das später von vielen Musikclowns kopiert wurde. Er trug stets weiße Handschuhe auf der Bühne, weil er nach einer Überdosis Röntgenstrahlen schwere Verbrennungen verdecken musste.

"Ich bin ein großer Improvisator. Was mir einfällt, kommt raus. Und manchmal kommen gute Sachen raus, nicht wahr."

Grock, der sieben Sprachen fließend sprach und nahezu alle Instrumente spielte, avancierte bald von Europa bis Südamerika zum teuersten Star der Varietés. Dass er 1933 von den Nationalsozialisten geehrt wurde, trug ihm später harte Kritik ein. Bereits vor dem Krieg hatte sich der Künstler an die italienische Riviera zurückgezogen und flüchtete 1944 in die Schweiz. Anfang der 50er-Jahre gründete er seinen eigenen Zirkus, mit dem er noch 74-jährig erfolgreich durch Deutschland, Frankreich und die Schweiz tourte.

"Ich muss arbeiten. Wenn ich zu Haus bin, ich mach nix, wissen Sie, mir ist zu langweilig. Es tut mir leid zu sagen, aber es sind zu wenig gute Clowns jetzt. Clown zu sein, das ist ja nicht so leicht. Man muss was können. Das ist schwer, komisch zu sein."

1954 nahm Grock offiziell in Hamburg seinen Abschied von der Bühne und widmete sich in seinen letzten fünf Lebensjahren seinen Rosenbeeten an der Riviera. Sehr zur Freude seiner Fans trat er noch ab und zu bei Wohltätigkeitsveranstaltungen auf.

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