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StartseiteInterview"Das Konzept ist sicher das falsche"15.09.2009

"Das Konzept ist sicher das falsche"

Laut dem Direktor des Adolf-Grimme-Instituts hat sich TV-Duell mit vier Moderatoren "überlebt"

"Das ist ein Ritual, das sich in dieser Form sicher eher überlebt hat", sagt der Direktor des Adolf-Grimme-Instituts, Uwe Kammann, über das TV-Duell zwischen Merkel und Steinmeier. Er fand die größere Runde mit den drei Vertretern der Opposition aufschlussreicher - will aber dennoch nicht auf das Kanzler-Duell verzichten.

Uwe Kammann im Gespräch mit Petra Ensminger

TV-Duell zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier (AP)
TV-Duell zwischen Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier (AP)

Friedbert Meurer: Etwa 14 Millionen Fernsehzuschauer haben Sonntagabend das Kanzlerduell gesehen zwischen Angela Merkel und ihrem Herausforderer Frank-Walter Steinmeier. Vier Jahre vorher waren es erheblich mehr; 21 Millionen sahen Merkel gegen Gerhard Schröder. Gesternabend kam die Opposition zum Zug.
Wenn wir vergleichen: gestern wurde zweifellos mehr gestritten als Sonntag. Sonntag, das war eher ein Duell der leisen Töne. Meine Kollegin Petra Ensminger hat gestern Abend den Direktor des Adolf-Grimme-Instituts gefragt, Uwe Kammann, woran denn der Eindruck gelegen habe, am Sonntag sei es langweilig gewesen.

Uwe Kammann: Ich glaube, die Inszenierung selber ist natürlich sehr starr. Das ist ja eine Proporzveranstaltung, wo die Parteienzentralen sehr genau auf alle Einzelheiten achten, von der Beleuchtung bis zur Redezeit, und auch die vier beteiligten Sendeanstalten achten ja darauf, dass jeweils ihr Starmoderator vertreten ist, und da lag ja schon der ganz große Fehler. Vier Moderatoren und zwei Kandidaten, das ist viel zu viel und die vier hatten dazu noch das Problem mit sich selber. Es ist eine Art von Markt-Schaulaufen, wer ist denn der beste, der witzigste, der frechste, und das hat den Rhythmus und die Erkenntnis, die man daraus ziehen konnte, bei den Fragen und Antworten dann sehr stark gemindert. Das ist ein Ritual, das sich in dieser Form sicher eher überlebt hat.

Petra Ensminger: Einer konnte allerdings punkten. Das zumindest ergab ja eine neue Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen. 22 Prozent der Befragten sehen heute, dass Steinmeier Sieger dieser verbalen Auseinandersetzung war, und 14 Prozent sehen Frau Merkel als Siegerin. Ein bisschen hat der Auftritt also was bewirkt.

Kammann: Ja, wenn das so ist. Das sind ja oft Momenteindrücke. Dann geht es dann um eine Erstsympathie. Mir ist das nicht genau genug. Ich glaube, diese Art von Umfragen sind wie viele andere auch eher so eine Art wissenschaftlicher Kaffeesatzleserei. Das gibt sich sehr rational und hat was mit Zahlen, war ja auch eine Art von Genauigkeit nach außen, aber ich glaube, tatsächlich ist es sehr schwer zu sagen, wie was wirkt. Das hat sich ja auch an anderen Stellen schon gezeigt. Da bin ich sehr vorsichtig. Man kann das zwar als ein erstes Stimmungsbarometer mal zur Kenntnis nehmen, aber mehr Schlüsse würde ich daraus nicht ziehen.

Ensminger: Sie sagen, das ganze Konzept war ein bisschen schwierig: vier Moderatoren stehen zwei Politikern gegenüber. Per se also das falsche?

Kammann: Ja. Das Konzept ist sicher das falsche. Es wäre ja sehr viel besser, wenn die beiden miteinander streiten könnten, vielleicht durch einen Moderator nur kurz mit einer ersten Frage angewärmt und dann müsste es losgehen, dann würden sie ihren eigenen Rhythmus finden, könnten punkten, indem sie eigene Themen setzen und versuchen, sich durchzusetzen. Auch das ist ja eine politische Qualität. Das war ja alles nicht da. Und am Schluss, darf man ja nicht vergessen zu erwähnen, gipfelte das ja noch in zwei Werbespots - das war ja auch beim letzten Mal so -, in dem jeder ein schönes Schlusswort sprechen darf, damit man ja nicht sozusagen mit dem falschen improvisierten Schlusswort endet. Das zeigt ja noch mal, dass diese ganze Veranstaltung viel zu sehr auf eine Regelhaftigkeit aufbaut, die letzten Endes die lebendige Diskussion abwürgt.

Ensminger: Es kam mehrmals der Vorschlag, doch möglicherweise dann nicht die Moderatorenrunde zu verkleinern, sondern eben die Teilnehmerrunde zu vergrößern. FDP-Chef Guido Westerwelle ist einer, der dieses Konzept favorisiert und sagt, wir müssen ein großes Duell bekommen. Würde das möglicherweise der Sache gut tun?

Kammann: Davon hat es ja auch eine Menge an Runden gegeben, daran mangelt es ja nicht. Ich finde es schon reizvoll zu sagen, die beiden, die tatsächlich dann die Kanzlerschaft unter sich ausmachen, weil sie die mit Abstand größten Chancen haben, sollten schon in einem Duell zu sehen sein, auch wenn ja letzten Endes der Bundestag den Kanzler wählt. Es ist ja nicht so, als ob wir damit auch so eine reine Personenwahl hätten. Aber diese Zuspitzung hat schon etwas für sich und dann hat sich ja an der Dreierrunde gezeigt, dass man ja die andere Seite dieser Palette des Spektrums auch sehr gut abbilden kann. Also ich finde, in der Ergänzung ist das sogar nicht schlecht. Man kann das andere machen, wenn man sagt, ich will diese reine Form des scheinbaren Duells, das ja mit einem Toten eigentlich enden müsste, so nicht, aber ich finde, das ist kein Hindernis, um zu einem bestimmten Beurteilungsspektrum zu kommen.

Ensminger: Erste Reaktionen auf die heutige Auseinandersetzung im Fernsehen waren ja, dass es durchaus lebendiger war als das gestrige Spektakel. Dies spricht dann doch dafür, dass man sagt, okay, wir versuchen es noch mal mit einer großen Runde?

Kammann: Ja, wäre natürlich möglich. Es hängt natürlich auch von den Personen ab. Es ist ja zurecht gesagt worden, gestern war es schwierig, dass die Konkurrenten miteinander kämpfen sollten und zur Attacke blasen sollten, die das natürlich nicht können, weil sie ja tatsächlich in einer Koalition kooperieren und wahrscheinlich sich in Gedanken schon darauf eingerichtet haben, diese Koalition fortzuführen. Sie konnten sich also nicht sozusagen mit harten Bandagen bekämpfen. Heute waren ja auch andere Charakteren und andere Temperamente zu hören. Ich fand es durchaus beeindruckend, wie viel klarer, konkreter und präziser vor allen Dingen Westerwelle und Trittin gepunktet haben. Lafontaine, der ja immer als der große Rhetor gefeiert wird, finde ich, ist da deutlich abgefallen. Da war vieles konfuser, nicht so präzise. Es war ein ganz anderes Temperament in der heutigen Runde, sicherlich auch, weil die politischen Positionen unterschiedlicher waren. Das war ja in der gestrigen Runde ganz klar zu hören: in vielem waren sich Steinmeier und Merkel ja sehr ähnlich. Das war heute sicherlich anders, aber es war sicher auch ein Verdienst der Moderatoren heute. Es waren eben nur zwei, die sehr viel besser aufeinander eingespielt waren und die alles in allem diese Runde sehr viel sachdienlicher geleitet haben.

Meurer: Petra Ensminger sprach gestern Abend mit dem Medienwissenschaftler Uwe Kammann.

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