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StartseiteKultur heute"Das Problem sind nicht die Leser"13.07.2010

"Das Problem sind nicht die Leser"

Zeitungen hoffen auf wirtschaftliche Erholung

Für die Krise der Zeitungsbranche sind nach Ansicht von Dietmar Wolff, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), nicht die Leser verantwortlich, die durchaus bereit seien, für Inhalte zu zahlen. Vielmehr habe die wirtschaftliche Krise den Anzeigenmarkt einbrechen lassen.

Dietmar Wolff im Gespräch mit Stefan Koldehoff

2009 war eines der schwierigsten Jahre der Zeitungsgeschichte. (AP)
2009 war eines der schwierigsten Jahre der Zeitungsgeschichte. (AP)

Stefan Koldehoff: "2009 - schwierigstes Jahr der Zeitungsgeschichte" lautet die Überschrift einer Agenturmeldung von heute Nachmittag, und dann folgt ein kurzer Bericht von der heutigen Jahrespressekonferenz des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger BDZV in Berlin. Nun klagt die Branche schon seit Längerem über die Folgen der Digitalisierung, die offenbar immer mehr Leser von den Kiosken ins Internet treibt. Meine Frage ging an den Hauptgeschäftsführer des BDZV, an Dietmar Wolff, ihn habe ich vor dieser Sendung gefragt: Was hat denn für Ihre Mitglieder nun 2009 zu einem besonders schrecklichen Jahr gemacht?

Dietmar Wolff: Also, wir haben im Verlauf des Jahres 2009 ja schon gesehen, zur Mitte des Jahres, als wir unsere Pressekonferenz gegeben haben, dass es ein schwieriges Jahr wird. Das lag nun vordringlich an der allgemeinen Wirtschafts- und Finanzkrise, unter der nicht nur die Zeitungen im Übrigen, sondern alle klassischen Werbeträger doch sehr gelitten haben. Und da war zu der Zeit schon absehbar, dass die Märkte, insbesondere die Anzeigenmärkte doch sehr stark schrumpfen werden.

Koldehoff: Also sind das Problem gar nicht die Leser, die lieber ins Internet gehen als an den Kiosk, sondern es ist tatsächlich die werbetreibende Wirtschaft?

Wolff: Also, das Problem sind nicht die Leser, ganz im Gegenteil: Die Leser sind sogar bereit, auch noch mehr für die Zeitungen zu zahlen, sie honorieren das schon, wenn sie ein Qualitätsprodukt bekommen. Die Probleme liegen in der Tat im Anzeigenbereich. Die Zeitungen sind - wie andere werbefinanzierte Medien - natürlich auch abhängig von der allgemeinen wirtschaftlichen Lage, und die hat halt nichts hergegeben im vergangenen Jahr, sie war in einer Krisensituation, und das schlägt dann eben auch auf werbefinanzierte Medien nieder.

Koldehoff: Wo könnte eine Lösung liegen - im Gehen in den digitalen Bereich?

Wolff: Sicherlich im digitalen Bereich, aber zunächst einmal hoffen wir natürlich, dass der Gesamtwirtschaftsmarkt noch mal wieder anzieht, dass auch wieder Stellen geschaffen werden, sodass die Stellenanzeigen auch wieder vermehrt geschaltet werden. Das ist der eine Hoffnungsträger. Darüber hinaus blicken wir natürlich auf das, was bei den elektronischen Lesegeräten jetzt auf uns zukommt - in diesem Jahr werden noch mehrere Geräte auf den Markt kommen neben dem iPad, das wir ja schon auf dem Markt sehen -, auch das sind Hoffnungsträger, dass die Verlage dort einsteigen werden. Sie bereiten sich derzeit auch intensiv darauf vor, mit Marketingstrategien, mit Inhalten, Design und so weiter. Und die große Hoffnung ist, dass das Geschäftsmodell, nämlich Anzeigenerlöse und Vertriebserlöse, dieses Geschäftsmodell aus dem herkömmlichen Markt auch in den Onlinemarkt hinübergenommen werden kann.

Koldehoff: Der "Spiegel" macht das ja schon vor, da kostet die Version fürs iPad sogar mehr Geld als die gedruckte Ausgabe am Kiosk. Die Bundesjustizministerin Frau Leutheusser-Schnarrenberger hat versprochen, sie werde das Leistungsschutzrecht für Verleger im Internet stärken, also dafür sorgen, dass man dort nicht die Sachen völlig kostenlos abgreifen kann, für die geistiges Eigentum aufgebracht wird, die also eigentlich auch Geld kosten sollten. Ist Ihnen das eine Beruhigung?

Wolff: Es ist ein Baustein, und zwar ein sehr wichtiger Baustein. Frau Leutheusser-Schnarrenberger hat aber auch zu Recht gesagt, es kann nicht die Lösung aller Probleme sein und es kann vor allen Dingen kein Ersatz sein für andere Geschäftsmodelle, die werden natürlich weiter gesucht. Und Sie haben ja zu Recht schon angesprochen, dass Verlage mit ihren Produkten wie jetzt spiegel.de aber auch der Axel-Springer-Verlag ist unterwegs und bietet auch schon Bezahlinhalte an. In diese Richtung wird auch gegangen und gedacht und das ist ein wichtiges, weiteres Standbein, dass demnächst auch im mobilen Bereich dann eben auch Vertriebserlöse eingespielt werden, das heißt: Die Verlage müssen schon darauf hinarbeiten, dass sie eben auch von den Nutzern Geld verlangen können im Onlinebereich, und da sind wir auch zuversichtlich. Also, wir haben da schon Hinweise, dass die Nutzer auch bereit sind, für exklusive Inhalte auch zu zahlen.

Koldehoff: Das heißt aber, wenn ich Sie richtig verstehe: Sie rechnen nicht damit, dass wir irgendwann die Zeitungen völlig ohne Papier haben werden und alle Druckereien zu machen?

Wolff: Also, das ist doch für diese Zeit wirklich Kaffeesatzleserei. Ich rechne ganz im Gegenteil damit, dass wir noch lange auf das Papier bauen, denn die Leser werden bereit sein, auch für das Papier zu zahlen. Insofern blicke ich da ganz optimistisch - auch für die Papiere und Zeitungen - in die Zukunft.

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