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StartseiteInterview"Das kommt offensichtlich beim Publikum sehr gut an"13.12.2010

"Das kommt offensichtlich beim Publikum sehr gut an"

Medienexperte Dörner über den Afghanistanbesuch des Ehepaars zu Guttenberg

Nach Ansicht von Andreas Dörner ist die Reise der zu Guttenbergs nach Afghanistan in "enger Absprache mit den PR-Beratern des Ministers" geplant worden. Die Marke Guttenberg werde bewusst als Paketlösung, "nämlich mit Minister und Ehefrau" verkauft.

Andreas Dörner im Gespräch mit Christian Bremkamp

Stephanie zu Guttenberg, aufgenommen im Feldlager der Bundeswehr in Kundus   (AP)
Stephanie zu Guttenberg, aufgenommen im Feldlager der Bundeswehr in Kundus (AP)
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Christian Bremkamp: Wie eben bereits angemerkt, befindet sich Verteidigungsminister zu Guttenberg seit heute auf Truppenbesuch in Afghanistan, und er ist nicht alleine geflogen. Begleitet wird er von den Ministerpräsidenten Niedersachsens und Sachsen-Anhalts sowie von seiner Ehefrau und von TV-Moderator Johannes B. Kerner, der in Afghanistan eine Talkshow mit dem Verteidigungsminister und Soldaten aufzeichnen will. Was ist davon zu halten, wenn ein Verteidigungsminister seine Frau und einen TV-Moderator mit nach Afghanistan nimmt? – Darüber möchte ich jetzt sprechen mit dem Medienexperten Andreas Dörner von der Universität Marburg. Guten Tag, Herr Dörner.

Andreas Dörner: Einen schönen guten Tag.

Bremkamp: Gestern noch im Jahresrückblick von Thomas Gottschalk, heute bereits medienwirksam in Afghanistan unterwegs. Laufen wir Gefahr, dass politische Inhalte mehr und mehr von der Macht der Bilder verdrängt werden?

Dörner: Die Gefahr ist natürlich dann vorhanden, wenn tatsächlich die Sachpolitik durch eine inhaltsleere symbolische Politik verdrängt wird. Ich glaube, im Fall der Guttenbergs ist die Situation ein bisschen komplizierter. Wir haben auf der einen Seite natürlich dieses Glamourpaar, dann noch mit Adelsfaktor, Yellow Press ist mit an Bord, "Ein Glamourpaar auf dem Weg ins Kanzleramt", so hat der Spiegel ja kürzlich getitelt. Da werden sicherlich Medienauftritt und Politikvermittlung auch zur Förderung der eigenen Karriere gemacht. Auf der anderen Seite muss man aber sehen, dass man in der heutigen Mediendemokratie im Grunde genommen eine Sachpolitik ohne Unterstützung auf der medialen, auf der symbolischen Ebene gar nicht mehr wirkungsvoll umsetzen kann.

Bremkamp: Woran liegt das? Interessieren sich die Menschen einfach nicht mehr für Liveberichterstattung aus dem Bundestag, für Interviews, klassischen Interviews?

Dörner: Es ist tatsächlich so, dass spätestens seit wir ja Mitte der 80er-Jahre die sogenannte duale Rundfunkordnung bekommen haben mit privaten Fernsehanbietern sich insgesamt die Medienkultur in Deutschland sehr stark in Richtung Unterhaltung verändert hat. Das heißt, die Wahrnehmungsgewohnheiten, die Sehgewohnheiten, die Erwartungen des Publikums verändern sich auch und die Leute sind zunehmend weniger bereit, sozusagen nüchterne Informationen zur Kenntnis zu nehmen, wenn sie nicht in irgendeiner Weise unterhaltsam gerahmt sind. So, glaube ich, ist auch dieser Coup jetzt mit dem Auftritt in Afghanistan mit der Ehefrau – das ist ja auch ungewöhnlich, dass ein Bundesminister bei Dienstauftritten seine Ehefrau mit an Bord hat, das kommt ja normalerweise eher nur Kanzlern oder Bundespräsidenten zu -, dass das einfach ein weiterer Weg ist auf dieser Methode, Sachpolitik möglichst medienwirksam einem breiten Publikum nahezubringen.

Bremkamp: Frau zu Guttenberg – das haben wir eben gehört – sagt ja, es sei ihr eigener Wunsch gewesen, einmal in Afghanistan mit dabei zu sein. Nehmen Sie ihr das ab?

Dörner: Wir wissen ja nicht zuletzt durch das eigene Medienformat, das Frau zu Guttenberg unter dem Titel "Tatort Internet" bei RTL 2 gemacht hat, dass sie sich sehr bewusst ist ihrer Ausstrahlung, ihrer Möglichkeiten in der Medienarbeit. Ich glaube natürlich, das ist in enger Zusammenarbeit, in enger Absprache mit den PR-Beratern des Ministers gemacht worden. Aber was man hier eben sieht: Man versucht, ganz bewusst die Marke Guttenberg als Paketlösung, nämlich mit Minister und Ehefrau zu verkaufen, und das kommt offensichtlich beim Publikum sehr gut an.

Bremkamp: Haben Sie eine Antwort auf die Frage, warum gerade Johannes B. Kerner mitgeflogen ist?

Dörner: Ja. Das lässt sich eigentlich sehr klar beantworten. Wir machen ja in Marburg und Wuppertal gerade ein großes Forschungsprojekt zu Politikerauftritten in Personality Talks, also bei Kerner, Beckmann, Maischberger und Co., und wir haben in unseren Interviews mit den verschiedenen Leuten ganz klar herausgekriegt, dass es in der Medienszenerie, die die Politiker natürlich sehr gut kennen, ganz unterschiedliche Leute gibt. Kerner gilt als kooperativ, als verlässlich, der hält sich an Absprachen, der versucht, seine Leute, die er zu Gast hat, nicht bloßzustellen, da geht man gerne hin, so wie Dieter Althaus auch nach seinem tragischen Ski-Unfall. Der erste Weg in die Öffentlichkeit führte ihn zu Kerner, weil er wusste, hier werde ich nicht bloßgestellt oder angegriffen. Andere Moderatoren wie Beckmann beispielsweise sind nach Aussage der Politiker da sehr viel unberechenbarer. Also nimmt man lieber Kerner mit auf die Reise.

Bremkamp: Ist also zu befürchten, dass Spitzenpolitiker künftig nur noch in, sagen wir, Kuschel-Talkshows auftreten werden?

Dörner: So weit würde ich nicht gehen. Ich glaube allerdings, dass das zunehmend ein Faktor in der PR-Strategie der Politiker sein wird, nicht nur in die Debattenshows zu gehen – da werden wir ja ohnehin im nächsten Jahr in der ARD Zuwachs bekommen, indem Jauch neben Plasberg und Will auch noch Debatte veranstaltet. Ich glaube, es kommt darauf an, dass man sich in angenehmer Atmosphäre als nette Persönlichkeit, als jemand, der Humor hat, der auch bereit ist, von seinem eigenen Privatleben ein bisschen Einblick zu geben, dass so etwas mit dazugehört, und Politiker, die sich dem kategorisch verweigern, haben Probleme, wirklich konsequent ihre Karriere aufzubauen.

Bremkamp: Kurze Frage zum Schluss, bitte kurze Antwort. Guttenberg der Medienstar, kann ihm das alles auch noch mal auf die Füße fallen?

Dörner: Ich glaube, solange er darauf achtet, dass er eine solide Sachpolitik betreibt, so wie jetzt mit der Bundeswehrreform, solange er den Rückhalt in der Partei behält, kann er sich die Ausflüge in die Glamourwelt der Medien gut erlauben, das wird ihm nicht schaden. Sobald aber in den Augen des Publikums eine Diskrepanz auftritt zwischen Medienstar und schlechter Sachpolitik, da wird er sicherlich Probleme kriegen.

Bremkamp: Der Medienexperte Andreas Dörner von der Universität Marburg. Herzlichen Dank!

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