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Das Sterben eins Kulturgutes

Der Überlebenskampf der Frankfurter Rundschau währte schon lange

Von Ludger Fittkau, Deutschlandradio

Bald Geschichte? - Eine Ausgabe der "Frankfurter Rundschau"
Bald Geschichte? - Eine Ausgabe der "Frankfurter Rundschau" (AP)

Die Chancen, dass die Frankfurter Rundschau einen neuen Investor findet, stehen schlecht. Denn auch andere Tageszeitungen verlieren Auflage, schließen Lokalredaktionen, legen Druckereien zusammen. Das Internet nimmt den Blättern die Leser weg, kommentiert Ludger Fittkau.

Die Meinungsvielfalt stirbt! Dieser Satz einer Frau, die in den 60er Jahren ihre Ausbildung bei der Frankfurter Rundschau machte und heute als Rentnerin zur Belegschaftsversammlung eilte, klingt vielleicht dem einen oder anderen zu dramatisch.

Er ist aber wahr. Sicher, die Frankfurter Rundschau hatte vor allem nach der Wende und der Verlagerung der Hauptstadt von Bonn nach Berlin ein gutes Stück der Meinungsmacht eingebüßt, die sie noch im Westdeutschland vor der Wende hatte. Der Berliner Zeitungsmarkt ist vielfältig und die "Rundschau" schien für viele gerade in der neuen Hauptstadt schon lange verzichtbar zu sein. Doch was man nicht vergessen sollte: Gerade für das Rhein-Main-Gebiet war die Frankfurter Rundschau nach wie vor eine wichtige Institution. Ein Baustein der Medienvielfalt in einer Region, die einfach daran gewöhnt ist, verschiedene veröffentlichte Meinungen zur Auswahl zur haben. Das macht auch ein gutes Stück der Weltoffenheit aus, die diese Region seit langem prägt.

Sicher, der Überlebenskampf der Frankfurter Rundschau währte schon lange. Seit mehr als einem Jahrzehnt kämpft das Blatt ums Überleben und hat schmerzliche Sanierungsprozesse hinter sich. Sogar in die fast vollständige Abhängigkeit einer Partei – der SPD – hatte sich die Zeitung zeitweise begeben, um am Markt zu bleiben. Dann, so schien es, war es der Kölner Verleger Neven DuMont, der als Retter dem Traditionsblatt eine Zukunft geben würde.

Doch auch er scheiterte jetzt beim Versuch, das alte links-liberale Flaggschiff der bundesrepublikanischen Zeitungslandschaft wieder flott zu machen. Jetzt gibt es die Appelle an den Insolvenzverwalter, für die Rundschau und ihren 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit aller Kraft einen Ausweg zu suchen.

Doch die Chancen, dass die Frankfurter Rundschau einen neuen Investor findet, stehen schlechter denn je. Denn auch andere Tageszeitungen verlieren Auflage, schließen Lokalredaktionen, legen Druckereien zusammen. Das Internet nimmt den Blättern, die solange die Meinung hierzulande machten, die Leser weg. Junge Leute abbonieren immer weniger Tageszeitungen, die kommerziellen Online-Angebote der Verlage können die Verluste bei den Lesern der gedruckten Ausgaben oft immer noch nicht ausgleichen.

Die Meinungsvielfalt stirbt – zumindest bei dem, was gedruckt auf dem Frühstückstisch landet. Sicher – eine Tageszeitung ist kein Weltkulturerbe wie die Pyramiden oder die chinesische Mauer. Massenmedien haben eine kürzere Halbwertszeit. Doch die Frankfurter Rundschau ist auch schon fast siebzig Jahre alt. Sie war ein Symbol des Sieges über den Faschismus in Deutschland. Wenn sie stirbt, stirbt damit tatsächlich ein wichtiges Kulturgut hierzulande.

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