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StartseiteVerbrauchertippGläserne Smartphone-Nutzer28.06.2017

Datenschutz bei Spiele-AppsGläserne Smartphone-Nutzer

Der Spaß mit Smartphone-Spielen boomt in Deutschland und beschert den Herstellern Millionen-Umsätze. Die Stiftung Warentest hat die 50 beliebtesten Spiele untersucht: Es hapert oft am Daten- und Kinderschutz - selbst kostenlose Spiele können teuer werden.

Von Dieter Nürnberger

Eine 13-jährige Jugendliche spieltauf ihrem Smartphone das Spiel "Candy Crush". (picture alliance / dpa / Henning Kaiser)
Jugendliche und Smartphones (picture alliance / dpa / Henning Kaiser)
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So oder so ähnlich hört es sich an, wenn in virtuellen Welten Abenteuer bestanden werden müssen. In Smartphone-Spielen werden Helden geboren oder auch nur Hühner gejagt, es werden Städte aufgebaut und oft auch wieder eingerissen. Der Stiftung Warentest ging es in dieser Untersuchung nicht um die Qualität dieses Spielespaßes, sondern um Kinder- und Datenschutz - ebenso um Kostenfallen. Und die gibt es zuhauf, obwohl die App eines Spiels in den meisten Fällen erst einmal kostenlos ist.

Kostenfalle In-App-Kauf

Das Stichwort für Kostenfallen heißt In-App-Käufe, so Warentesterin Danielle Leven. Die Spiele-Applikationen würden nicht selten zum Geldausgeben verleiten:

"Sie spielen und bauen da Ihre Stadt auf. Plötzlich ist dann aber großer Alarm, weil Sie irgendwie nicht mehr genug Ressourcen haben. Die Bürger protestieren - und da haben die Spieler die Möglichkeit mit hartem Geld - also in Euro - Spielwährung zu kaufen. Da möchte man gerne weiterspielen. Bei In-App-Käufen ist es so, dass Sie innerhalb der App die Möglichkeit haben, einen Einkauf zu tätigen. Also: Einen Diamantenkauf, ein Leben kaufen, irgendwelche Ressourcen kaufen - damit Sie weiterspielen."

90 Prozent der Umsätze über In-App-Käufe

Zwar zeigen die Spiele-Herausgeber die Preisspannen für solche In-App-Käufe durchaus korrekt an. Oft sind es auch nur wenige Euro, aber es könne sich summieren. Da überrascht es nicht, dass über 90 Prozent der Umsätze mit Smartphone-Spielen über diese In-App-Käufe verdient werden, das zeigen zumindest Statistiken der Branche. Die Empfehlungen der Warentest-Expertin sind hier eindeutig:

"Wir empfehlen, dass Eltern die Telefone ihrer Kinder für Inn-App-Käufe sperren. Das geht recht einfach. Das kann man über "Google Play", beziehungsweise im "Apple-App-Store" machen. Dass diese mit einem PIN-Code oder mit einem Fingerabdruck gesichert sind. Und was gut wäre: Man sollte Spiele aussuchen, die offline spielbar sind. Sie müssen ja online sein, um einen Inn-App-Kauf zu tätigen."

Nutzerverhalten, Geräte-Identifikation werden "munter gesendet"

Eltern sollten anfangs zusammen mit ihren Kindern Smartphone-Spiele ausprobieren, denn nicht immer seien die Inhalte der Apps altersgerecht. Hier hilft dann auch das Aktivieren einer Kindersicherung.

Kritisch sieht Danielle Leven auch das Einblenden von Werbung. In Einzelfällen beispielsweise mit nackten Tatsachen für ein Dating-Portal. Zudem: Nur die wenigsten der untersuchten 50 Spiele-Apps konnten beim Kriterium Datenschutz überzeugen:

"Wir haben bei einigen Spielen festgestellt, dass da munter gesendet wird. Da wird das Nutzerverhalten verschickt, auch die Geräte-Identifikation. Eine ganze Menge an Daten, die da weitergegeben werden. Das lässt schon Rückschlüsse auf den Nutzer zu. Und dann kommt entsprechende Werbung oder wofür auch immer solche Nutzerprofile wichtig sind."

"Eltern sollten genau hinschauen, was ihre Jüngsten spielen"

Fazit: Egal, ob digitale Gedulds-, Simulations- oder Actionspiele - es hapere meist am Daten- oder Kinderschutz, so die Stiftung Warentest. Eltern sollten deshalb genau hinschauen, was ihre Jüngsten spielen. Besonders dann, wenn durch nur wenige Mausklicke Kosten in Euro - und nicht nur in virtueller Währung - entstehen, so Danielle Leven.

"Einerseits weiß man ja: Wenn etwas kostenlos ist, dann ist da irgendwo ein Haken. Da bezahle ich wahrscheinlich mit meinen Daten. Aber hier bezahlen Sie oft auch mit echter Währung. Das ist das Business-Modell, die Preisspanne wird angegeben. Das ist alles transparent - problematisch wird es aber für Kinder, die das nicht abschätzen können."

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