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StartseiteInterview"Das ist sehr einfach, damit Geld zu machen"12.08.2009

"Das ist sehr einfach, damit Geld zu machen"

Datenschutzbeauftragter warnt vor Datenmissbrauch

Laut Datenschützer Joachim Wahlbrink wird der Datenhandel im Internet weiterhin blühen. Das vom Bundestag verabschiedete neue Datenschutzgesetz verhindere nicht den Verkauf der Millionen von Daten, die bereits illegal im Internet kursierten.

Joachim Wahlbrink im Gespräch mit Tobias Armbrüster

"Wir haben ja keine Internetpolizei." (Stock.XCHNG / Steve Woods)
"Wir haben ja keine Internetpolizei." (Stock.XCHNG / Steve Woods)

Tobias Armbrüster: Wir beginnen mit Bankverbindungen, Konto- und Telefonnummern. Solche Daten sind eigentlich vertraulich, aber mit genau diesen Daten wird im Internet ein Handel betrieben, der nach wie vor blüht. Vor gut einem Jahr war herausgekommen, dass zahlreiche Mitarbeiter von Callcentern in Deutschland solche Daten unerlaubt weiterverkauft haben. Der Bundestag hat deshalb ein neues Datenschutzgesetz erlassen, aber Journalisten des Norddeutschen Rundfunks haben jetzt herausgefunden, dass es nach wie vor kinderleicht ist, diese Datensätze paketweise im Internet zu kaufen.
Mitgehört hat Joachim Wahlbrink, der Datenschutzbeauftragte des Landes Niedersachsen. Schönen guten Tag, Herr Wahlbrink.

Joachim Wahlbrink: Hallo, Herr Armbrüster!

Armbrüster: Sind Sie überrascht darüber, dass der Datenhandel im Internet immer noch blüht?

Wahlbrink: Nein. Das wird noch auf lange Zeit so bleiben.

Armbrüster: Warum? Wo liegt die Schwachstelle?

Wahlbrink: Na ja, man kann da rechtlich regeln was man will; die Millionen von Daten sind bereits illegal im Handel, im Schwunge, die sind überall irgendwo schon für den Verkauf vorgesehen und die kriegt man nicht wieder weg.

Armbrüster: Aber der Bundestag hat doch erst vor Kurzem ein neues Datenschutzgesetz verabschiedet, das eigentlich diesen Handel unterbinden sollte?

Wahlbrink: Ja. Der Regierungsentwurf hatte das auch noch einigermaßen wirksam vorgesehen. Nur die Politik hat sich dann der Lobby gebeugt und hat praktisch das System, mit dem man an die Adressdaten herankommt, so bestehen lassen. Das heißt, dass nur die Nachvollziehbarkeit von Bewegungen neu geregelt worden ist, und das betrifft natürlich nur die neuen Daten. Das heißt im Klartext: Die Daten von uns allen, die schon überall im Netz herummarodieren, die bleiben völlig unverändert und stehen auch weiterhin zur Verfügung und das neue Recht gilt de facto sagen wir mal nur für die Neugeborenen und für die Zuziehenden seitdem.

Armbrüster: Was könnte man denn jetzt machen, um auch diese alten Daten stärker zu schützen?

Wahlbrink: Da ist praktisch nichts möglich. Wissen Sie, wenn das erst mal auf der Straße liegt, dann können sie nicht mehr sagen, wir wollen es aufsammeln. Auch die technischen Möglichkeiten, das jetzt auf einen Stick zu ziehen und dann damit Handel zu machen - wenn sie früher mal im Internet nach Adresshändlern geguckt haben, dann standen da ganze Schränke oder ganze Büros voller Daten mit Karteikarten. Heute kriegen sie das Ding auf so einen kleinen Stick und dann geht das in den Handel. Das ist sehr einfach, damit Geld zu machen, und dann wird das auch genutzt.

Armbrüster: Das klingt jetzt aber für einen Datenschutzbeauftragten sehr resigniert.

Wahlbrink: Na ja, das ist einfach nur realistisch.

Armbrüster: Das heißt, Sie sehen als Datenschützer eigentlich keine Möglichkeit, zum Beispiel die Bürger in Niedersachsen vor dieser Art von Handel zu schützen?

Wahlbrink: Ja. Es gibt natürlich Schutzmöglichkeiten im Einzelfall, aber es gibt keine Möglichkeit, jetzt diese im Internet marodierenden Daten auf einen Schlag dort abzusaugen oder wegzunehmen. Die werden weiterhin gehandelt werden. Wir haben ja keine Internetpolizei, die alles prüft, ob das jetzt vielleicht legal ist oder illegal, was da gemacht wird. Das Einzige, was man machen kann - und das kann man effektiv machen -, wir alle für uns müssen gucken, dass wir uns davor ein bisschen schützen, und das kann man auch effektiv machen, indem man aufpasst.

Armbrüster: Gehen die Internetnutzer zu sorglos mit ihren Daten um?

Wahlbrink: Na ja, es wird besser. Nach allem, was wir so hören ist es so: Man weiß inzwischen, dass man aufpassen muss. Man weiß, wenn Anrufe kommen, die man nicht sortieren kann, dann legt man einfach auf und diskutiert nicht wer weiß wie lange. Man weiß, man darf keine Kontodaten, Bankkontodaten benennen. Das wird auch manchmal gerne ausgeforscht von Callcentern. Und vor allen Dingen man muss aufs Konto gucken, ob da irgendwelche Abbuchungen drin sind. Die kann man ja jederzeit innerhalb eines relativ großen Zeitraums rückgängig machen. Wenn jetzt irgendwelche Anrufer sich melden und mal eben kurz ein paar Hundert Euro abbuchen, sofort hin und stornieren lassen. Das geht oft zwanglos.

Armbrüster: Sind Sie denn optimistisch, dass das neue Datenschutzgesetz, das ja im Juli verabschiedet wurde, den Handel mit diesen neuen Daten, mit den aktuellen Daten besser verhindert?

Wahlbrink: Ja. Das ist eine Verbesserung, nicht das, was wir uns gewünscht hatten - wir hatten ja eine grundsätzliche Umstellung des Systems gefordert -, aber man kann sagen, wenn man dann genug Zeit und Personal hat, dann kann man da hinterherforschen und sagen, wo kommen denn diese Daten her. Es muss darin notiert sein, wo die herkommen, und dann kann man zurückführen, wo irgendwo die Schwachstelle ist, wo das Leck ist, wo es dann herkommt.

Armbrüster: Das heißt aber doch, dass langfristig dieses Geschäft austrocknen wird?

Wahlbrink: Nein. Es besteht ja auch weiterhin die Möglichkeit, diese Daten zu bekommen. Es ist ja nicht alles illegal; es ist nur illegal, damit im großen Stil geschäftsmäßig herumzuhantieren. Es geht jetzt immer um Adressdaten. Adressdaten sind auch nach der neuen Rechtslage zulässiger Gegenstand, aber es kommt eben darauf an, mit welchen Daten da gehandelt wird. Nur die reine Adresse, das ist nicht das Problem. Damit hat auch kaum jemand ein Problem. Kompliziert wird es ja dann und auch kriminell wird es dann, wenn Bankdaten missbraucht werden.

Armbrüster: Und da sind Sie optimistisch, dieser Handel wird aussterben?

Wahlbrink: Aussterben wird er sicherlich nicht, denn solche Sachen sind so schön und leicht zu machen. Das Geld liegt da praktisch zum Bücken auf der Straße und wer das braucht, der macht das auch. Aber man kann hinterhergehen und es überprüfen und auch sanktionieren.

Armbrüster: Der Handel mit vertraulichen Daten im Internet ist nach wie vor ein blühendes Geschäft. Das war der Datenschutzbeauftragte des Landes Niedersachsen, Joachim Wahlbrink, im Gespräch mit dem Deutschlandfunk und dieses Interview haben wir kurz vor der Sendung aufgezeichnet.

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