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StartseiteVerbrauchertippRaus aus den US-Clouds?20.07.2017

Datenschutz im InternetRaus aus den US-Clouds?

Bisher waren Daten bei Anbietern in den USA zumindest auf dem Papier ähnlich gut geschützt wie hier in Europa. Doch US-Präsident Donald Trump ist kein Freund des Datenschutzes und stellt die Abkommen zwischen den Staaten infrage. Für E-Mail, Cloud-Speicher und andere Dienste gibt es aber Alternativen.

Von Michael Voregger

Sie sehen den Bildschirm eines Mobiltelefons, darauf die Logos von WhatsApp, Google, Snapseed und Dropbox. (dpa-Bildfunk / Arno Burgi)
Wer Anwendungen wie Facebook, Google oder Dropbox nutzt, dessen Daten landen häufig auf amerikanischen Rechnern. (dpa-Bildfunk / Arno Burgi)
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In der digitalen Welt endet der Datenschutz auch heute noch an der Landesgrenze. Wer beliebte Anwendungen wie Facebook, Google, Amazon oder Dropbox nutzt, dessen Daten landen häufig auf amerikanischen Rechnern. Das Datenschutzniveau ist hier nicht sehr hoch. In der Bewertung von Experten liegen die USA gleichauf mit China, Japan und Indien. Das die Daten bisher auf einem ähnlichen Niveau geschützt sind wie in Deutschland und Europa - liegt an zwischenstaatlichen Regelungen.

Susanne Dehmel arbeitet beim Branchenverband Bitkom. "Beim Datenschutz ist es so, dass die USA nach bestehendem Recht ein Drittstaat ist, der generell kein angemessenes Datenschutzniveau hat. Damit man ein angemessenes Datenschutzniveau hat, gibt es den sogenannten "Privacy Shield", der vereinbart wurde zwischen der USA und der EU. Der besteht auch weiterhin und wird im September noch mal überprüft." 

Aktuelles Abkommen kann einseitig gekündigt werden

Der Hauptbestandteil ist eine Datenbank, in die sich die amerikanischen Unternehmen eintragen müssen. Damit verpflichteten sie sich, die aufgestellten Regeln einzuhalten. Wenn etwas schiefgeht, können europäische Bürger einen Ombudsmann einschalten. Der prüft dann, ob es hier einen Missbrauch von Seiten der Unternehmen gegeben hat. Die alte US-Regierung hat auch den Zugriff der Geheimdienste auf die Daten von europäischen Bürgern eingeschränkt. Das aktuelle Abkommen ist Vereinbarung zwischen der USA und der Europäischen Union. Sie hat nicht den Rang eines Gesetzes und kann einseitig gekündigt werden.

Jo Bager ist Redakteur bei der Zeitschrift ct: "Das Problem ist, das in den USA Donald Trump an der Macht ist - und der ist kein Fan vom Datenschutz. Er hat auch schon durchblicken lassen, dass er diese Abmachungen jetzt beenden will. Da sollte man vor allem als Unternehmen raten, ob es seine Daten oder die Daten seiner Kunden in den USA belässt."

"Europäische Clouds nicht ganz so komfortabel"

Es ist aber nicht nur für Firmen, sondern auch für private Anwender wichtig, sich rechtzeitig mit Alternativen zu beschäftigen. Inzwischen haben viele amerikanische Anbieter reagiert und bieten für europäische Kunden an, dass ihre Daten komplett in Europa verarbeitet werden.

"Da muss ich aber spezielle Verträge abschließen - Dropbox ermöglicht es, in der EU was abzulegen. Es gibt ein ganz neues Angebot von Microsoft Office 365.de, das speziell in Deutschland gespeichert wird - da muss ich mich aber drum kümmern."

Microsoft kooperiert für ein solches Angebot mit der deutschen Telekom, um die hier geltenden Datenschutzrichtlinien einzuhalten. Alle Daten für Mails, Datei-Cloud und Online-Office bleiben auf deutschen Rechnern gespeichert.

Sicherheit bietet Zusatzprogramm, das Daten verschlüsselt

Alternativ kann man auch komplett zu einem deutschen oder europäischen Cloud-Anbieter wechseln, rät Jo Bager. "Die sind vielleicht nicht ganz so groß und nicht ganz so komfortabel. Angefangen bei der Suchmaschine, da gibt es den niederländischen Anbieter Startpage oder die deutsche Suchmaschine Metager. Für Messenger gibt es Threema zum Beispiel, das ist ein sicherer Messenger. Und es gibt auch Posteo für Mail oder Nextcloud - dann habe ich so etwas ähnliches wie Dropbox, aber in Europa oder in Deutschland."

Der Datenschutz wird aber auch in Deutschland von Seiten der Politik weiter eingeschränkt. Wer absolut sichergehen will, der muss seine Daten mit einem Zusatzprogramm verschlüsseln. Und zwar, bevor sie in den Rechenzentren der Anbieter gespeichert werden. Mit etwas Aufwand können so alle wichtigen Daten vor fremden Zugriff geschützt werden. Dann spielt es keine so große Rolle mehr, wo sie gespeichert sind.

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