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StartseiteVerbrauchertippWorauf man beim Kauf einer Videokamera achten sollte22.05.2018

DashcamsWorauf man beim Kauf einer Videokamera achten sollte

In einigen Ausnahmen können Aufnahmen von sogenannten Dashcams genutzt werden, um einen Unfallhergang aufzuklären. Das hat ein Urteil des Bundesgerichtshofs bestätigt. Legal sind sie damit automatisch jedoch nicht. Deshalb gilt es vor dem Kauf und der Inbetriebnahme einiges zu bedenken.

Von Philip Banse

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Ein bewaffneter Polizist geht hinter einem weißen Fahrzeug in Deckung, am linken Bildrand steht Keith Scott. (dpa-picture-alliance/Charlotte Police Department)
Dauerhaftes Mitfilmen der Autofahrt und der Umgebung ist weiterhin verboten (dpa-picture-alliance/Charlotte Police Department)
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Dashcams gibt es für gut 20 Euro. Solche Billiggeräte zeichnen in der Regel jeden auf, der in ihr Blickfeld gerät – und sie speichern diese Aufnahmen dauerhaft. Solche Dashcams, sagt Stefan Brink, Datenschutzbeauftragter des Landes Baden-Württembergs, hat der Bundesgerichtshof verboten:

"Er hat erstens festgestellt – und darüber freuen sich die Datenschützer – dass der Einsatz von solchen Dashcams, jedenfalls, wenn die Aufzeichnung permanent erfolgt, datenschutzwidrig und rechtswidrig ist. Das hat der BGH ausdrücklich so geschrieben, das stimmt auch so." 

Zwar hat das Gericht dann zweitens gesagt, dass solch illegal angefertigten Dashcam-Videos im Einzelfall als Beweis vor Gericht erlaubt sein können – das ändere aber nichts daran, dass Dashcams, die alles aufzeichnen und dauerhaft speichern, was vor der Windschutzscheibe passiert, rechtswidrig sind.

Wer mit solchen Dashcams, die fortlaufend und dauerhaft speichern, erwischt wird, muss mit einem Bußgeld im Tausender-Bereich rechnen, sagt Thomas Hoeren, Professor für Medienrecht an der Uni Münster - und zwar drohe dieses Bußgeld erst recht, wenn die Videos vor Gericht als Beweis vorgelegt werden:

"Ja, das wird automatisch fällig! Das ist ein Amtsverfahren. In dem Moment, wo ein Strafrichtiger sagt, da ist eine Dashcam eingesetzt worden – bomm, Bußgeld." 

Bundesgerichtshof deute jedoch an, so Medienrechtler Hoeren, welche Dashcasms rechtmäßig sein könnten:

"Es wäre ein Weg, wenn die Kamera wirklich ganz begrenzt aufnimmt. Also auch nur auf den Anlass bezogen und nur den konkreten Gegner, das Opfer." 

Dauerhaftes Filmen wird teuer

Dass Unbeteiligte gefilmt werden, kann wahrscheinlich keine Kamera verhindern. Allerdings gibt es Kameras, die zwar permanent filmen, aber immer nur die letzten 20, 30 Sekunden auch speichern und diese Aufnahme dann wieder überschreiben. Das Überschreiben wird erst gestoppt und die Aufnahme damit dann permanent gespeichert, wenn die Kamera über Sensoren Anzeichen eines Unfalls registriert: Airbags explodieren, das Auto wird stark zur Seite bewegt oder bremst abrupt ab. Solche Dashcams hat die "Computer Bild" getestet:

"Bei uns ist der Testsieger die TrueCam A7S. Sie hat vor allem gewonnen, weil sie eine wirklich sehr gute Bildqualität hat, sowohl bei Tag, als auch bei Nacht",

sagt Robert Ladenthin von "Computer Bild". In der Grundeinstellung speichert die TrueCam A7S die Videos allerdings, bis die Speicherkarte voll ist – was stundenlange Videos ergeben kann und eindeutig rechtswidrig ist.

Loop-Dauer manuel konfigurieren

Nutzer können diese sogenannte Loop-Dauer im Menü auf eine Minute heruntersetzen. Dann kann die Aufnahme per Knopfdruck dauerhaft gespeichert werden oder: 

"Die Kamera speichert die Aufnahme erst, wenn der G-Sensor ausgelöst wird, das ist der Beschleunigungssensor, der sobald eine Erschütterung von der Kamera wahrgenommen wird, diese Aufnahme speichert. Das kann eine Vollbremsung sein, das kann aber auch ein Zusammenstoß sein. Man kann den G-Sensor auch selber konfigurieren, ab welcher Stufe er auslösen soll."

Die TreuCam A7S kostet rund 150 Euro. Für 80 Euro gibt es die NavGear MDV 2850, die sich ebenfalls einigermaßen rechtskonform konfigurieren lässt, aber ein etwas schlechteres Bild hat.

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