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StartseiteKalenderblattDas Wunder von Lourdes11.02.2008

Das Wunder von Lourdes

Vor 150 Jahren hatte Bernadette Soubirous ihre erste Marien-Erscheinung

Als der 14-jährigen Bernadette Soubirous am 11. Februar 1858 in einer Grotte unweit von Lourdes eine strahlend schöne Frau erschien, wurde die Stätte berühmt: Millionen von Menschen aus aller Welt besuchen seitdem den vormals unscheinbaren Ort in den Pyrenäen. Zum 150. Jubiläum wird ein wahrer Ansturm von Gläubigen erwartet.

Von Anna Gann

Der Wallfahrtsort Lourdes. (AP Archiv)
Der Wallfahrtsort Lourdes. (AP Archiv)

Massabielle war einst ein unwirtlicher Ort unweit der Kleinstadt Lourdes in den französischen Westpyrenäen. Doch als am 11. Februar 1858 der 14-jährigen Berna-dette Soubirous in der Grotte erstmals eine junge, strahlend schöne Frau erschien, wurde alles anders. Die Millionen von Menschen aus aller Welt, die jährlich singend und betend an den Felsen strömen, sind überzeugt: Die Erscheinung war die Mut-tergottes, und sie hat an dieser Stelle Wunder gewirkt.

An einem Seil oberhalb der Grotte hängen Krücken, zurückgelassen von Kranken, die hier auf unerklärliche Weise gesund wurden. "Die Dame", wie Bernadette sie nennt, erscheint ihr insgesamt 18-mal innerhalb eines halben Jahres. Von der ersten Begegnung wird sie beim Holzsammeln überrascht:

"Ich bemerkte eine Dame in Weiß, dann wurde ich ein wenig ergriffen, und da ich glaubte, vor einer Täuschung zu stehen, rieb ich mir die Augen, aber vergebens. Ich sah immer dieselbe Dame. (…) Ich warf mich auf die Knie und betete den Rosen-kranz in Gegenwart jener schönen Dame. Nachdem sie den Rosenkranz mit mir ge-betet hatte, gab sie mir ein Zeichen näher zu treten, aber ich habe es nicht gewagt. Dann verschwand sie plötzlich."

Bernadette schreibt ihre Erinnerungen erst acht Jahre später auf. Denn die Tochter verarmter Müllersleute ist zur Zeit der Erscheinungen noch Analphabetin, eine regelrechte "Antiheldin", die seit ihrer Kindheit unter schwerem Asthma leidet.
"Du dummes Ding! Du und dein Erscheinungskarneval!"
poltert der Pfarrer, als sie ihm von ihren Visionen erzählt.
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"Das sind Halluzinationen, keine Visionen",
"
sagen andere.

Aber trotzdem folgen ihr immer mehr Menschen nach Massabielle, am Felsen geschehen unerklärliche Heilungen. Die Behörden drohen mit Gefängnis und Irrenan-stalt. Doch in ihrer Einfachheit bleibt Bernadette dabei: Sie müsse wieder zur Grotte gehen, denn die Dame habe sie darum gebeten.
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"Que soy era Immaculada Conceptiou.
Ich bin die Unbefleckte Empfängnis",
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hört Bernadette die Erscheinung bei der 16. Begegnung im Dialekt von Lourdes sagen. "Immaculata Conceptio", unbefleckte Empfängnis - diesen lateinischen theologischen Fachausdruck könne die ungebildete Bernadette unmöglich gekannt haben, ist der Ortspfarrer überzeugt. Erst wenige Jahre zuvor hat Papst Pius IX. das Dogma von der unbefleckten Empfängnis Mariens verkündet. Sollte sich diese Lehre nun auf wundersame Weise in Lourdes bestätigen? Vier Jahre nach den Erscheinungen stellt ein kirchlicher Untersuchungsausschuss fest:
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"Wir erklären, dass die unbefleckte Jungfrau Maria, die Muttergottes, wirklich der Bernadette Soubirous (…) in der Grotte von Massabielle in der Nähe der Stadt Lourdes erschienen ist."
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Diese Entscheidung hatte kirchenpolitische Brisanz. Denn durch das Dogma von der unbefleckten Empfängnis hatte Papst Pius IX. 1854 auch seinen Anspruch klarmachen wollen, als Oberhaupt der katholischen Kirche Glaubenswahrheiten letztver-bindlich festzulegen. Mit der Erscheinung der "Immaculata Conceptio" in Lourdes ließ sich der päpstliche Machtanspruch untermauern. Kurt Tucholsky, der in den 1920er Jahren die Pyrenäen bereiste, meinte vor diesem Hintergrund: Bernadettes Aussage von der "Immaculata Conceptio" wurde manipuliert.
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"Es war (…) nicht nur möglich, sondern höchst wahrscheinlich, dass das Kind diesen Ausdruck von den Priestern aufgeschnappt hatte, ohne zu begreifen."
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Bernadette starb 1879, im Alter von 35 Jahren, in klösterlicher Zurückgezogenheit an einer langen, schmerzhaften Krankheit. 1933 wurde sie heiliggesprochen. Der jüdische Schriftsteller Franz Werfel tauchte auf seiner Flucht vor den Nazis einige Tage in Lourdes unter. 1941, nach seiner Rettung, setzte er der Bernadette Soubi-rous aus Dankbarkeit ein Denkmal mit dem Roman "Das Lied von Bernadette".
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"Ich habe es gewagt, das Lied von Bernadette zu singen, obwohl ich kein Katholik bin, sondern Jude. (…) Schon in den Tagen, da ich meine ersten Verse schrieb, hat-te ich mir zugeschworen, immer und überall durch meine Schriften zu verherrlichen das göttliche Geheimnis und die menschliche Heiligkeit – des Zeitalters ungeachtet, das sich mit Spott, Ingrimm und Gleichgültigkeit abkehrt von diesen letzten Werten unseres Lebens.""

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