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StartseiteVerbrauchertippSchwammiges Terrain für Verbraucher29.02.2016

DatenschutzerklärungenSchwammiges Terrain für Verbraucher

Wer im Internet etwas bestellt, sich eine E-Mail-Adresse einrichtet oder sonst ein Benutzerkonto anlegt, der muss oft eine Datenschutzerklärung bestätigen. Aber wer liest die schon? Die Stiftung Warentest hat die Erklärungen 16 großer Internetfirmen untersucht. Das Ergebnis: Viel ist schwammig formuliert.

Von Dieter Nürnberger

Google ist laut Europäischem Gerichtshof für die Verarbeitung der Daten verantwortlich (dpa / picture-alliance / Soeren Stache)
Google ist laut Europäischem Gerichtshof für die Verarbeitung der Daten verantwortlich (dpa / picture-alliance / Soeren Stache)
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Ohne Einverständnis des Kunden zur Datenschutzerklärung kann eine Anmeldung bei "Google", "Twitter" und Co. nicht abgeschlossen werden. Und dass, obwohl viele der Datenschutzerklärungen mit deutschem Recht nicht per se konform sind, sagt Simone Vintz von der Stiftung Warentest:   

"Die Firmen sind ja international ansässig. Und haben dann immer die Bestimmungen des jeweiligen Herkunftslandes - und das muss nicht mit dem deutschen Datenschutzgesetz übereinstimmen. Darum ging es uns aber nicht. Uns ist wichtig, dass der Verbraucher erfährt, was erfasst wird. Wer verarbeitet die Daten noch? Und ein ganz wichtiger Punkt: Welche Rechte habe ich denn als Verbraucher - beispielsweise Auskunft zu erhalten oder Daten löschen zu lassen?"

Schwammige Formulierungen und Kann-Bestimmungen

Geprüft wurden die Datenschutzerklärungen 16 großer Internetfirmen - von "Apple" bis "Zalando". Und in vielen Fällen war die Lektüre wenig erhellend - so brauchte ein Internetkaufhaus mehr als 130 Wörter in einem Schachtelsatz, um mitzuteilen, dass sie die von Kunden gewonnenen Informationen mit einer Partnerfirma irgendwie weiterverarbeitet. Schwammige Formulierungen und Kann-Bestimmungen wie folgende lassen Verbraucher im Unklaren.    

"Daten können an Dritte weitergehen, oder auch nicht. Daten können in Singapur, Brasilien verarbeitet werden, vielleicht auch in anderen Ländern. Das heißt, man weiß nicht wirklich konkret, was passiert."

Lesen sollte man die Datenschutzerklärungen aber dennoch. Denn mitunter findet sich doch Überraschendes. Etwa bei "Microsoft":

"Nicht alles ist schwammig formuliert: Zum Beispiel möchte "Microsoft" auch die Live-Chats beim Onlinespielen mit abhören. Stichprobenhaft, aber durchaus. Konkret: "Microsoft" erfährt, was die Spieler sich online gegenseitig erzählen - ob sie sich beschimpfen oder nicht. Und das ist natürlich ein Eingriff in das Persönlichkeitsrecht."

Die Unternehmen wollen Werbung gezielter einsetzen oder die Daten auch an Dritte weiterverkaufen. Zudem erstellen sie Kundenprofile. Wer beispielsweise bei "Otto.de" in Zahlungsverzug gerät, muss damit rechnen, dass er auch bei Tochterunternehmen künftig nicht mehr auf Rechnung einkaufen kann.

Nur die nötigsten Daten preisgeben

Schwierig sei es, so die Stiftung Warentest, über die gespeicherten Daten Informationen zu bekommen, Angaben korrigieren oder löschen zu lassen. Ansprechpartner dafür ist der Datenschutzbeauftragte eines Unternehmens. Simone Vintz:

"Versteckt finden sich durchaus E-Mail-Adressen, aber es gibt auch Anbieter, die bieten nur ein Kontaktformular. Dort müssen Sie dann auch nochmal suchen, wie Sie zur Datenschutzproblematik kommen. Und manche schreiben sogar: Please write us in english - schreiben Sie uns in Englisch. So richtig verbraucherfreundlich ist das nicht aufgearbeitet."

Fazit der Stiftung Warentest: Nur wenige Unternehmen informieren halbwegs aussagekräftig, wie sie mit den Daten ihrer Kunden umgehen. Deshalb sollte - wenn möglich - der Nutzung für Werbezwecke von vornherein widersprochen werden. Und bei der Registrierung nur die nötigsten Kundendaten eingetragen werden, so Simone Vintz. 

"Nur so wenig herausgeben, wie wirklich nötig ist. Also nur die Pflichtangaben und nicht die optionalen."

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