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StartseiteCampus & KarriereExzellenz in der Tradition von Martin Luther King04.04.2018

Das Morehouse College in AtlantaExzellenz in der Tradition von Martin Luther King

Am privaten Morehouse College in Atlanta studierte einst der berühmte Bürgerrechtler Martin Luther King. Auch 50 Jahre nach dessen Tod werden auf dem Campus junge Menschen zu Gemeinwohl-orientierten Führungspersönlichkeiten gebildet. Allerdings nur Männer.

Von Jeanette Seiffert

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Members of the graduation class of 2013 stand during the commencement ceremony before US President Barack Obama delivers the key address at Morehouse College on May 19, 2013 in Atlanta, Georgia. AFP PHOTO/Mandel NGAN / AFP PHOTO / MANDEL NGAN (AFP)
Das private Morehouse College wurde einst als eine Art Harvard für Afroamerikaner gegründet. Im Bild: Absolventen von 2013. (AFP)
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Der weitläufige Campus des Morehouse College liegt in der milden Frühlingssonne: ein Sammelsurium an historischen braunen Backsteinhäusern und neueren Gebäuden. Im Schatten einer überlebensgroßen Bronzestatue von Martin Luther King unterhält sich eine Gruppe Studenten, die Hände tief in den weiten Baggy-Hosen vergraben. Unter dem strengen Blick des berühmten Bürgerrechtlers unterhalten sie sich über Alltägliches: Football, Autos, die Party am vergangenen Wochenende. Ein junger Afroamerikaner dreht mit seinem Cabrio zu lauter Hiphop-Musik ein paar Runden auf den breiten Campus-Wegen.

Doch der erste Eindruck täuscht: Tradition wird am Morehouse großgeschrieben. Und wer hier studiert, tut das in dem Bewusstsein, privilegiert zu sein.

In der angrenzenden Martin Luther King International Chapel führt eine ältere Studentin ein paar Besucher durch die Kapelle. An den hohen Marmorwänden prangen Zitate des berühmtesten Absolventen des Morehouse College.

Geist des Aktivismus und Widerstands

Lewis Miles, ein hochgewachsener Afroamerikaner mit Brille und akkurat gebügeltem Hemd, studiert im vierten Jahr Politik. Gemeinsam mit einigen anderen Studenten erforscht er die Bürgerrechtsbewegung der 1960er-Jahre.

Die Tatsache, dass Martin Luther King hier studiert hat, zähle zu den vielen Dingen, die Morehouse für Studenten attraktiv machen, sagt er.

Es herrsche ein Geist des Aktivismus und des Widerstands, der einen ansporne, erwachsen zu werden - und nicht nur an sich selbst, sondern an die Gemeinschaft zu denken. Dieser kollektive Geist gebe ihm Energie und treibe ihn an - und das mache Morehouse zu etwas ganz Besonderem.

Auch Weiße auf dem Campus – aber nur Männer

Vor gut 150 Jahren wurde Morehouse als privates Männer-College für Afroamerikaner gegründet. Zu den Universitäten der Weißen hatten Afroamerikaner damals keinen Zugang, erklärt Vicky Crawford, Direktorin der College-eigenen Martin-Luther-King-Sammlung.

Als King Mitte der 1960er-Jahre hier studierte, war Morehouse noch eine der wenigen Hochschulen für Schwarze. Noch heute sind weiße Gesichter auf dem Campus nur selten zu finden. Und es sind nach wie vor nur Männer zugelassen. Heute eine echte Rarität: Morehouse ist eine von gerade einmal drei nicht-religiösen Hochschulen in den USA, die ausschließlich Männer aufnehmen. Auch das hänge mit der Gründungsgeschichte des Colleges zusammen, erklärt Crawford. Die Mission von Morehouse sei von Anfang an gewesen, junge Männer auf Führungsaufgaben vorzubereiten.

Unter anderem gibt es besondere Mentoring-Programme, bei dem ältere Studenten und Alumni jüngeren Kommilitonen bei Studium und Karriereplanung unterstützen.

Eine Art Harvard für Afroamerikaner

Tatsächlich gilt Morehouse heute als Kaderschmiede – eine Art Harvard für Afroamerikaner. Mit Führungsfiguren seien aber nicht nur künftige Spitzenpolitiker oder gar Präsidenten gemeint, betont Vicky Crawford – sondern alle, die ein Vorbild für andere sein könnten.

Doch wie passt dieser Anspruch zu einem privaten College, das mindestens 11.000 Dollar pro Semester kostet?

Man bemühe sich, für Studenten Finanzierungsmöglichkeiten zu finden – aber leider gebe es in den USA keine Kultur dafür, eine Hochschule besuchen zu können, ohne dafür zu bezahlen. Aber vielleicht, so hofft Vicky Crawford, werde es eines Tages soweit sein.

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